14. Januar 2019, 19:56 Uhr

Gegen Plastikwahn und Normgurken

14. Januar 2019, 19:56 Uhr
Das Team der Ackerhelden für 2019 (v. l.): Gerrit Jansen, Christopher Schunk, Holger Pabst und Vera Merkel am Feld der Solawi in Dorheim. (Foto: pv)

Schon mal dran gedacht, bei einer Solawi mitzumachen? Die Abkürzung steht für »Solidarische Landwirtschaft«, ein Projekt, das es auch in Friedberg gibt. Die Zahl der Mitstreiter steigt. Wer zusammen mit anderen sein eigenes Gemüse ziehen will, ist zu einem Info-Abend am Dienstag, 29. Januar, eingeladen.

Solawi? »Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, um vor der eigenen Haustür, konkret und sofort, etwas Sinnvolles zu tun«, sagt Peter Raupp. Wie seine Mitstreiter will er etwas tun »gegen galoppierenden Agrarwahnsinn und Klimawandel und für eine langfristig gesicherte, lokale Versorgung mit gesunden Lebensmitteln«, und damit auch für eine lebenswerte Wetterau. Der Friedberger ist Mitbegründer der Solidarischen Landwirtschaft Friedberg-Dorheim, die 2019 ins vierte Jahr geht.

Auf dem Naturland-zertifizierten Bio-Hofgut von Holger Pabst werden auf dem rund einen Hektar großen Solawi-Acker jedes Jahr etwa 40 verschiedene Sorten Salat und Gemüse angebaut und geerntet. Einmal pro Woche kann jedes Solawi-Mitglied seinen Anteil direkt auf dem Hof oder bei einer zweiten Station in Friedberg abholen. Die Kosten dafür liegen bei 60 Euro monatlich pro Anteil. Mitwirkung auf dem Acker, bei der Organisation und den regelmäßigen Plenumssitzungen ist erwünscht, aber keineswegs Voraussetzung für eine Teilnahme. Die »organisch wachsende« Zahl der Mitglieder bzw. Anteile stieg von 29 in 2016 auf 50 in 2017 und 75 in 2018.

Dieter Fitsch, ebenfalls Gründungsmitglied aus Friedberg, fasst die Vorteile der Solawi zusammen: »Durch die kurzen Wege der Mitglieder zu den Abholstationen entstehen sehr geringe Transportkosten und CO2-Emissionen. Es fällt kein Verpackungsmüll an, Gemüse und Salat sind von Bio-Qualität, tagesfrisch, regional und saisonal.« Die bunte Mischkultur auf dem biologisch bewirtschafteten Solawi-Acker tue der Bodenfruchtbarkeit und der Artenvielfalt gut. Das stabile, voraussagbare Einkommen trage zur Existenzsicherung der Bauersfamilie bei. Ein besonders wichtiger Aspekt für viele Mitglieder ist die Nähe zum Produkt: »Die Gemeinschaft stellt für Mitglieder den direkten Bezug zum Ursprung ihrer Lebensmittel wieder her, was heutzutage – gerade für Kinder – eine eher seltene und sehr wertvolle Erfahrung ist«, sagt Fitsch. Vor allem, wenn auch krumme Gurken im Korb landen, die es nicht ins Supermarktregal schaffen.

Zwei junge Mitarbeiter eingestellt

Das neue Geschäftsjahr beginnt im März und es startet laut den Organisatoren vielversprechend: »Wir hatten großes Glück bei der Gärtnersuche«, freut sich Raupp. »Zwei zeitlich flexible, für unser Projekt begeisterte junge Menschen, aufgewachsen in der Wetterau, teilen sich künftig eine Vollzeitstelle bei unserer Solawi.« Vera Merkel (Bachelor of Science in Agrarwissenschaften) und Christopher Schunk (momentan im letzten Jahr seines Studiums der Ökologischen Landwirtschaft), 24 und 27 Jahre alt, werden auf jeweils einer halben Stelle der Landwirtsfamilie helfen und sich ausschließlich um den Solawi-Acker kümmern.

Regelmäßig betreut werden die beiden dabei von Gerrit Jansen, einem Gartenbaulehrer der Waldorf-Schule im Ruhestand, welcher der Solawi seit Jahren mit Rat und Tat zur Seite steht. »Es bestehen also optimale Voraussetzungen für steigende Erträge«, sagt Raupp. Doch auch bisher läuft es sehr zufriedenstellend: »Der Marktwert der Ernte entspricht im Durchschnitt dem, was man mit dem Monatsbeitrag von 60 Euro im Laden oder auf dem Markt kaufen könnte. »Und das trotz dürrebedingter Ernteeinbußen!« Raupp vergleicht regelmäßig die Preise der geernteten Sorten und Mengen mit anderen Quellen von Bio-Gemüse.

Wer sich über die Solawi Friedberg-Dorheim informieren will, ist zu einem Info-Abend für Interessierte am Dienstag, 29. Januar, um 19 Uhr (Ende: 21 Uhr) ins Haus der Umwelt eingeladen (Homburger Straße 17, Friedberg). Kontakt ist möglich per E-Mail über solawi.friedberg@gmx.de oder auf der Seite www.solawi-friedberg-dorheim.de.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Alternative Landwirtschaft
  • Biogemüse
  • Bodenfruchtbarkeit
  • Friedberg
  • Gemüse
  • Mitglieder
  • Friedberg
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 - 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.