28. Juni 2017, 20:36 Uhr

Glenn Miller für vier Musiker

28. Juni 2017, 20:36 Uhr
So hat die Musik von Glenn Miller bisher noch nie geklungen wie beim Auftritt von (v. l.) Götz Ommert, Wilson de Olievera und Gerald Stütz. Pianist Sebastian Laverny (kl. Foto) hat Millers Lieder für nur vier Instrumentalisten arrangiert. (Fotos: lod)

Glenn Miller und sein Orchester waren in den 1930er und 1940er Jahren die Stars der Swing-Szene schlechthin. Noch heute gehören dessen Hits, von denen der Bandleader allerdings die wenigsten selbst komponiert und arrangiert hat, zum festen Repertoire von Big Bands, aber auch von Blasorchestern und anderen Musikgruppen.

Ungewöhnlich ist dagegen das Projekt von Pianist Sebastian Laverny, seit 2001 Dirigent von Chor und Orchester des Mainzer Staatstheaters. Der Musiker hat vor drei Jahren zum 110. Geburtstag von Glenn Miller dessen Lieder für nur vier Instrumentalisten arrangiert. Seitdem tourt das Sebastian-Laverny-Quartett mit seinem Programm »A Tribute to Glenn Miller« durch die Lande und das mit riesigem Erfolg. Nicht anders war dies am frühen Sonntagabend im Alten Hallenbad der Fall. Die Besucher kamen aus dem Staunen, Klatschen und Jubeln überhaupt nicht mehr heraus. Das war nicht nur Lavernys Verdienst. Mit dem aus Uruguay stammenden Saxofonisten Wilson de Olievera, der unter anderem an der Uni Mainz und an der Musikhochschule Frankfurt lehrt, sowie Schlagzeuger Gerald Stütz und Götz Ommert am Kontrabass hat er drei exzellente Instrumentalisten um sich geschart.

Nur so ist es wohl möglich, dass ein Quartett eine Orchesterprogramm spielen kann, ganz ohne dessen Sound, den allerdings kein Zuhörer nur eine Sekunde vermisst. Nicht nur Laverny und Oliveira glänzen mit virtuosen Soli, dem stehen Stütz und Ommert in nichts nach. Ommert übernimmt mit dem Bass komplett die Melodie und variiert sie immer aufs Neue. Stütz begleitet seine Mitstreiter virtuos und meist sanft und leise am Schlagzeug, um dann mit vehementen Soli geradezu zu explodieren.

Den Spaß, den das Quartett auf der Bühne hat, überträgt sich zwangsläufig auf die Besucher, die den Showauftakt mit der Einspielung von Glenn Millers »Moonlight Serenade« im Original erleben. Die Komposition übernimmt das Quartett. »Das hat Glenn Miller immer zu Beginn gespielt, egal wo«, sagt Laverny, der zwischen den Stücken vieles über das Leben und die Musik des Swing-Musikers erzählt und auch als Sänger überzeugte.

Solo mit Besen und Stöcken

In ihrem Programm konzentriert sich das Quartett auf die Musik des zweiten Glenn-Miller-Orchesters in der Zeit von 1938 bis 1942. Da fehlen die Klassiker wie Tuxedo Junction, Sunrise Serenade oder Pennsylvania 6500, bei dem die Besucher die Zahlen lautstark hereinrufen, ebenso wenig wie »In the mood« und »Chattanooga Choo Choo«. Allerdings verzichtet das Quartett darauf, diese beiden Stücke live zu spielen. Stattdessen werden diese Klassiker in seltenen Versionen des Glenn-Miller-Orchestra eingespielt.

Die vier Musiker faszinieren ein ums andere Mal, auch mit kaum bekannten Stücken, wie dem romantischen »A nightingale sang in Berkeley Square«, »Beat me daddy, eight to the bar« oder »What’s your story, morning glory«, dem einzigen Blues im Glenn-Miller-Repertoire. Jazz-Standards, die auch Millers Orchester gespielt hat, dürfen nicht fehlen. Beim »Tiger Rag« läuft das Quartett zur Hochform auf, Furios einmal mehr Schlagzeuger Götz Ommert, ebenso wie beim finalen minutenlangen Solo mit Besen, Stöcken und Händen, dass von den Besuchern mit Ovationen begleitet wurde und zu einer Zugabe führte.

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