19. April 2017, 07:00 Uhr

Theater Alte Feuerwache

Gegen Schubladen-Denken

Humor ist die beste Waffe. Georg Kreisler hat das Stück »Lola Blau« geschrieben, das 1938 spielt. Perfekt für Atischeh Hannah Braun. In der TAF-Aufführung in Bad Nauheim soll viel gelacht werden.
19. April 2017, 07:00 Uhr
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Von Sabine Bornemann
Gegen Schubladen-Denken: Im Fernsehen spielt Atischeh Hannah Braun die »Klischee-Türkin« – im Theater das Gretchen, das nicht blond ist. (Foto: Kathrin Reiche/pv)

Die Rolle der »Lola Blau« scheint Ihnen wie auf den Leib geschrieben zu sein. Sind Sie wegen Ihres Aussehens engagiert worden?

Atischeh Hannah Braun: Das nicht, aber mir haben schon viele Zuschauer gesagt, dass die Rolle der jüdischen Schauspielerin perfekt zu mir passt.

Es ist ein Ein-Frau-Musical von Georg Kreisler. Es spielt 1938 in Nazi-Deutschland. Musical und diese düstere Zeit, wie passt das zusammen?

Braun: Mit viel Humor. Es darf und soll gelacht werden. Die Zeit spielt eigentlich nur hintergründig eine Rolle. Es geht um den Sinn des Lebens, um die Suche nach der wahren Liebe und um eine Frau, die ihren Platz im Leben sucht.

Bei was dürfen die Zuschauer lachen?

Braun: Im Original-Stück sind Radio-Einspieler aus der Nazi-Zeit, Kriegsgeräusche und andere Tondokumente zu hören. Bei »unserer« Fassung macht Helmut Büchel die Geräusche direkt auf der Bühne. Das ist witzig.

Trauen sich die Zuschauer zu lachen?

Braun: Es ist unterschiedlich. Zunächst schmunzeln sie, dann aber wird oft gelacht.

Wie lange spielen Sie das Stück schon?

Braun: Premiere war im April 2015 in Ansbach in Bayern. Am dortigen Theater war ich engagiert. Als das Engagement auslief, bat ich darum, das Stück »Mitnehmen zu dürfen«. Das hat geklappt.

Das ist ungewöhnlich, oder?

Braun: In der Tat, aber da es so gut zu mir passte, ging das. Ich habe es etwa acht Mal gespielt.

Wie ist es zum Engagement beim TAF in Bad Nauheim gekommen?

Braun: Das ist einer alten Freundschaft zu verdanken. Ich habe das Stück schon mal in Ortenberg gespielt. Sonja Paulssen, die im Mai in der Eigenproduktion »Der Ausbruch des Weltfriedens« des TAF spielen wird, hat es gesehen. Mit ihr bin ich zur Schule gegangen und so kam der Kontakt zustande.

Sie haben Fernsehrollen und viel Theater gespielt. Was machen Sie lieber?

Braun: Eindeutig theater. Dort kann man die Rollen länger entwickeln. Bisher waren es auch eher kleine Rollen im Fernsehen.

In der Serie »Nikola« haben sie Schwester Sylke gespielt. In »Mops und Molly« die Rolle der Azra. Werden Sie oft als »Ausländerin« besetzt?

Braun: Im Fernsehen immer. Meist bin ich »eine Türkin«. Dunkle Haare, dunkle Augen, das passt anscheinend in gewisse Schubladen.

Ist das im Theater auch so?

Braun: Gar nicht. Da ist es egal, wie man aussieht. Bei Fausts »Gretchen« könnte man auch denken, Gretchen müsste blauäugig und blond sein. Ich habe das Gretchen gespielt, und noch nie wurde kritisiert, dass ich nicht blauäugig und blond bin.

Sie haben aber tatsächlich ausländische Wurzeln

Braun: Stimmt. Mein Vater kommt aus dem Iran. Er ist mit 18 Jahren von Theheran nach Deutschland geflohen. Meine Mutter kommt aus Deutschland. Ich bin hier geboren und aufgewachsen.

Hätten Sie nicht den Namen Atischeh vor Hanna Braun stehen, würde man gar nicht auf Ihre persischen Wurzeln kommen, oder?

Braun: Mein Rufname ist Atischeh, meine Freunde nennen mich Atti. Hannah kommt von meiner Oma und Braun ist der Mädchenname meiner Mutter. Alles zusammen ist mein Künstlername. Zunächst war ich als Atischeh Braun in einer Künstleragentur gemeldet. Dann kamen oft die Anfragen, ob ich auch Deutsch sprechen könnte. Also haben wir Hanna dazugekommen.

Hat der Name Atischeh eine Bedeutung?

Braun: Ja, er bedeutet Feuer oder feurig. Ist aber im Iran auch eher selten.

Wie bestreiten sie die Herausforderung, dieses Ein-Frau-Musicals?

Braun: Mit viel Übung. Es ist ein Kraftakt. 18 Lieder gibt es, die ich fast alle singe. Pianist Klaus-Lothar Peters singt einige Titel mit mir.

Auf was dürfen sich die Zuschauer freuen?

Braun: Auf Musik zum Träumen, es ist sehr aktuell. Es geht um Fluchstituationen und um eine Frau die nicht politisch sein will, letztendlich aber nicht anders kann.

Info

Termin: Samstag, 22. April

Das Stück »Heute Abend: Lola Blau« ist Teil der Kabinettstücke des Theaters Alte Feuerwache (TAF). Es wird am Samstag, 22. April, um 19.30 Uhr im Badehaus 2 gespielt. Es ist ein Ein-Frau-Musical von Georg Kreisler. Darin geht es um die jüdische Schauspielerin Lola Blau, die ihr erstes Engagement in Linz antreten möchte. Doch es ist 1938, Österreich wird an Nazi-Deutschland angeschlossen. Lola flieht in die USA, wo sie zum gefeierten Star und Sex-Symbol wider Willen avanciert. Erst, als sie nach dem Krieg zurück in ihre Heimat kommt, erkennt sie, dass nicht nur sie sich verändert hat.



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