Wetterau

Geschichte war immer sein Ding

Als »Mr. History« wird Guido Knopp gerne bezeichnet. Der Mitbegründer und langjährige Leiter der ZDF-Redaktion »Zeitgeschichte« gilt als der Spezialist für Geschichte, insbesondere für die der Deutschen. Seine Dokumentationen, wie über den zweiten Weltkrieg, oder seine Serie »Die Deutschen« wurden in bis zu 160 Ländern verkauft. Nun hat der 70-Jährige seine Biografie »Meine Geschichte« geschrieben. Am Donnerstagabend präsentierte der in Treysa geborene Knopp sein Buch im Rahmen von »Friedberg lässt lesen« in der proppenvollen Ovag-Hauptverwaltung.
18. Oktober 2018, 21:27 Uhr
Harald Schuchardt
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Im Laufe der Jahre hat Historiker Guido Knopp alle Bundeskanzler – außer Adenauer – getroffen. Davon erzählt er in »Meine Geschichte«. (Foto: lod)

Als »Mr. History« wird Guido Knopp gerne bezeichnet. Der Mitbegründer und langjährige Leiter der ZDF-Redaktion »Zeitgeschichte« gilt als der Spezialist für Geschichte, insbesondere für die der Deutschen. Seine Dokumentationen, wie über den zweiten Weltkrieg, oder seine Serie »Die Deutschen« wurden in bis zu 160 Ländern verkauft. Nun hat der 70-Jährige seine Biografie »Meine Geschichte« geschrieben. Am Donnerstagabend präsentierte der in Treysa geborene Knopp sein Buch im Rahmen von »Friedberg lässt lesen« in der proppenvollen Ovag-Hauptverwaltung.

Es wurde ein äußerst unterhaltsamer Abend, ist es Knopp doch gelungen, seine persönliche Biografie äußerst humorvoll mit der deutschen Geschichte zu verknüpfen. Knopp las durchgehend vor. Obwohl er verschiedene Passagen aus dem Buch las, kam dies den Besuchern nicht so vor.

Die Texte passten zusammen und die wenigen Erläuterungen dazu fügte Knopp nahtlos ein. »Ich will Ihnen heute Abend den Spaß vermitteln, den ich beim Schreiben des Buches gehabt habe«, sagte der Autor zu Beginn. Das gelang ihm bestens.

Bevor er sich seinem Buch widmete, bekannte der in Treysa geborene Knopp, dass er noch nie in der Kreisstadt gewesen sei, obwohl er in Aschaffenburg aufgewachsen ist, in Gießen gelehrt hat und nun in Mainz wohnt. Knopp: »Das ist völlig unverzeihlich.«

Darum waren Blumen wichtig

Die Zuhörer nahmen diese Entschuldigung mit vielen Lachern an, ebenso wie seine Feststellung, dass er, Jahrgang 1948, genauso alt sei wie die Bundesrepublik und die D-Mark, doch es gebe da einen Unterschied zur alten Währung: »Mich gibt es noch.«

Aufgewachsen ist der evangelische Knopp im zu 90 Prozent katholischen Aschaffenburg, was für ihn nicht einfach war. So musste er eine halbe Stunde zu einer evangelischen Schule fahren. »Das war Apartheid auf bayerisch«, analysiert er mit viel Humor. Und gibt zu, vor dem Abitur eine Ehrenrunde gedreht zu haben. Erst nach einem Schulwechsel nach Neustadt an der Aisch schaffte er mit einem Schnitt von 1,4 das Abi. Da war ihm schon längst klar, dass Geschichte sein Ding ist. Er studierte ab 1968 in Frankfurt, lernte Daniel Cohn-Bendit und dessen »Schlappe-Schambes«, den damals noch völlig unbekannten Joschka Fischer, kennen.

Er wurde Zeuge des legendären »Busenattentats« dreier SDS-Aktivistinnen bei der letzten Vorlesung von Theodor Adorno. Nach drei Jahren »Revolution« wechselte er ins streng konservative Würzburg, wo er 1975 promovierte. Nach seinen »Lehr- und Wanderjahren« kam er 1980 zum ZDF, wo er in Danzig die erste deutsch-polnische Koproduktion betreute, während nebenan Lech Walesa und die Werftarbeiter für mehr Demokratie kämpften. »Das war der erste Dominostein für den Niedergang des Kommunismus«. Humorvoll schilderte Knopp die Hierarchien beim ZDF, bei dem so manches Statussymbol, wie frische Blumen auf dem Schreibtisch, eine wichtige Rolle spielte: »Wer unter die Schnittblumenverordnung fiel, der hatte es geschafft.«

Im Laufe der Jahre hat Knopp alle Bundeskanzler – außer Adenauer – ebenso kennengelernt wie Gorbatschow, den er siebenmal getroffen hat. »Wäre der erste Putschversuch gegen Gorbi 1990 erfolgreich gewesen, dann hätte es die Wiedervereinigung wohl nicht gegeben«, so Knopp, der immer wieder aus dem Nähkästchen plauderte.

Zu letzterem gehörte auch sein Privileg, sich als Redaktionsleiter seine Mitarbeiter selbst auszusuchen. »Wir waren eine kreative Insel der Seligen«, meinte Knopp, der sichtbar stolz auf die sieben Ehen unter seinen Redaktionsmitgliedern ist. »Sechs halten bis heute. Drei Kinder sind die Regel«, sagte Knopp, der seine Lesung mit der Feststellung beendete: »Geschichte wird nicht alt – im Gegensatz zu ihren Vermittlern.«

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