05. Juni 2018, 17:34 Uhr

Jagd

Fuchs und Waschbär zur Jagd freigegeben

Es hat sich abgezeichnet: Durch eine Ausnahmegenehmigung ist die Schonzeit für Fuchs und Waschbär bis zum 15. August aufgehoben. Eine Ausnahme gibt es.
05. Juni 2018, 17:34 Uhr
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Aus der Redaktion
Ab sofort ist die Schonzeit für Waschbär und Fuchs wieder aufgehoben. Aber nur in den Revieren des Rebhuhnhegerings Wetterau. (Foto: dpa)

Es hat sich abgezeichnet und ist dem Rebhuhnhegering Wetterau zu verdanken: Für die rund 40 Jagdreviere in diesem Verbund gilt eine Ausnahmegenehmigung des Umweltministeriums von der Hessischen Jagdverordnung. Darin ist die Schonzeit für Fuchs und Waschbär bis zum 15. August aufgehoben. Die Elterntiere sind von der Bejagung ausgenommen.

 

Feldhamster neuer Verbündeter

Während die Bejagung in allen anderen hessischen Revieren bis zum 15. August ausgesetzt ist, folgte das Ministerium wie schon 2017 den Argumenten von Andreas Mohr und Heiko Blecher vom Rebhuhnhegering Wetterau. In einem Antrag hatten Mohr und Blecher viele Daten aus den Revieren zusammengetragen und außerdem einen neuen Verbündeten: den Feldhamster.

Er ist das »Flaggschiff« des Rebhuhnhegerings, und deshalb heißt es auch im Schreiben des Ministeriums: »Für den Bereich der Wetterau liegt in Bezug auf den Feldhamster eine Störung des biologischen Gleichgewichts vor.« Und weiter: »Angesichts der geringen Zahl von Feldhamstern können sich bereits wenige Verluste durch Prädation (Raub, Anm. d. Red. ) fatal für den Fortbestand der Population auswirken. Es gilt deshalb, diese Verluste durch geeignete Maßnahmen zu verhindern. Hier spielt die Jagd neben der Biotopverbesserung eine herausragend wichtige Rolle.«

 

Bestände nehmen deutlich zu

Hans-Dieter Stehr, Jagdpächter im Revier Büdingen-Wolf, hebt den Einsatz von Mohr und Blecher hervor. Denn in dem ministeriellen Schreiben werde »endlich« die Notwendigkeit der Jagd als Hilfe für bedrohte Tierarten verdeutlicht. So heißt es dort: »Im Rahmen der Schonzeitaufhebung kamen in der Wetterau mehr als 1100 Füchse und Waschbären zur Strecke. Verglichen mit der Strecke des Vorjahres, in dem keine Schonzeitaufhebung genehmigt wurde, erreichte die Wetterau 32 Prozent der Vorjahresstrecke des gesamten Landkreises im Zeitraum der eigentlichen Schonzeit.«

Mit immensem Aufwand wurden in Revieren des Rebhuhnhegerings Blühstreifen angelegt und Graswege mit Wildkräutern in neue Lebensräume für das Feldhuhn umgewandelt. Gleichzeitig werde dem Artenschwund bei Insekten, Bienen und Schmetterlingen entgegengearbeitet. »Aber«, sagt Mohr, »was helfen alle Biotopmaßnahmen, wenn wir nicht Prädatoren wie Fuchs und vor allem den Neozon Waschbär reduzieren?« Jetzt hat er es in der Schonzeitaufhebung 2018 Schwarz auf Weiß: »Die Bestände des Waschbären nehmen in besorgniserregender Weise zu. Der von diesen Arten ausgehende Prädationsdruck ist ganz erheblich und vermutlich ein Hauptgrund dafür, dass sich die Feldhamsterpopulation in der Wetterau trotz aller Bemühungen lange Zeit nicht vergrößert hat.

Infokasten

Kaum natürliche Feinde

Die Schonzeitaufhebung ist aber für die Jäger kein Freibrief, sondern Verpflichtung, sich weiter für Natur- und Umweltschutz einzusetzen und wissenschaftlich verwertbare Zahlen zu liefern. Etwa bei den freiwilligen Feldhasen-Zählungen im Frühjahr und Herbst.

Der Waschbär stammt aus Nordamerika und gehört in Deutschland den durch Menschen in einen anderen Lebensraum eingeführte Tierarten. Besonders viele der Säugetiere gibt es um Kassel herum, denn am Edersee wurden 1934 vier Exemplare ausgesetzt. Bundesweit sollen es mittlerweile mindestens 500 000 sein. Hierzulande hat der Kleinbär außer Jägern und dem Straßenverkehr kaum Feinde. Das sorgfältige Abtasten der Beute, manchmal auch im Wasser, brachte dem Waschbären seinen Namen ein. (dpa)


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