03. Juli 2019, 19:11 Uhr

Geschichten von edlen Wilden

03. Juli 2019, 19:11 Uhr
Ist Karl May Trivial- oder Weltliteratur? Mit dieser Frage hat sich der Karbener Literaturtreff beschäftigt. Karin Schrey begrüßt als besonderen Gast Werner Müller in stilechtem Outfit. (Foto: cf)

An Karl May scheiden sich bis heute die Geister. Von seinen Fans wird der Autor zahlreicher Abenteuerromane und Reiseerzählungen weltweit verehrt. Er ist einer der meistgelesenen deutschen Autoren und laut UNESCO einer der am häufigsten übersetzten deutschen Schriftsteller. Sein Gesamtwerk hat eine geschätzte Weltauflage von über 200 Millionen Exemplaren, davon 100 Millionen in Deutschland. Gute Gründe für die Mitglieder des Karbener Literaturtreffs sich mit Leben und Werk des Autors zu beschäftigen.

»Karl May, Trivial- oder Weltliteratur?«, lautete der Titel des Literaturabends mit Überraschungsgast im »KUHtelier«. Hans Kärcher und Karin Schrey haben den Ablauf des Abends ausgearbeitet und organisiert. Abwechselnd führten sieben Aktive des Literaturtreffs in das Leben und Werk einer der produktivsten, deutschen Autoren ein. Allein das Leben von Carl Friedrich May, der 1842 in Ernstthal geboren wurde und 1912 in Radebeul starb, wie der Autor mit bürgerlichem Namen hieß, böte genügend Stoff, um Bücher zu füllen. May stammte aus einer armen Weberfamilie. Er versuchte von Jugend an den bedrückenden Verhältnissen und der bitteren Not seiner Familie zu entfliehen. Dabei geriet er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Seine »kriminelle Karriere« brachte dem Lehrer, Redakteur und Schriftsteller unter anderem vier Jahre Zuchthaus ein.

Hans Kärcher hatte die erste Hälfte von Mays Lebenslauf unter die Überschrift »Gebrochenes Leben«, Almut Rose den zweiten Teil unter »Das Flimmern der Wahrheit in der Wüste« gestellt.

Lebenslauf mit Ecken

Den Zeitgeist um 1900 beleuchtete Karin Schrey eingehend in »Karl May in Sachsen«. Die Bandbreite seines literarischen Schaffens ist groß. Sie reicht von Artikeln und Reportagen für Zeitungen und Zeitschriften, frühen Romanen wie »Die Liebe des Ulanen« über Reiseerzählungen, die im Orient, in den Vereinigten Staaten und im Mexiko des 19. Jahrhunderts angesiedelt sind und ihm zum Durchbruch verhalfen. Wie die »Indianerromane« mit dem »edlen Wilden Winnetou«, dem Häuptling der Mescalero-Apatschen, den Fritz Böhner ins Visier nahm, bis hin zum nach seiner Orientreise entstandenen Spätwerk, das von Kritikern teils zur Weltliteratur gezählt wird. Zu dieser Epoche gehören Titel wie »Im Reich der silbernen Löwen« oder »Winnetou 4«.

Mit dem O-Ton des Autors vertraut machte Barbara Metz unter der Überschrift »Mays Vorderer Orient« mit Textauszügen aus »Hadschi Halef Omar«, Hans Kärcher in »Karl May in China« mit »Et in tera pax« und Vorsitzender Dieter Körber mit einer durch Arno Schmidt geprägten Werkanalyse »Sitara und der Weg dorthin«. Unbekanntere Seiten des Autors brachte Pianistin Martina Riedel ins Spiel. Sie interpretierte gefühlvoll Klangwelten aus dem Werk des Komponisten Karl May. Für viele Zuhörer war das musikalische Wirken ebenso neu wie die liberale Haltung des Autors gegenüber Religionen, Kulturen und fremden Völkern. Am Ende des Abends wird klar: Es lassen sich im Leben und im Werk von Karl May jede Menge Belege finden, mit denen sich Thesen zu Kitsch oder Kunst, Trivial- oder Weltliteratur untermauern lassen.

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