04. Juni 2018, 08:00 Uhr

Zahlungsverkehr

Geld abheben im Supermarkt: Eier, Mehl und Bargeld

Immer mehr Kunden heben an der Supermarktkasse Geld von ihrem Konto ab. Die Vorteile: Die Kunden sparen sich den Weg zum Geldautomaten, die Märkte erweitern ihren Kundenservice.
04. Juni 2018, 08:00 Uhr

Von Jürgen Wagner , 1 Kommentar
»Möchten Sie noch Geld abheben?« Rewe-Kassiererin Beatrix Wand-Da Cruz Figueiredo zahlt Kunde Amar Dudic 50 Euro aus. Der Betrag wird einfach auf die Einkaufssumme draufgeschlagen, die Auszahlung ist kostenlos. Aber nicht überall. (Foto: Nici Merz)

Haben Sie eine Payback-Karte? Sammeln Sie Treuepunkte?« Supermarktkunden haben sich an diese Fragen gewöhnt. Noch relativ neu ist die Frage »Möchten Sie noch Geld abheben?« Das heißt aber nicht, dass deshalb Geldautomaten abgebaut werden sollen – sagen zumindest die Banken und nennen trifftige Gründe.

Ein wenig stutzig machen kann einen das Angebot schon: Da geht man in den Supermarkt einkaufen und kommt nicht nur mit einem vollen Wagen wieder raus, sondern auch mit mehr Geld im Portemonnaie als vorher. Mein erster Gedanke, nachdem mir eine Kassiererin bis zu 200 Euro bar auf die Kralle anbot, war: Kann ich bei Rewe, Tegut und Co. auch den Lohnsteuerjahresausgleich machen lassen? Oder Überweisungen? Aber Spaß beiseite: Immer mehr Kunden nutzen das Angebot, den Einkauf nicht nur per EC-Karte zu zahlen, sondern gleich noch Geld von ihrem Konto abzuheben.

Kostenloser Service

Das System nennt sich Cashback-Service, auf Deutsch: Geld zurück. Viele Märkte haben dafür einen Mindesteinkaufswert festgelegt. Meist sind es 20 Euro. Ab dieser Summe wird dem Kunden der Service angeboten. Das Kassensystem mit EC-Gerät belastet das Bankkonto mit dem Betrag. Das ist beim Einkauf mit EC-Karte ohnehin der Fall, die Auszahlung wird einfach oben draufgeschlagen. Die Gebühren, die für die Transaktion anfallen, übernehmen die Märkte.

»Wir sehen das als Service am Kunden«, sagt Anja Krauskopf von der Rewe-Zentrale in Rosbach. »Bei uns bekommen die Kunden alles unter einem Dach.« Der Service werde gut angenommen. Exakte Zahlen liegen noch nicht vor, werden aber ermittelt. Die Banken hätten damit nicht viel zu tun. »Der Bank ist es egal, ob da 35 Euro abgebucht werden oder 135.« Den Supermärkten entstünden auch keine größeren Kosten. Das ohnehin vorhandene EC-Karten-System wird einfach aufgerüstet. Krauskopf: »Das ist auch von Vorteil, wenn man als Tourist unterwegs ist. Dann kommt man auch in München und anderswo kostenlos an Bargeld.«

Geldautomaten weiter unverzichtbar

Ein weiterer Vorteil: Durch einen geringeren Kassenbestand senkt der Einzelhandel sein Überfallrisiko. Doch halt! Je mehr Supermärkte oder auch Tankstellen diesen Service anbieten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Banken und Sparkassen weitere Geldautomaten abbauen. Oder? Dennis Vollmer von der Volksbank Mittelhessen widerspricht. »Ich habe vor vier Wochen eine Meldung gelesen, nach der die Zahl der Geldautomaten sinkt. Wir können das für unser Haus nicht bestätigen.« Ähnlich äußert sich ein Sprecher der Sparkasse Mittelhessen. »Die Geldautomaten werden weiter genutzt und auch benötigt. Schließlich handelt es sich im Supermarkt nur um ein ergänzendes Angebot.« Im Gegensatz zur Supermarktkasse sind Geldautomaten 24 Stunden lang an sieben Tagen verfügbar, die Höhe der abzuhebenden Summe ist nicht auf 200 Euro beschränkt, und die Kunden können dort auch Einzahlungen vornehmen.

