10. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Online-Einkauf oder Fachgeschäft?

Für Innenstädte schlecht, für Kunden »eine bequeme Sache«

Das Duell zwischen Onlinehandel und Einzelhandel ist wieder eröffnet. Bald ist Weihnachten, viele Geschenke werden besorgt. Die WZ hat Bürger gefragt, wo sie ihre Weihnachtsgeschenke kaufen.
10. Dezember 2018, 05:00 Uhr
MLR
Kunden schlendern bei weihnachtlichem Lichterglanz durch die Bad Nauheimer Fußgängerzone. Im Onlinehandel findet man eine solche Atmosphäre nicht. Und doch stellt er eine Konkurrenz für den Einzelhandel vor Ort dar. (Fotos: Marion Müller)

Überall, wo man hinschaut, ist es weihnachtlich geschmückt. In der Fußgängerzone stehen hier und da Weihnachtsbäume, verziert mit roten und goldenen Kugeln. Von Haus zu Haus sind Lichterketten gespannt. Viele Geschäfte haben ihre Schaufenster mit weihnachtlicher Dekoration geschmückt. Das passende Ambiente für einen vorweihnachtlichen Einkaufsbummel. Aber ist das auch Grund genug, in den heimischen Geschäften einzukaufen? Oder setzt die Käufer auf den digitalen Weihnachtsmann und bestellen bequem von zu Hause aus?

»Ich versuche in den Geschäften zu kaufen«, sagt Sandra Kilb (32) aus Bad Nauheim. »Aber wenn die so viel beim Preis draufschlagen, bestelle ich im Internet.« Selina Buchert (27) bestellt den größten Teil der Geschenke bei Amazon. In ihrer halben Stunde Mittagspause in Bad Nauheim schaffe sie es nicht, Weihnachtsgeschenke in den Geschäften zu kaufen. »Es ist überall so voll.« Allerdings gesteht sie ein, dass »auch etwas Faulheit« dabei sei.

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Ganz offen bekennt sich Jürgen Schaaf (48) aus Bad Nauheim dazu, dass er 80 Prozent online kaufe. Strukturiert legt er eine Liste der zu Beschenkenden an und bestelle alles über das Internet, was er bestellen könne. Einen kleinen Teil kaufe er in den Geschäften. Für ihn gehe es online schneller, er habe keine Wege, könne sich alles einpacken lassen und müsse nicht darauf warten. Für ihn sei es effizienter, im Internet Weihnachtsgeschenke zu besorgen.

Das Internet als Konkurrenz

»Onlinehandel ist schon eine bequeme Sache«, sagt Ulf Berger von Lederwaren Steck in Friedberg. Da müsse man bei dem Wetter nicht raus. Das Internet stelle eine Konkurrenz für ihn dar. Allerdings sei man als kleines Geschäft flexibel. »Wir können die Ware schnell bestellen und auch mal günstiger machen.« In das Lederwaren-Fachgeschäft kämen vor allem Kunden, die den Service genießen. Mit der hauseigenen Werkstatt kann Berger schnell Koffer, Taschen, Gürtel oder Portemonnaies reparieren: »Der Servicebereich macht viel aus.«

Die Parfümerie Lisa in Friedberg lässt sich immer wieder etwas einfallen, beispielsweise eine Nikolausaktion oder im Frühjahr ein Erdbeerfest. »Der Einzelhandel geht über zum Erlebniseinkauf«, sagt Simone Hülfert. Gerade bei Düften und Make-up sei die Beratung vor Ort sehr wichtig. »Wir haben unsere Stammkunden, die gerne herkommen und den Service genießen.« Allerdings sagt sie auch, dass die Städte gefordert seien, die Geschäfte zu unterstützen.

Vor-Ort-Beratung wichtig

Lederwaren Steck und die Parfümerie Lisa betreiben neben ihren Ladengeschäften auch eine Internetseite. Dort können Kunden bequem von zu Hause aus bestellen. Auch die Buchhandlung Bindernagel bietet diesen Online-Service an. Friederike Herrmann sagt, dass bei vielen das Bewusstsein vorhanden sei, den Einzelhandel zu unterstützen und die Innenstadt lebendig zu halten. Glücklicherweise hätten Bücher eine Preisbindung, sagt Herrmann. »Ein riesiger Vorteil, den wir haben.«

Cigdem Kardas (22) aus Reichelsheim kauft ihre Geschenke am liebsten im Geschäft. »Im Kaufhaus, wo man alles auf einmal haben kann.« Online kaufe sie nur, wenn es gute Rabatte gebe. Auch Dennis Schmid (37) aus Bad Nauheim kauft hauptsächlich beim Einzelhandel. Nur wenn er etwas nicht im Geschäft finde, bestelle er es bei Amazon. »Ich gehe lieber ins Geschäft«, sagt er. »Da bekommt man noch einmal Ideen für andere Geschenke.« Zudem arbeite er in der Nähe eines großen Einkaufszentrums. Da biete es sich an, dort zu kaufen.

Was man immer wieder hört: Für den Einzelhandel sei es existenzbedrohend, wenn sich Kunden vor Ort beraten lassen und dann online bestellen. Vor zehn Jahren sei das noch viel gewesen, sagt Thorsten Stöber von Foto Stöber in Bad Nauheim. »Jetzt empfinde ich es andersherum.« Zudem habe er darauf reagiert, in dem er sich auf bestimmte Produkte spezialisierte und eine gute Beratung anbiete. Gerade in der Weihnachtszeit verschenkten viele Kunden Gutscheine für Schulungen und seine Fotokurse, die er unter anderem in Afrika anbietet.

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