15. November 2018, 20:26 Uhr

Gemeinsam erinnern

15. November 2018, 20:26 Uhr
SGBN: Dies Initialen der Solgrabenschule und das Zeichen sollen für Toleranz und Vielfalt stehen. (Foto: pv)

»Extrablatt!«, »Boykottiert jüdische Geschäfte!«, »Die Synagogen brennen!« Mit diesen Ausrufen in der Rolle von Zeitungsjungen im Jahr 1938 leiteten Adrianna, Angélique und Leonie die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht ein, die sich in diesem Jahr zum 80. Mal jährte. Die drei Schülerinnen gehören zur Geschichts-AG von Lehrerin Kristin Bode, die zwei Wochen zuvor Orte jüdischen Lebens und Sterbens in Krakau und die Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau besucht hatten (die WZ berichtete).

Der Einladung zur Gedenkfeier an der Solgrabenschule waren zahlreiche Gäste gefolgt, darunter der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Bad Nauheim, Manfred de Vries, Kerstin Eisenreich von der Stadt Bad Nauheim, Petra Albrecht-Vogt von der Christlich-Jüdischen Gemeinde, Dr. Peter Noss als Vertreter der Kirchen der Stadt Bad Nauheim und Brigitte Faatz.

Betroffen, von dem, was sie gesehen haben, hatten es sich die 40 Neunt- und Zehntklässler zum Ziel gesetzt, das Erlebte und Erfahrene ihren Gästen und Mitschülern mitzuteilen.

Schon vor der Studienreise nach Krakau hatten sich Gruppen gebildet, die sich bestimmten Themen widmen wollten und die Eindrücke in Polen mit dem jüdischen Leben bzw. den Schicksalen von jüdischen Mitbürgern in Bad Nauheim verknüpfen wollten. Hierbei handelte es sich um die Lebensgeschichte der Bad Nauheimerin Hilda Stern-Cohen, die eindrucksvolle Gedichte schrieb, in denen sie das unfassbar Schreckliche im Konzentrationslager Auschwitz verarbeitete und ihre Ohnmacht zum Ausdruck brachte. Diese Gedichte wurden von Schülerinnen beeindruckend vorgetragen und durch einen eigenen eigens zu dem Thema verfassten Rap ergänzt.

Eine weitere Gruppe stellte das Leben von Mendel Gutt vor, der nach der Befreiung des Konzentrationslagers in Vaihingen an der Enz zunächst in Bad Nauheim Station machte. Auf einer Leinwand präsentierten die Schüler die Stationen im Leben von Gutt, der gebrochen im Jahr 2004 verstarb.

Jeder ist einzigartig

In einer symbolischen Gerichtsverhandlung im Jahr 1947 wurden zwei Männer und Frauen für ihre Teilnahme an den Zerstörungen und Plünderungen in der Reichskristallnacht angehört und verurteilt. Ein Feuerwehrmann aus Bad Nauheim berichtete über seine vergeblichen Versuche, das Feuer in der Nacht auf den 10. November 1938 zu löschen.

Eine weitere Gruppe von Schülern mischte sich unter die Bad Nauheimer Bevölkerung und fragte Passanten nach der »Reichskristallnacht« und dem Wissen darüber. Die Interviews ergaben, dass die Befragten über die Geschehnisse des 9. November 1938 informiert waren.

Zum Abschluss präsentierten die Schüler Fotos, die sie eigens für diesen Tag gestaltet hatten. Die Fotos sollten einerseits darstellen, wie vielfältig, bunt und multikulturell die Schulgemeinde der Solgrabenschule ist und zum anderen den Blick dafür schärfen, dass jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit akzeptiert wird. Diese Botschaft weiterzugeben und das Einsetzen für ein Leben in Freiheit und Demokratie und ohne Hass, war ein Ziel der Gedenkveranstaltung und ist den Schülern ein wichtiges Anliegen.

»Das Bild zeigt die Hände von Schülerinnen und Schülern der Solgrabenschule (sgbn) und soll die Solidarität mit dem Judentum und die Vielfältigkeit der Menschen sowie die Akzeptanz als Mensch innerhalb der Schulgemeinde symbolisieren«, teilte Konrektorin Isabella Schneider-Eberz mit.

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