Im Prinzip, sagt Volksbank-Sprecher Vollmer, könne jeder Händler diesen Dienst anbieten. Man muss nur das entsprechende Zahlungsverkehrsgerät erwerben. »Auch eine Dönerbude kann das.« Ob die Geldinstitute, wie Verbraucherschützer fürchten, dadurch unrentable Filialen in ländlichen Gegenden schließen, wird sich zeigen.

Ein Vorteil: Parkplätze

Für viele Kunden ist Geldabheben bei der Supermarkt-Kassiererin längst eine Selbstverständlichkeit. »Ich mache das nur. Ich bin darauf angewiesen«, sagt ein Rentner aus Bad Nauheim. Er hat sein Konto bei einer Frankfurter Bank. Von der gibt es in der Wetterau keine Geldautomaten, bei anderen Banken müsste er Gebühren bezahlen.

»Fragen Sie mich mal, wann ich das letzte Mal am Geldautomaten war«, sagt Christoph Prümmer aus Bad Nauheim, der im Rewe-Markt gerade seinen Einkaufswagen mit Lebensmitteln belädt. Das sei lange her, fügt er hinzu. »Hier gibt’s Parkplätze, und die 20 Euro, für die man Waren kaufen muss, sind schnell zusammen.« Auch Anna Gang (74) findet das Angebot gut. »Wenn ich zum Geldautomaten meiner Bank will, kriege ich keinen Parkplatz. Das ist schwierig.« Die allmähliche Umstellung von der Bargeld- auf die Karten-Zahlweise bereitet ihr keine Sorgen. »Ich mache auch Online-Banking.« Ein Kurgast von der Bergstraße ist der einzige, der diese Art von Zahlungsverkehr rundweg ablehnt. »Ich zahle immer mit Bargeld. Ich will nicht mit EC-Karte einkaufen.«

 

Info

Geld abheben im Supermarkt

Den kostenlosen Service für Kunden mit EC- oder Girokarte bieten unter anderem folgende Supermärkte an: Rewe (ab Einkaufswert von 20 Euro, bis zu 200 Euro verfügbar), Penny (20/200), Netto (10/200), Aldi Süd (20/200 Euro) und die Drogeriekette »dm« (10/200). Edeka testet das Angebot. »Wir wollen das demnächst anbieten«, sagt Ankit Virmani, Marktleiter von Edeka-Bayrak im Wilhelm-Jost-Ring in Bad Nauheim. »Wir haben auch Lotto und einen Paketshop, die Kunden schätzen das.« Kreditkarten von VISA oder Mastercard werden allgemein meist nicht akzeptiert; das liegt an den höheren Transaktionskosten der Karten für die Händler. Auch bei vielen Shell-Tankstellen kann man Geld abheben. Kostenlos ist das allerdings nur für Kunden der »Cashgroup« (Postbank, Deutsche Bank, Commerzbank, Norisbank, Hypo Vereinsbank und weitere Privat- und Direktbanken). Kunden der Sparkassen und Volksbanken müssen für den Service in der Tankstelle nach einer Testphase Gebühren zahlen, pro Überweisung 3,95 Euro. Die Entwicklung geht weiter. Direktbanken bieten auch die Einzahlung von Bargeld im Supermarkt an. Dazu wird an der Kasse der Einzahlungscode einer Smartphone-App gescannt, schon wandert der Betrag aufs Onlinekonto. (jw)

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