15. April 2019, 19:06 Uhr

Glücklicher Türke aus Bodenhaltung

15. April 2019, 19:06 Uhr
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Von Harald Schuchardt
Etwas irre wirkt Serhat Dogans Blick schon, aber das ist sein Markenzeichen. (Foto: lod)

Ob alle Türken gerne Bahn fahren, das verriet Serhat Dogan bei der neuesten Ausgabe von »Zugluft«, dem gemeinsamen Projekt der Eisenbahnfreunde Wetterau und Veranstalter Holger Baake, am Samstagabend leider nicht.

Jedenfalls war der Comedian bereits zum zweiten Mal zu Gast im Theaterwagen der Eisenbahnfreunde, die er gleich mehrmals lobte. »Ich fahre hier sehr gern, alles ist einfach toll«, meinte Dogan, der sich als »glücklicher Türke aus Bodenhaltung« vorstellte.

Das ist zugleich auch der Titel seines aktuellen Programms, in dem er die Unterschiede zwischen Türken und Deutschen präsentiert, jedoch niemals böse oder gar unter der Gürtellinie. Dass er als Türke in Deutschland glücklich ist, betont er immer wieder.

So bekam er ein Comedy-Visum

Das hängt sicher auch mit seiner Lebensgeschichte zusammen, die mehrmals in sein Programm einfließt. So wurde er 1974 zwar in Köln geboren, doch sechs Jahre später kehrte er mit Eltern und Geschwistern zurück in die Türkei, wo er seine Schul- und Jugendzeit verbrachte.

Erst 2004 kam er zurück – mit einem »Comedy-Visum«, heiratete doch eine seiner beiden Schwestern den bekannten Comedy-Autor Moritz Netenjakob. Der schrieb ihm für die Hochzeit ein Fünf-Minuten-Stück, das bei den eingeladenen Promis so gut ankam, dass er in Deutschland blieb, zumal er schon »eine Einladung des türkischen Militärs« erhalten hatte. Sein Visum hatte er mit dem Sprachvokabular des Aufklärungsfilms »Helga«, den er mit 16 gesehen hatte, beantragt. »Sind sie Komiker?« fragte die Konsulatsangestellte. Seine bejahende Antwort führte zum Eintrag »Komiker« in das Visum.

Dass er tatsächlich ein hervorragender Comedian ist, zeigte Dogan schon zum Auftakt seines Programms, band er doch die Besucher mit ein. Die mussten ihm unterschiedliche türkische Lobesworte zurufen. Das klappte schon bestens.

»Ich liebe euch Deutsche« bekannte Dogan, der mehrere Jahre in der Türkei als Animateur gearbeitet hat und so die Unterschiede zwischen der deutschen und der türkischen Mentalität bestens kennenlernte. »Wenn wir Türken Urlaub machen, heißt das hinlegen, pennen, essen.«

Die Deutschen sind da ganz anders: Tennis, Yoga, schwimmen und sonnenbaden, »bis die Haut so rot wird, wie unsere Fahne. Ihr Deutsche seid dann voll integriert«.

Natürlich muss ein Animateur auch flirten, »doch ich bin kein Macho«, bekannte der Wahl-Kölner, der anhand der entsprechenden Songs seine Flirttechniken mit Frauen verschiedener Nationalitäten demonstrierte. Seine Gesichtskomik und vor allem sein Augenspiel sorgten dabei für Lacher ohne Ende.

Gleiches gilt auch für seine Erlebnisse in der Fahrschule. Der wichtigste Unterschied zur Türkei beim Auto fahren lernen: »Wir Türken setzen uns rein, fahren los. In Deutschland muss man in eine Fahrschule, wo der Fahrlehrer ständig redet, sogar beim Fahren.«

Was er nicht versteht

Dogans’ Stauerfahrungen rund um Köln sind ebenso urkomisch wie sein Trip in die Niederlande, wo er in einem Coffee-Shop, dank des Genusses eines besonderen Tees und einiger Plätzchen zum Vogel wurde.

Sein Tagebuch über die ersten Monate in Deutschland ist gespickt mit Klischees. Das »Grüß Gott« in München versteht er ebenso wenig wie die Sachsen. »Sprechen die Deutsch?«, fragt er sich. Und warum es die Berliner Weiße nur in grün und rot, aber nicht in weiß gibt, kann er nicht verstehen.

Und in Köln-Kalk fühlt er sich wie in Istanbul. Schließlich verwechselt er Rosenmontagszug und CSD-Parade mit Militäraufmärschen. Das alles trifft auf viel Zustimmung und Begeisterung seiner Mitreisenden, die den sympathischen Comedian mit den beiden Lebenswurzeln nicht ohne Zugabe von der kleinen Bühne lassen.



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