27. September 2019, 17:00 Uhr

Pilotcharakter

Glasfaser-Ausbau in Ober-Mörlen im Zeitplan

Dass ein ganzes Dorf für neue Leitungen »aufgebaggert« wird, kennt man so nicht. Häppchenweise für Wasser, Strom, Gas oder Telefon ja. Aber nicht ein komplettes Glasfasernetz für alle Ortsteile binnen eines halben Jahres. Das Projekt in Ober-Mörlen hat in der Tat Pilotcharakter.
27. September 2019, 17:00 Uhr
Seit Beginn der Bauarbeiten am 1. Juli haben sich die beiden Baukolonnen inzwischen durchs halbe Dorf vorgearbeitet und fräsen sich durch die Zwetschengasse in Richtung Schloss. (Fotos: hau)

Obschon Ober-Mörlen zurzeit manch einem Betrachter erscheinen mag wie ein Schweizer Käse oder wie Kishons Blaumilchkanal - zur Glasfaser gesellen sich die Erschließungsarbeiten fürs neue Baugebiet - ist die Kommune doch stolz, als erste weit und breit von der Firma Deutsche Glasfaser auf deren Kosten mit der schnellstmöglichen Datenautobahn versorgt und damit an die digitale Zukunft angeschlossen zu werden.

Nachdem die Tiefbauarbeiten am 1. Juli starteten, haben vor wenigen Tagen die beiden Baukolonnen mit ihren Baggern und Presslufthämmern, Fräsen und Frontladern, Spitzhacken und Hämmern, bunten Kabeln und rotweißen Absperrungen die Frankfurter Straße überquert und sind damit schon über circa zwei Drittel des Dorfes geschwappt. Bis Ende des Jahres soll - je nach Witterung - der Tiefbau im ganzen Dorf, auf dem Maiberg und in Langenhain-Ziegenberg abgeschlossen sein.

»Wir liegen im Zeitplan«, berichten Projektmanager Marco van Keulen und Kommunikations-Koordinatorin Carina Schnipper auf WZ-Anfrage. Die Anschlussgebühr von 750 Euro könne man sogar noch bis zum Ende der kompletten Bauphase in allen drei Ortsteilen sparen, wenn man bis dahin einen Vertrag mit Deutsche Glasfaser abschließe. Allerdings könne sich der Hausanschluss bis nach dem Projektende verschieben, wenn man den Vertrag abschließe, nachdem die eigene Straße verkabelt sei.

Derzeit sind im Areal zwischen der Glasfaser-Keimzelle hinter der Usatalhalle bis zum Schloss die unterschiedlichen Ausbauphasen vom Bürgersteig-Aufgraben übers Kabel-Durchschießen bis zum Durchbohren der Hauswände zu beobachten. Hier werden aufgerissene Gräben wieder zugeschüttet, da wird Pflaster ausgebessert und dort warten Asphaltschäden auf ihre Behebung. Derweil werkeln in den betroffenen Häusern auch fleißig die Elektriker, damit das neue Kabel über den Hausübergabepunkt bis an den Router angeschlossen werden kann. In diesen Tagen werden Schnipper zufolge die ersten Anschlüsse aktiviert.

Beschwerden über Schmutz

Bevor nicht alles in Ordnung sei, gebe es keine Endabnahme, versichern Bürgermeisterin Kristina Paulenz und Erster Beigeordneter Herbert Hahn. Beim Asphalt warte man ab, bis ein größeres Kontingent aufgebracht werden könne. »An manchen Stellen wird’s nachher besser aussehen als vorher«, vermutet Hahn. Die Ortsbegehungen machen sie mit van Keulen, Vertretern des Subunternehmers (Tiefbaufirma Verne) und von Oberhessen-Gas gemeinsam.

Als positiv und flexibel beschreibt van Keulen die Zusammenarbeit mit der Kommune und Oberhessen-Gas. Den Verlauf der Leitungen erfahre man genau. Wie Hahn erklärte, mangle es indes an Aufzeichnungen, wo die Telefonleitungen verlaufen. In der Folge sei das Netz manchmal ausgefallen.

Unterdessen berichtet die Bürgermeisterin von Beschwerden über die Sauberkeit. »Wir sind in ständiger Verhandlung mit dem Unternehmen«, bittet sie die Bürger um Geduld. Die einen nehmen das Baugeschehen naturgemäß sehr unterschiedlich auf, zwischen Ärger über Bauschmutz und gesperrte Straßen und dem Staunen über das rasante Ausbautempo reicht die Palette. Den einen ist die Glasfaser schnuppe bis lästig, andere freuen sich auf bis zu 1000 MBit/s.

Als ausgesprochen freundlich fallen die spanischen Bauarbeiter auf. Nicht zuletzt trug sicher das freundliche Sommerwetter zum schnellen Baufortschritt bei.

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