31. Mai 2019, 06:00 Uhr

Gollacker

Gollacker: Niddataler Politik tritt auf die Bremse

Die Entwicklung des Neubaugebietes Gollacker am Rande von Assenheim bleibt eine schwere Geburt. Das Parlament diskutierte jetzt über die Idee einer »Plus-Energie-Siedlung«.
31. Mai 2019, 06:00 Uhr
Seit Juli 2017 steht ein Gerüst vor der Stadtverwaltung in Niddatal. Nun wird es abgebaut - ein neues ist aber schon in Aussicht. (Foto: Niehoff)

Nach der überraschenden Mitteilung von Bürgermeister Dr. Bernhard Hertel, dass Niddatal vom Land als Modellkommune für eine »Plus-Energie-Siedlung« ausgewählt wurde, gab es in der jüngsten Sitzung des Stadtparlamentes heftige Diskussion über die Idee des Rathauschefs. Auch dessen Antworten zur Sanierung der Fassade der Stadtverwaltung missfielen der Opposition.

Geht es nach Hertel, soll der Gollacker mit nachhaltigem Konzept neu geplant werden und später mal mehr Energie erzeugen als die Bewohner verbrauchen. Das energetische Vorzeigeprojekt sei zu begrüßen, waren sich fast alle einig. Aber in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Dienstagabend geht es auch wieder um die alles entscheidende Frage nach den Kosten. »Können bei diesem Modell weiterhin 25 Prozent der Wohneinheiten kostengünstig und damit auf bezahlbaren Niveau hergestellt werden? Nur unter dieser Bedingung haben wir dem Neubaugebiet nämlich an dieser Stelle zugestimmt«, sagte beispielsweise Grünen-Sprecher Oliver Seuss.

Gegen den Koalitionspartner

Selbst die Linke scheint sich in diesem Fall gegen ihren Koalitionspartner SPD und gegen Hertel zu richten: »Für uns steht ganz klar der Sozialaspekt im Vordergrund. Die 25 Prozent bezahlbarer Wohnraum müssen verwirklicht werden können«, fordert Linken-Fraktionschef Rolf Lamade.

Die Oppositionsfraktionen CDU und FPD bemängeln den ihrer Ansicht nach unzureichenden Informationsfluss. »Wie können wir über etwas entscheiden, von dem rein gar nichts wissen?«, fragten die Sprecher beider Fraktionen übereinstimmend. Auch Bürgermeister Hertels Hinweis, dass die Stadt jederzeit aussteigen könne, wenn die Kosten zu hoch würden, überzeugte die Opposition nicht. Zwar wurde dem Ankauf weitere Grundstücke am Gollberg zwischen Assenheim und Bruchenbrücken mehrheitlich zugestimmt, der Beitritt zum Energie-Sparprojekt jedoch zur weiteren Beratung noch einmal in den Bauausschuss verschoben.

Gerüst steht seit 102 Wochen

Unklar ist offensichtlich auch die Situation rund um die Reparatur der Außenfassade des Rathauses in Assenheim. Weil das Gerüst inzwischen 102 Wochen, also seit Anfang Juli 2017, vor Teilen des Verwaltungsgebäudes steht, wollten die Grünen mit einer Anfrage Klarheit in die Angelegenheit bringen. Lose beziehungsweise herabfallende Klinker hatten eine Sanierung nötig gemacht. Bei den Reparaturarbeiten hat sich laut Bürgermeister Hertel aber herausgestellt, dass Wasser in die Wände eingedrungen war und sie deshalb neu verputzt werden müssten. Der tatsächliche Umfang der Arbeiten sei nicht absehbar gewesen. Schließlich habe Gefahr im Verzug dazu geführt, dass alle Klinker an der Frontseite entfernt wurden. Auch da sei über die Kosten nur am Rande gesprochen worden. Hertel sagte, er rechne mit einer Summe von 6000 bis 7000 Euro. Inzwischen - nach fast zwei Jahren - dränge das Rathaus auf ein verbindliches Angebot, weil sich der Arbeitsumfang geändert habe. Wie Hertel am Abend sagt, soll das Gerüst in den kommenden Tagen wieder abgebaut werden. Die Firma, die die Restarbeiten - Beseitigung der Wasserschäden und Verputzen - ausführen wird, werde dann ein eigenes Gerüst aufstellen. Wann das geschieht, stehe aber noch nicht fest.

Ähnlich vage verhält es sich um die allgemeinärztliche und fachärztliche Versorgung in Niddatal. Auch hierzu hat die Grünen-Fraktion einen Antrag eingebracht, mit dem sie eine bessere medizinische Versorgung erreichen will. Des Weiteren forderte sie, dass die Stadt sich um ein passendes Grundstück für ein Ärztehaus in Niddatal kümmern soll. Doch während dem unverbindlichen Prüfauftrag an die Verwaltung hinsichtlich der ärztlichen Versorgung noch einstimmig zugestimmt wurde, ist der konkrete Auftrag auf Suche nach einem geeigneten Grundstück von der Mehrheit abgelehnt worden.

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