12. November 2018, 12:00 Uhr

Gefahr aus der Wasserleitung

Kaum etwas entspannt so sehr wie eine Dusche. Dabei können tödliche Bakterien in der Wasserleitung lauern können. Die Gefahr ist nicht zu unterschätzen.
12. November 2018, 12:00 Uhr
Das Bakterium Legionella pneumophila, hier unter 5000-facher Vergrößerung, ist der Erreger für die Legionärskrankheit. (Foto: dpa)

Die Dusche am Morgen ist für viele Wetterauer ein wichtiges Ritual, um gut in den Tag zu starten. Doch bei jedem Gang unter die Brause schwingt eine kleine Gefahr mit, die im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Auch wenn dieses Szenario sehr schwarzgemalt ist, ist die Gefahr von einer Inefektion mit Legionellen nicht zu unterschätzen.

Von rund 10 000 Fällen pro Jahr in Deutschland enden schätzungsweise 1300 Fälle tödlich. Zum Vergleich: 2017 gab es auf Deutschlands Straßen rund 3200 tödliche Verkehrsunfälle. In der Wetterau sind in diesem Jahr bislang fünf Menschen an Legionellen erkrankt, tödlich endete glücklicherweise keine der Infektionen. Zwar scheinen Bürger und Kontrolleure eine gute Arbeit bei der Kontrolle und Prävention zu leisten, die Gefahr, die von Legionellen ausgeht, ist dennoch ernst zu nehmen.

Pflicht: Regelmäßiger Check

»Legionellen sind Umweltkeime, die in geringer Anzahl natürlicher Bestandteil von Gewässern und Grundwasser sind. Eine Vermehrung von Legionellen findet in der Trinkwasser-Installation statt, wenn diese nicht entsprechend der Regeln betrieben wird«, heißt es aus dem Wetterauer Gesundheitsamt. Die Bakterien werden in den meisten Fällen über Wasser aufgenommen. Unter idealen Voraussetzungen – Wassertemperaturen zwischen 25 und 50 Grad – verdoppeln sie ihre Population durch Zellteilung innerhalb von drei bis vier Stunden, das heißt Legionellen können sich innerhalb von nur zwei Tagen um das 4000-fache vermehren.

Regelmäßige Untersuchungen der Wasserleitungen – übrigens auch bei Klimaanlagen – sind also Pflicht, wenn man die Gefahr einer Infektion so gering wie möglich halten will. Die Intervalle sind in der Trinkwasserverordnung sowie im technischen Regelwerk geregelt. Krankenhäuser müssen demnach zweimal jährlich Legionellenuntersuchungen durchführen.

In Mietshäusern mit mehr als zwei Wohneinheiten muss die Untersuchung mindesten alle drei Jahre durchgeführt werden, teilte das Gesundheitsamt mit. Werden mehr als 100 Koliniebildenede Einheiten (KBE) Legionellen in 100 Milliliter Wasser nachgewiesen, spricht man von einer Überschreitung des technischen Maßnahmenwertes. Tritt dieser Fall ein, muss die Wasserleitung unter Aufsicht des Gesundheitsamtes geprüft und eine Ursachenforschung in die Wege geleitet werden.

Senioren besonders gefährdet

Infiziert man sich mit den Legionellen-Bakterien, kommt es in 90 Prozent der Fälle zur Legionärskrankheit – einer nicht ansteckenden, aber schweren Form der Lungenentzündung. Diese grippeähnlichen Beschwerden – Atemnot, Gliederschmerzen, Übelkeit oder Durchfall – zeigen sich etwa zwei bis zehn Tage nach der Infektion.

Die Sterblichkeitsrate bei einer Infektion steigt mit zunehmendem Alter. Männer infizieren sich mit der Legionärskrankheit weit häufiger als Frauen, wie Statistiken zeigen. Männer ab 50 Jahren gelten demnach als besonders gefährdet, an einer Lungenentzündung zu sterben, die durch Legionellen verursacht wurde. Dem höchsten Risiko sind Raucher ausgesetzt, da der Glimmstängel dauerhaft die Lunge und die Abwehrkräfte der Atemwege schwächt.

Um einer Legionellen-Erkrankung vorzubeugen sollten Wasserleitungen regelmäßig benutzt und stehendes Wasser in den Rohren vermieden werden, raten Experten. Dazu sollte der zentralen Wasserboiler konstant auf 60 Grad eingestellt sein und Duschaufsätze regelmäßig gereinigt und entkalkt werden. Dann steht dem sorgenfreien Start in den Tag nichts im Weg.

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