30. August 2018, 14:00 Uhr

Arbeitsverträge

Gewerkschaft übt Kritik an Zeitverträgen

Die Gewerkschaft der Gastronomen fordert mehr unbefristetete Anstellungen. Mit Zeitverträgen würden jungen Menschen keine Perspektive geboten. Doch auch Unternehmer klagen.
30. August 2018, 14:00 Uhr
In der Nahrungs- und Genussmittelbranche erhalten 73 Prozent aller neu eingestellten Arbeitnehmer einen befristeten Arbeitsvertrag. (Foto: dpa)

Den Ausbildungsvertrag in der Hand, aber was kommt danach? Im Wetteraukreis können sich derzeit über 1500 Neu-Azubis über eine Lehrstelle freuen. So viele versorgte Bewerber zählte die Arbeitsagentur zum Start des Ausbildungsjahres. Dabei handelt es sich zwar um eine vorläufige Zahl, weil nur all jene Jugendliche in der Statistik erfasst wurden, die sich bei der Arbeitsagentur ausbildungsplatzsuchend gemeldet hatten.

Die Frage aber trifft alle: Wie sieht es nach der Abschlussprüfung aus? Damit die Karriere auch danach weitergeht, fordert die Gewerkschaft Nahrungs-Genuss-Gaststätten (NGG) nun bessere Job-Perspektiven für Berufseinsteiger. Eine große Hürde nach der Ausbildung, so die NGG, sei der Trend zum Job auf Zeit – zur Befristung.


Jeder 13. Beschäftigte in Hessen betroffen

Solche »Arbeitsplätze mit Verfallsdatum« sind nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in der Nahrungs- und Genussmittelbranche besonders verbreitet. Hier sind bundesweit knapp 54 Prozent aller Übernahmen befristet. Ähnlich sieht es bei den Neueinstellungen aus: Hier zählt die Branche mit einer Befristungsquote von 73 Prozent zu den Spitzenreitern. Auch in Hotels und Gaststätten sind diese Arbeitsverträge zum Berufsstart gang und gäbe. Dort sind laut IAB 35 Prozent aller Übernahmen befristet.

Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG-Region Nord-Mittelhessen, spricht von einer »Unternehmer-Unsitte«: Es könne nicht sein, dass Betriebe trotz Hochkonjunktur in vielen Branchen so stark auf Befristungen setzten. »Wer als Job-Starter eine Familie gründen oder einen Kredit für die Wohnungseinrichtung bekommen will, der braucht einen sicheren Arbeitsplatz und keinen Zitter-Vertrag«, sagt Kampmann. In Hessen waren im vergangenen Jahr 17 Prozent der 20- bis 30-Jährigen befristet beschäftigt – Azubis nicht mitgerechnet. Das geht aus dem aktuellen Mikrozensus hervor. Danach hatten insgesamt 223 000 Hessen lediglich einen befristeten Arbeitsvertrag – das ist immerhin jeder 13. Beschäftigte.


Befristungen sollten Ausnahme sein

Auf Unternehmer, die darüber klagen, dass sie im Gastgewerbe oder in der Ernährungswirtschaft kaum noch Fachkräfte finden, reagiert Kampmann mit einem Kopfschütteln: »Wer nach der Ausbildung nur einen Vertrag auf Zeit anbietet, der muss sich nicht wundern, dass sich Schulabgänger woanders umsehen.« Befristungen sollten die Ausnahme sein. Zu den wirklich zwingenden Gründen einer Befristung gehörten etwa eine Probezeit oder Schwangerschaftsvertretung.

»In den Betrieben haben wir es aber immer häufiger mit Befristungen nach dem 08/15-Prinzip zu tun. Jobs auf Zeit werden zur gängigen Praxis«, sagt Kampmann. Das Bundesarbeitsministerium plane zwar, solche Arbeitsverhältnisse einzudämmen. Befristungen ohne Sachgrund sollen danach auf 18 Monate begrenzt werden und maximal 2,5 Prozent der Belegschaft betreffen. Allerdings wären Betriebe mit weniger als 75 Beschäftigten vom Gesetz ausgenommen.

»Ein Großteil der Beschäftigten im Gastgewerbe und im Lebensmittelhandwerk hätte davon praktisch nichts«, kritisiert die Gewerkschaft und fordert ein vollständiges Verbot der sachgrundlosen Befristung. Dieses soll unabhängig von der Betriebsgröße gelten.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Arbeitsagenturen
  • Berufsausbildungsverträge
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales
  • Gastronominnen und Gastronomen
  • Gewerkschaften
  • Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
  • Unternehmer
  • Wetteraukreis
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos