24. August 2018, 19:13 Uhr

Großes Lob für Bienen-Retter

24. August 2018, 19:13 Uhr
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Von Harald Schuchardt
Der Dorheimer Wingert hat einiges zu bieten – nicht nur Honig.

Überpünktlich traf Bundesumweltministerin Svenja Schulze am Donnerstagvormittag im Rahmen ihrer Sommertour beim Imkerverein Friedberg und Umgebung ein. Treffpunkt war der Parkplatz des Edeka-Marktes, wo neben anderen Imkerberater Ernst Ruppel vom gastgebenden Imkerverein und der Landesvorsitzende Manfred Ritz auf den prominenten Besuch warteten. Karl-Otto Waas, SPD-Landtagskandidat für den Wahlkreis 27, hatte die Ministerin eingeladen. Waas war ebenso vor Ort wie Stadtrat Klaus Fischer und Ortsvorsteher Klaus-Dieter Rack.

Kaum war die Ministerin ausgestiegen, begann schon eine angeregte Unterhaltung zum aktuellen Thema Insektensterben. »Insektenrückgang ist da eher das richtige Wort«, sagte Ruppel. Die Ministerin stellte gleich klar: »Es geht nicht nur um Ihre Bienen, sondern auch um Wildbienen und alle Insekten.« Ruppel und Ritz erläuterten die steigende Bedeutung und Beliebtheit der Bienenzucht. Die Zahl der Mitglieder in den hessischen Imkervereinen stieg in den vergangenen Jahren auf 11 000, die Zahl der Bienenvölker von 48 000 auf 62 000. Unter den 1000 Neuzugängen im letzten Jahr waren 30 Prozent Frauen.

Ritz: »Wir alle brauchen Insekten, wenn die fehlen, dann finden die Vögel nichts, das wirkt sich auch auf uns Menschen aus.« Dem stimmte Schulze zu: »Schließlich trifft es uns, das ist ein Kreislauf.« Die Gruppe machte sich auf den Weg bergauf zum vom Imkerverein genutzten Grundstück im Landschaftsschutzgebiet Wingert.

Warnung vor Glyphosat

Unterwegs zeigten Ruth und Axel Müller vom NABU der Ministerin einen Apfelbaum der lokalen Sorte »Dorheimer Streifling«. »Einheimische Apfel- und Obstsorten überhaupt müssen unbedingt erhalten werden«, sagte die Ministerin dazu. Ortsvorsteher Rack ging auf die Geschichte Dorheims ein. Er betonte, dass sich dort Imker, NABU und Ortsbeirat gemeinsam für den Naturschutz einsetzen. Er wies auf das einzige Friedberger Naturschutzgebiet »Am Hechtgraben« in Dorheim hin. »Es ist toll, dass Sie hier so zusammenarbeiten«, lobte Schulze, die den oft massiven Gifteinsatz als eine Hauptursache für das Insektensterben ansieht. »Glyphosat ist absolut tödlich, wir als Bundesregierung wollen da raus, das ist allerdings nicht einfach.« Die Ministerin appellierte an Kommunen und vor allem an Privatpersonen, schon jetzt auf Glyphosat zu verzichten. Ferner plädierte sie für eine »andere Ackerbaustruktur, um die biologische Vielfalt zu erhalten. Wenn wir den Naturschutz nicht erhalten und fördern, wird das ein echtes Problem.«

Reinhold Witzel aus Ober-Mörlen erläuterte Schulze an einem Bienenstock die Grundlagen der Bienenzucht. »Für mich sind Imker Botschafter der Natur. Ich bin wirklich froh, hier zu sein«, betonte die Ministerin mehrmals und bekannte: »Ich liebe Honig«. Da interessierte sie die verschiedenen Honigsorten, auf die Ernst Ruppel einging, ebenso wie andere Produkte vom Wingert, wie sortenreiner Apfelwein, Brotaufstriche und Honiglikör. Schließlich überreichte ihr Ruppel zwei Honiggläser. »Da können Sie sicher sein, die stehen bei mir nicht lange im Regal.« Auf dem Rückweg zu ihrem Wagen sagte Schulze: »Nach diesem Besuch bin ich jetzt für meinen Auftritt heute Abend in der Talkshow von Maybrit Illner bestens vorbereitet.«



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