28. August 2018, 20:01 Uhr

Grenzgänge der Barockmusik

28. August 2018, 20:01 Uhr
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Von Hanna von Prosch
Gabriele Wahl, Blockflöte, Frank Scheffler an der Truhenorgel und Wiebke Roterberg am Barockcello (v. l.) spielen wie zu alten Zeiten. (Foto: hms)

Eingerahmt von Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach widmete sich das Kammerkonzert in der Johanneskirche am Samstagabend flämischen und italienischen Barockkomponisten. Die aus Gießen stammende, in Den Haag ausgebildete und lebende Flötenvirtuosin Gabriele Wahl hatte ein abwechslungsreiches Sommerprogramm zusammengestellt. Mit ihr musizierten Wiebke Roterberg am Barockcello, die ebenfalls in den Niederlanden studierte sowie Kantor Frank Scheffler an den Orgeln und am Cembalo, das im flämischen Stil erbaut wurde.

Fünf Blockflöten in Sopran, Alt- und Tenorlage setzte Gabriele Wahl jeweils mit ihrem spezifischen Klang ein. Spritzig und keck wirkte Telemanns siebensätzige Partita Nr. 2 für Sopranflöte, Cello und Cembalo. Für seine Flötenkompositionen bekannt, zeigte sich Telemann hier nicht nur tempo- sondern besonders einfallsreich in der Gestaltung der Sätze. Wahl hielt mit ausdrucksvollem Spiel, fließenden Läufen, sowohl im Legato als auch in den zahlreichen die Flötenmusik prägenden Stakkati mit. Ähnlich lebendig und sehr virtuos war die Sonata quarta des um ein Jahrhundert jüngeren Italieners Biagio Marini.

An den Italienern und Engländern orientierte sich die gesamte niederländische Barockmusik in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Da es kaum eine höfische Kultur gab, sondern das Bürgertum vorherrschte, importierten die Niederländer ihre Musik oder lernten selbst im führenden Ausland. Häufig improvisierten oder konstruierten die Meister. Dazukamen Liedsammlungen, die, wie Jacob van Eycks »Fluyten Lust-Hof«, Berühmtheit erlangten. Wahl blies daraus zauberhaft tirilierend, mit Echoeffekten und Himmelstonleitern das Solo »Engels Nachtegaeltje«. Diese Lieder sind oft bis zur Unkenntlichkeit diminuiert und sehr reizvoll. Das melancholisch verschnörkelte »Lacrimae Pavaen« von Johan Schop geht auf eine Ballade des Engländers John Dowland zurück. Hier spielte Scheffler an der Truhenorgel der niederländischen Firma Klop. Nach der Sonata quarta im italienischen Stil von Bartholomeo de Selma y Salaverde folgten Orgelvariationen von Jan Pieterszoon Sweelinck, über die Frage: »Ist es der Kriegsgott?« Die Antwort lautete musikalisch mal martialisch, mal choralhaft oder verspielt: »Nein, es ist Amor«.

Kriegsgott und Amor

Ebenfalls italienischer Einfluss und der warme Klang einer besonderen Altblockflöte italienischer Bauart wurde in der Sonata terza des aus Brüssel stammenden Philippe van Wichel deutlich. Einen grandiosen Abschluss setzte die Sonata a-Moll, von J. S. Bach (sie wird auch C. Ph. E. Bach zugeschrieben). Cembalo und Flöte treten dabei solistisch und im Dialog auf. Beide Interpreten brillierten gleichermaßen, wobei das Cembalo, wie meist auch das Cello, aus seiner sonst eher begleitenden und untermalenden Rolle heraustrat und ein faszinierendes Klangspektrum offenbarte.

Mit seinem begeisterten Applaus erwirkt das Publikum eine Zugabe:



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