07. August 2019, 08:00 Uhr

Sicherer Schulweg

Für ABC-Schützen gilt: Erst links, dann rechts...

Auf dem Schulweg müssen Schüler auf den Verkehr achten. Die WZ hat einen Erstklässler auf dem Weg zur Philipp-Dieffenbach-Schule in Friedberg begleitet. Leo Kalle Schwerak (6) weiß, wo’s lang geht.
07. August 2019, 08:00 Uhr
Vor der Einschulung wird der Schulweg getestet: Leo Kalle Schwerak (l.) ist beim Fußmarsch zur Philipp-Dieffenbach-Schule aber nicht alleine. Sein Bruder Ole hat den gleichen Weg. Beide wissen: Erst gucken, dann loslaufen. (Foto: Nici Merz)

Erst links, dann rechts, dann geradeaus, so kommst du gesund nach Haus. Den Spruch, den wir alle in der Schule gelernt haben, kennt auch Leo Kalle. Aber man kann ja nicht ständig an alles denken. »Leo!«, ruft Papa Jan Schwerak, als der Junge mit dem Schulranzen auf dem Rücken die Jahnstraße überqueren will. Zwei Autos parken am Straßenrand, für Kinder ist die Sicht eingeschränkt. Einfach loslaufen geht nicht. »Was haben wir gelernt?« Leo Kalle verdreht kurz die Augen. Klar weiß er, was zu tun ist: Erst gucken, dann loslaufen.

»Wir sind den Weg schon öfter gegangen«, sagt Mama Elisa Schwerak. Sie ist Grundschullehrerin an der Philipp-Dieffenbach-Schule. Leo Kalles vier Jahre älterer Bruder Ole ging hier zur Schule, wechselt in der kommenden Woche auf den Gymnasialzweig der benachbarten Henry-Benrath-Schule. Das sportliche Profil der HBS kommt ihm gerade recht; die beiden Brüder spielen beim SV Germania Ockstadt Fußball, Trainer ist der Papa. Auf jeden Fall ist Leo Kalle auf dem Schulweg nicht allein, der Bruder wird ihn oft begleiten. Und im ersten Schuljahr ist auch die Mama mit dabei. Beim WZ-Schulweg-Test mit der Familie Schwerak sind auch die Zwillinge Lasse und Oskar dabei. Sie sind erst acht Monate alt, liegen im Kinderwagen und beobachten aufmerksam, was vor sich geht. Dass Leo Kalle den neuen Schulranzen aufsetzen darf, freut ihn besonders. »Auf den ist er sehr stolz«, erzählt die Mutter. »Er ist damit schon ein paar Mal die Treppe rauf und runter gelaufen und wollte ihn mit in die Kita nehmen.« Mama Elisa konnte ihm das ausreden.

Vorsicht bei parkenden Autos

Die Schweraks wohnen im Seestadtler Weg in Friedberg-West. Die Philipp-Dieffenbach-Schule liegt weniger als einen Kilometer entfernt. Der Schulweg führt über Holzpförtchen, Lutheranlage, Jahnstraße, Gartenfeldstraße und Lindenstraße zur Fußgängerampel an der Stadthalle, der einzigen, über die man die Ockstädter Straße hier überqueren kann. Dann sind es nur noch ein paar Meter bis zum Eingang der Schule, aber auch die haben’s in sich.

Die Angst, den Kindern könnte auf dem Schulweg etwas passieren, sei stets präsent, sagen Jan und Elisa Schwerak. Aber man kann ja vorbeugen, kann die Strecke mehrfach ablaufen und die Kinder darauf vorbereiten. Das haben die beiden getan. Leo Kalle weiß, dass er beim Überqueren der Jahnstraße aufpassen muss. Und er weiß auch, dass in der Lindenstraße erheblich mehr Verkehr ist, dass dort Busse fahren und manche Autofahrer schneller als erlaubt unterwegs sind. Angst hat er keine. »Nö«, schüttelt er den Kopf und marschiert weiter.

In der evangelischen Kita in der Wintersteinstraße hat Leo Kalle gelernt, wie man sich auf dem Schulweg verhält. Dass manchmal Autos plötzlich aus Parklücken herausfahren. Dass man zu keinen Fremden ins Auto steigt, laut »Nein!« sagen und weglaufen soll. Und dass man den Straßenverkehr nicht aus dem Blick lassen darf.

Wo’s richtig gefährlich wird

Der große Bruder hat noch keine gefährliche Situation auf dem Schulweg erlebt. »Nein«, schüttelt Ole den Kopf. Nur einmal fiel die Fußgängerampel aus. Da haben Eltern spontan Verkehrspolizisten gespielt und die Kinder über die vielbefahrene Ockstädter Straße gelotst. Ist die Ampel passiert, müssen die Kinder weiterhin gut aufpassen. Dann nämlich folgt eine gefährliche Situation, für welche die Eltern von Schülern verantwortlich sind: In der Stichstraße, die in einen Wendehammer mündet, reiht sich vor Schulbeginn ein »Eltern-Taxi« ans andere.

Beim Elternabend der Erstklässler wurden Schulwegpläne verteilt, das ist in allen Grundschulen üblich, sagt Elisa Schwerak. Genauso wie Präventionsprogramme zum Thema Sicherheit oder die Radfahrschule in der 4. Klasse. Die Kinder werden gut auf die Schule vorbereitet, Bammel müssen Eltern keinen haben. »Aber manchmal hat man ein ungutes Bauchgefühl.« Leo Kalle nimmt die Sache ohnehin locker. Er will, dass es endlich losgeht. »Ich will schreiben lernen«, sagt er. Die Schule kann beginnen.

Tipps vom ADAC

Damit Erstklässler sicher zur Schule kommen, empfiehlt der ADAC, den Schulweg frühzeitig und wiederholt mit den Kindern zu üben - am besten unter realen Bedingungen, also werktags morgens und zur Mittagszeit. Dabei sollten Eltern ihren Kindern mögliche Gefahrenpunkte wie Kreuzungen und Straßenquerungen zeigen und ausführlich mit ihnen besprechen. Die meisten Unfälle passieren laut ADAC beim Überqueren der Fahrbahn. Erstklässlern fehlt aufgrund ihrer geringen Körpergröße der nötige Überblick, sie werden von Autofahrern leicht übersehen. An Bushaltestellen gilt: Niemals vor oder hinter einem haltenden Bus über die Straße laufen. Helle Kleidung, Reflektoren oder eine Sicherheitsweste erhöhen die Sichtbarkeit, besonders in der dunkleren Jahreszeit. Der Weg zu Fuß ist allemal besser als die Kinder mit dem Auto zur Schule zu fahren, sagt Grundschullehrerin Elisa Schwerak. »Mama-Taxis« sorgten nicht für die nötige Selbständigkeit von Kindern: »Laufen an der frischen Luft, am besten in kleinen Gruppen, tut gut. Dann werden die Kinder wach«, weiß sie aus eigener Erfahrung.

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