07. Dezember 2017, 07:00 Uhr

Ex sagt aus

Gefesselt, bedroht, geschlagen: 38-Jähriger vor Gericht

Es ist eine ganze Reihe von Straftaten, wegen derer ein 38-jähriger Ortenberger in Friedberg auf der Anklagebank sitzt. Seine Ex-Freundin hat ausgesagt.
07. Dezember 2017, 07:00 Uhr
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Von Jürgen W. Niehoff
(Symbolfoto: nic)

Die Latte der Verfehlungen, die ein 38-jähriger Ortenberger Anfang des Jahres an seiner zehn Jahre älteren Bekannten begangen haben soll, ist mit Diebstahl, Körperverletzung, Nötigung, Hausfriedensbruch und Beleidigungen ellenlang. Dafür muss sich der Familienvater vor dem Friedberger Schöffengericht verantworten.

Zwei Flaschen Bier zur Vernehmung

Alles begann an Heiligabend 2016 in einer Kneipe in Friedberg. Wie das Opfer, eine 48-jährige Friedbergerin, dem Gericht mitteilte, sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen. In der Folgezeit habe man sich oft und recht exzessiv geliebt – allerdings stets stark alkoholisiert, und zwar beide. »1,4 Promille Alkohol im Blut sind für mich so gut wie gar nichts«, räumt die Zeugin vor Gericht ein. Bei der polizeilichen Vernehmung habe sie deshalb auch erst einmal zwei Flaschen Bier trinken müssen. Davor sei sie gar nicht vernehmungsfähig gewesen, berichtete die Polizeibeamtin über die Zeugenaussage der 48-Jährigen.

Rund ein Monat lang ein Liebespaar

Das Geschehen soll nach Angaben der Ex folgendermaßen abgelaufen sein: Rund einen Monat lang seien der Ortenberger und die Friedbergerin ein Liebespaar gewesen, hieß es vor Gericht. Da habe ihr der Angeklagte mitgeteilt, dass er flüchten müsse, weil er ansonsten eine Haftstrafe wegen Raubes antreten müsse. Der Abend habe im Vollrausch geendet. »Ich weiß nicht mehr, was an diesem Abend passiert ist. Ich bin erst am nächsten Morgen auf der Polizeiwache wieder zu mir gekommen«, sagte der Angeklagte.

Mit Geld und Handy weg

Mehr will seine Ex von dem Abend in Erinnerung haben. Es sei zum Streit gekommen, weshalb sie den Angeklagten aus ihrer Wohnung geschmissen habe. Der sei auch gegangen, jedoch mit 100 Euro und dem Handy der Frau. Sie habe Strafanzeige gegen ihn gestellt. Der Angeklagte will zwei Tage später, nachdem er von der Polizei von den Vorwürfen erfahren habe, bei ihr angerufen und sie um Verzeihung gebeten haben. Auch über Handy und Geld, nach seiner Erinnerung 20 Euro für die Heimfahrt, habe er mit ihr gesprochen. Das Handy sei nur geliehen gewesen, weil seins kaputt gegangen sei.

Sauftour Richtung Tschechien

Nach diesem Telefonat sei die Welt wieder in Ordnung gewesen – bis auf die Anzeige. Die stand weiterhin im Raum. Trotzdem fuhr das Paar zu einer Sauftour in Richtung Tschechien. Da schon auf der Fahrt im Auto kräftig gebechert wurde, kamen die beiden nur bis Sachsen. Dann wollte der Angeklagte wieder schnelle Liebe. Doch dagegen sträubte sich die Frau. Es kam zum Streit und zum Rauswurf. Diesmal aus dem Auto. Erst die Polizei führte beide wieder zusammen, nahm ihr den Führerschein ab und setzte beide in getrennte Züge nach Frankfurt.

Mit Kabelbinder gefesselt

Am darauffolgenden Abend soll es eine Versöhnung in ihrer Wohnung gegeben haben, die aber nach ihrer Weigerung, die Anzeige zurückzuziehen, in einer Keilerei endete. Dabei soll er sie mit Kabelbinder gefesselt, dann auf sie eingeschlagen und getreten haben. Außerdem soll er ihr mit einem Messer in der Hand gedroht haben: »Ich bringe dich um, du Dreckshure, du Schlampe«. Die von den Nachbarn gerufene Polizei verhinderte wahrscheinlich Schlimmeres. Der Angeklagte soll später die Frau noch einmal telefonisch bedroht haben. Doch auch das streitet er ab. Zu diesem Zeitpunkt habe er sich schon zu einer Therapie gegen seine Drogenabhängigkeit in einem Krankenhaus befunden. Dort sei er dann von der Frau angerufen worden, obwohl sie gegen ihn eine einstweilige Verfügung vom Gericht mit striktem Annäherungsverbot erwirkte habe.

Da Aussage gegen Aussage steht, hat das Gericht die Verhandlung ausgesetzt, um weitere Zeugen zu laden. Die Fortsetzung ist für den 20. Dezember angesetzt.



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