17. Januar 2018, 20:26 Uhr

Gegen Willkür und Intoleranz

17. Januar 2018, 20:26 Uhr
Rolf Lutz, Ehrenvorsitzender des Sportkreises, freut sich über 1000 Begleitbroschüren zur Weidig-Ausstellung, die ihm Dezernentin Stephanie Becker-Bösch überreicht. (Foto: prw)

Friedrich-Ludwig Weidig war ein Vordenker der Demokratie, der für seine Überzeugungen gestorben ist. Die Ausstellung zum Leben und Wirken, die im Foyer des Friedberger Kreishauses zu sehen war, kann ab sofort in den Wetterauer Schulen gezeigt werden. Schülern soll mit dieser Ausstellung und der Begleitbroschüre vermittelt werden, dass es lohnt, sich für Liberalität, Demokratie und Toleranz auch gegen Widerstände einzusetzen.

Weidig wurde 1791 in Oberkleen geboren und absolvierte ein Theologiestudium in Gießen. Schon in jungen Jahren sah er das Leben als Verpflichtung zu Tugend und Tüchtigkeit an und stemmte sich gegen die Unterdrückung des Vaterlandes, kämpfte gegen Willkür und Intoleranz.

Weidig lehrte an der lateinischen Knabenschule in Butzbach und kritisierte vor seinen Schülern immer wieder die Obrigkeit. Gegen ihn wurde deshalb ein Untersuchungsverfahren aufgrund »politischer Betätigung im Unterricht« angestrengt. Nationale Einheit und politische Freiheit waren zentrale Gedanken für Weidigs politische Aktivitäten. Er kämpfte im Untergrund für Vaterland, Demokratie und Freiheit und veröffentlichte mit Georg Büchner den »Hessischen Landboten«, um die Obrigkeit zu kritisieren.

Lehrer mit Leidenschaft

1834 kam es zum Verrat des »Landboten«. Weidig wurde verhaftet und kam ins Gefängnis nach Friedberg, später nach Darmstadt. Dort weigerte er sich, ein Geständnis abzulegen, und musste ein Martyrium über sich ergehen lassen, unter anderem durch unmenschliche Verhöre und körperliche Züchtigung. Am 23. Februar 1837 nahm sich Weidig das Leben.

»Für die hessische Geschichte und die Identität der Hessen ist Friedrich Ludwig Weidig von sehr großer Bedeutung. Seine Vision von Freiheit und Demokratie ist heute noch aktuell, er ist ein Vorbild für alle Demokraten. Ich möchte heute alle Schulen im Wetteraukreis animieren, diese Ausstellung auszuleihen und im Rahmen der politischen Bildung im Unterricht zu bearbeiten«, sagte Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch.

Doch Weidig war nicht nur Vordenker, sondern auch Lehrer mit Leidenschaft. An der Knabenschule in Butzbach brachte er den Schülern auch turnerische Fähigkeiten bei. Auf dem Schrenzer – dem ersten Turnplatz in Hessen – entstand die »Butzbacher Freiheitsbewegung«. Noch heute sind Sportvereine die Plätze, an denen Demokratie, Vielfalt, Toleranz und Offenheit gelebt wird.

Die Ausstellung über Weidig zeigt auf zwölf Schautafeln seinen Lebensweg, aber auch seinen Einsatz für eine liberale, demokratische Gesellschaft seiner Zeit auf. Die 32-seitige Begleitbroschüre ist geeignet für gesellschaftspolitischen Unterricht und die Auseinandersetzung mit den Themen Demokratie und Liberalität.

Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben!« gefördert und findet in Kooperation mit der Partnerschaft für Demokratie des Wetteraukreises statt. Schulen können ihre Anfragen richten an Rolf Lutz, rolflutz@gmx.de, oder an den Wetteraukreis, Demokratie-leben@ wetteraukreis.de.

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