19. November 2018, 19:33 Uhr

»Geburtsstätte« in neuem Glanz

19. November 2018, 19:33 Uhr
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Von Isabell Steinhauer
Arno Fuchshuber, Vorsitzender der Vereinigung Bad Nauheimer Ärzte, begrüßt seine Kollegen in der Gedächtnishalle des renovierten Instituts. (Foto: isi)

Nach zehn Jahren der Renovierung ist am Samstag der 1931 als William-Kerckhoff-Herzinstitut errichtete Bau des Max-Planck-Instituts wiedereröffnet worden. Die Ehre der Einweihungsfeier hatten die Bad Nauheimer und anderen Wetterauer Ärzte, die ihr jährliches Treffen in den marmornen Hallen des historischen Gebäudes begingen.

Beeindruckend in seiner historisch genauen Restaurierung zeigt sich das von Architekt August Metzger errichtete Bauwerk im monumentalistischen Stil – dem bestimmenden Architekturstil der damaligen Zeit für repräsentative Gebäude. Als Kontrapunkt zu den prunkvollen Jugendstilbauten des benachbarten Sprudelhofs zeichnet es sich durch Geradlinigkeit und ornamentale Zurückhaltung aus: Hier steht der Inhalt, die Wissenschaft, im Vordergrund.

Auf Erhalt und Moderne gesetzt

Nach dem Empfang in der marmornen Gedächtnishalle wurden in mehreren Ansprachen Historie und Bedeutung des Gebäudes und die mit ihm verbundenen Gründer gewürdigt. Dazu begaben sich die zahlreichen Gäste in das geschichtsträchtige Auditorium.

Pressesprecher Dr. Matthias Heil hielt als Vertreter des Hausherrn, des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung Bad Nauheim, die Eröffnungsrede. Er sei stolz, sagte Heil, der Erste zu sein, der hier die Gäste begrüßen dürfe. Während der gesamten Bauzeit habe er die Baumaßnahme mitkoordiniert und begleitet. Dies sei die erste Veranstaltung im historischen Hörsaal, den man 2005 aus Brandschutzgründen habe sperren müssen. Zehn Jahre hatte die Renovierung des historischen Institutsgebäudes gedauert, 13,2 Millionen Euro netto wurden investiert, davon alleine 3,6 Millionen in das Hörsaalgebäude. Es sei ein Spagat zwischen Erhalt der historischen Bausubstanz und den Anforderungen einer modernen Wissenschaftseinrichtung gewesen, sagte Heil.

»Auf dem Gestühl, auf dem Sie sitzen, saßen schon Nobelpreisträger wie Albert Einstein. Wir hoffen, dass hier auch zukünftig Wissenschaftler Vorträge halten werden, die ihr jeweiliges Forschungsgebiet entscheidend prägen werden.« Der Hörsaal spiele für das Institut eine wichtige Rolle, eng verbunden mit den benachbarten Universitäten in Gießen und Frankfurt nehme man eine wichtige Campusfunktion ein – wissenschaftliche Konferenzen und Symposien fänden hier statt. Der Vorsitzende der Vereinigung Bad Nauheimer Ärzte, Prof. Arno Fuchshuber, sah in seiner Ansprache die Geschichte der Medizin in Bad Nauheim eng verbunden mit dem Namen Groedel: »Sie legten den Grundstein der medizinhistorischen Bedeutsamkeit der Stadt«, betonte Fuchshuber. Dr. Isidor Groedel, Vater des späteren Institutsleiters und angesehenen Kardiologen Dr. Franz Groedel, habe bedeutsame Gäste in die Kurstadt geholt, unter ihnen die Familie Roosevelt. »Ohne die große jüdische Gemeinde der Ärzte in Bad Nauheim ist der Aufstieg der Kurstadt undenkbar«, machte Fuchshuber deutlich. Die Ärztevereinigung sei sich der langjährigen Tradition bewusst, in der sie stehe. Heute sehe man den Schwerpunkt der Ärztevereinigung in der Unterstützung caritativer Ziele und als einen Ort der Begegnung und des Austauschs. Volker Remmele, Vorstandsvorsitzender der Kerckhoff-Stiftung, bezeichnete das 1931 gegründete Institut als »Keimzelle der heutigen Gesundheitsstadt«. Mit der Stiftung sei der Grundstein für die medizinische Forschung in Bad Nauheim gelegt worden. Remmele legte den weiteren Schwerpunkt seiner Ansprache auf die wegweisende Historie der Stiftung (siehe Extra-Artikel). Als Vertreter des verhinderten hessischen Finanzministers Thomas Schäfer sprach Staatssekretär Dr. Martin Worms. Als Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Sprudelhof bezeichnete er das Institutsgebäude als weiteres »Herzstück der Stadt« und prägendes Bauwerk. Er dankte der Max-Planck-Gesellschaft für die Investition und ihr Bekenntnis zu Bad Nauheim als Gesundheitsstadt. Dass das Gebäude nach langer und aufwendiger Sanierung wieder zur Weitergabe von Wissen diene, betonte Bürgermeister Klaus Kreß. »Dieses Kulturdenkmal ist die Geburtsstätte bedeutender Forschung und dient der Sorge um die Gesundheit zum Wohl des Menschen.«



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