24. September 2019, 18:53 Uhr

Gegen das Schweigen

24. September 2019, 18:53 Uhr
Die Ehrengäste der Feier stellen sich gegen antisemitische Tendenzen. (Foto: hms)

Zwei Jubiläen, eine Aufgabe: Mit lauter Stimme gegen Antisemitismus und für interreligiösen Dialog. Dem haben sich die in Bad Nauheim beheimatete Buber-Rosenzweig-Stiftung und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wetterau (GCJZ) verschrieben. Zur Feierstunde am Sonntag kamen hochrangige Vertreter der Stiftung, des Deutschen Koordinierungsrats und der örtlichen Gesellschaft in die Trinkkuranlage. Die Musikschule mit Michelle Kolesnikow (Violine), Leon Amelung (Cello) und Leon Siegenthaler (Klavier) gestalteten die Feier mit Musik von Ernest Bloch und Clara Schumann.

Nach 30 Jahren sei die Stiftung lebendiger denn je, sagte Vorsitzender Prof. Abi Pitum in seiner Begrüßung. Neben der Buber-Rosenzweig-Medaille seien es die vielen kleinen Projekte, die den Dialog in Schulen und Universitäten förderten. Antisemitismus und Rassismus jeder Couleur setzte er ein klares Nein entgegen. Der Antisemitismusbeauftragte des Landes Hessen, Uwe Becker, griff das Thema auf: »Wir stehen vor Weichenstellungen, wie wir sie in den letzten 70 Jahren nicht hatten. Unsere Gesellschaft muss wach werden. Es ist gefährlich, sich daran zu gewöhnen, dass Polizei vor Synagogen steht und Juden belästigt werden.« Bürgermeister Klaus Kreß bekannte: »Da haben wir versagt. Unsere Aufgabe ist es, rassistisches Gedankengut in Grenzen zu halten oder zu verhindern. Ausrotten können wir es nicht. Wir müssen reden statt schweigen«, mahnte er und bedankte sich für den regen Austausch mit dem GCJZ.

Mahnmal in Bad Nauheim

Zeugnisse aus der Gründungszeit des GCJZ Wetterau belegen, das es auch nach 1945 Antisemitismus in DDR und BRD gab. Die GCJZ-Vorsitzende Britta Weber hatte dazu Tafeln zusammengestellt. Die Erinnerungsarbeit sei neben der Theologie, der jüdischen Kultur und dem deutsch-jüdischen Verhältnis eine wichtige Aufgabe, erklärte sie. 1984 hatte Gründungsmitglied Judith Schwarzenberg jüdische Referenten aus der DDR in die Kurstadt geholt, die neugierige Zuhörer anzogen und Mitglieder wurden. Damals gab es noch ein internationales jüdisches Kurgastleben, das für lebhaften Austausch sorgte. Auch der Kontakt zur jüdischen Gemeinde wurde enger. Höhepunkte in 30 Jahren waren Vorträge von Lea Rabin und Arno Lustiger oder ein Streitgespräch mit Ignaz Bubis. An der Parkstraße erinnert das Mahnmal an die 278 Bad Nauheimer Holocaust-Opfer.

Prof. Berndt Schaller, ehemaliger Vorsitzender der Stiftung, stellte die beiden Namensgeber Martin Buber und Franz Rosenzweig als in Lebensalter, Herkunft und Temperament unterschiedliche Personen vor. Was die beiden Philosophen einte, war die Beschäftigung mit der hebräischen Bibel und deren sprachlich genaue Übersetzung. Zu diesem Thema hielt Professor Dr. Christian Wiese den Festvortrag. Dabei legte er dar, dass vor allem die protestantische Theologie an der Frage des Alten Testamentes immer wieder scheiterte und bis heute strauchelt. Buber und Rosenzweig lieferten Modelle, wie für Juden und Christen diese Bücher fruchtbar sein können.

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