Wetterau

Für drei Wochen Chef

Die mit der Berufserfahrung bestimmen, die anderen machen. So läuft es in der Regel. Bei Aldi allerdings gibt es einmal im Jahr eine Ausnahme. Die Azubis übernehmen.
28. Februar 2018, 19:39 Uhr
Nici Merz
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Warum Maike Krauß nicht am Strand liegt? Sie lacht. »Nein, nein«, sagt sie, »es ist schon gut, wenn jemand da ist.« Sie leitet die Aldi-Süd-Filiale in Butzbach. Für gewöhnlich jedenfalls. Doch einmal im Jahr für drei Wochen im Februar wird sie abgelöst; dann übernehmen die Auszubildenden die Filialen – ein Projekt, das Aldi schon ein paar Jahre macht.

»Wie beschäftige ich meine Mitarbeiter?«

In Butzbach sind es fünf junge Leute, die in dieser Zeit für Warenbestellung, Personaleinteilung und vieles mehr zuständig sind. Eine gute Sache, finden die Azubis. Aileen Summerauer zum Beispiel, sie ist im dritten Lehrjahr zur Einzelhandelskauffrau und sagt: »So müssen wir umdenken, man darf nicht nur auf sich selbst und seine eigenen Aufgaben fixiert sein, sondern fragt sich: Wie beschäftige ich meine Mitarbeiter?«

Ja, die Mitarbeiter müssen gut beschäftigt werden: Wer macht die um sechs Uhr morgens beginnende Frühschicht, wer macht die Spätschicht? Vor allem: Wie lässt sich das fair, den Verträgen und den Wunscharbeitszeiten entsprechend einteilen? Keine leichte Aufgabe.

Positives Feedback

Mit den erfahrenen Mitarbeitern, die sich für drei Wochen von Auszubildenden leiten lasen, klappt es übrigens gut, sagen alle fünf Azubi-Chefs.

Alle fünf sind im dritten Lehrjahr. »Wenn wir ihnen im letzten Ausbildungsjahr auch einmal die Leitung einer Filiale übergeben, ist das eine große Aufgabe, aber ebenso ein Vertrauensbeweis«, sagt Regionalverkaufsleiter Alexander Klink. Positives Feedback komme auch von den Kunden.

Gewissenhaft und verantwortungsbewusst

Dass die Azubis sehr gewissenhaft mit ihrer Verantwortungsposition umgehen, zeigt sich bei einer Teamsbesprechung. Es geht um Warenbestellung. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig darf bestellt werden, erklärt Oktay Selvi. Im Februar bspw. gebe es andere Dinge zu beachten als im Juli: Greifen die Kunden im Sommer eher zu Grillfleisch, sind zur Faschingssaison eher Kräppel gefragt, berichtet der 23-Jährige. Und wenn mittags klar wird, dass zu wenige Tomaten im Regal liegen, muss nachbestellt werden.

Drei Wochen gut herumgekriegt

»Das Projekt macht großen Spaß«, sagen auch Lukas Aydin und Mandy Götz. Und sein Kollege Andreas Schuster ergänzt: »Nach diesen drei Wochen könnte ich mir schon vorstellen, einmal eine Leitungsposition zu übernehmen.« Der Anfang jedenfalls ist schon mal gemacht. In den drei Wochen hat alles bestens geklappt, sagt Filialleiterin Krauß: »Ich war im Hintergrund für Fragen da, aber die Filiale haben die Azubis geleitet.«

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