28. März 2018, 20:42 Uhr

Früher Theoretiker aufgeklärter Herrschaft

28. März 2018, 20:42 Uhr
Avatar_neutral
Aus der Redaktion

Wer sich gefragt hatte, was ein Staatsrechtler wie Samuel Pufendorf in der philosophischen Reihe zu suchen hat, erhielt von Prof. Dieter Hüning (Universität Trier) in seinem spannenden Vortrag im Badehaus 2 eine klare, überzeugende Antwort. Denn Pufendorf, der von 1661 bis 68 in Heidelberg und danach bis 1677 im schwedischen Lund als Professor wirkte, zählt zu den bedeutenden Naturrechtstheoretikern der frühen Neuzeit.

In seinem 1672 auf lateinisch erschienenen Hauptwerk (dt. »Acht Bücher vom Natur- und Völkerrecht«), das der Referent in den Mittelpunkt seines Vortrags stellte, bemüht er sich um eine rationale Legitimierung staatlicher Macht. Dabei geht er aus von Thomas Hobbes’ Lehre vom Gesellschaftsvertrag, mit dem dieser die Notwendigkeit eines absolut regierenden Herrschers begründen will. Nur er, so Hobbes, sei imstande, die im Naturzustand zu ständigem Krieg aller gegen alle tendierenden Menschen in einem Staatswesen zu befrieden.

Ein Monstrum

Ist Hobbes noch Theoretiker einer, wenn auch vertraglich vereinbarten, absoluten Monarchie, gilt Pufendorf als Urheber der Lehre vom »aufgeklärten Absolutismus«. Ausgehend vom Postulat, dass jeder Mensch »von Natur aus« bestimmte Rechte habe, die ihm niemand verweigern kann, ist es schon aus logischen Gründen nicht mehr möglich, einem Herrscher unbeschränkte Rechte über seine Untertanen zuzusprechen. Denn das hieße, ihn über das Gesetz zu stellen – wie es Pufendorfs königlicher Zeitgenosse Ludwig XIV., um ein prominentes Beispiel zu nennen, für sich noch selbstverständlich beanspruchte. Sein Gewaltmonopol, so Hüning, verpflichtet den Staat beziehungsweise Herrscher neben der Aufrechterhaltung des inneren Friedens auch zur Fürsorge für seine Untertanen. Damit erteilt Pufendorf auch der Lehre vom Gottesgnadentum eine klare Absage. Der Mensch ist frei, verfügt über einen freien Willen, der aber seine Grenzen am Prinzip des Gemeinwohls findet – nach der sogenannten »Goldenen Regel« (Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem andern zu).

Im zweiten Teil seines äußerst informativen Vortrags stellte der Referent Pufendorfs bedeutsame Reichsverfassungsschrift aus dem Jahr 1687 vor. Sie trägt den lat. Titel »De statu imperii germanici« (Vom Zustand des deutschen Reiches). Hierbei handelt es sich um eine vernichtende Kritik an der rechtlich-politischen Struktur des »Hl. Röm. Reiches Dt. Nation«.

Pufendorf vergleicht dieses aus über 300 souveränen Einzelstaaten bestehende Gebilde mit einem »Monstrum«, das heißt einem völlig ineffizienten, strukturlosen Staatswesen (das formal bis zur Selbstauflösung 1803 bestand). Auch dieser gnadenlosen Kritik liegt sein moderner Ansatz zugrunde, dass ein Staat sich nur rational, nicht religiös-metaphysisch (wie es Leibniz noch versuchte) legitimieren könne. Am Ende seines mit viel Beifall aufgenommenen Vortrags verwies Prof. Hüning auf die Wirkungsgeschichte von Pufendorfs Theorien.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos