09. Mai 2018, 14:00 Uhr

Campus-Erweiterung

Friedberger THM wächst

Die THM will sich in Friedberg vergrößern. Bei einem Besuch des Bildungsforums sind die Pläne vorgestellt worden.
09. Mai 2018, 14:00 Uhr
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Von Harald Schuchardt
Das Areal mit den Gebäuden 3617 und 3619 am nordwestlichen Ende der Kaserne soll zum Friedberger Anwender- und Technologiezentrum der THM werden. (Fotos: lod)

Vor zehn Jahren hat sich das Bildungsforum Friedberg als Teil des Stadtmarketing- und Verkehrsvereins gegründet. Über 30 Bildungseinrichtungen sind seitdem besucht worden. »Wir wollten die Bildungsangebote in dieser Stadt ins rechte Licht rücken«, sagt Prof. Peter Schubert, der Sprecher des Bildungsforums, das auf eine Feier zum Zehnjährigen verzichtete. Stattdessen hatte das Bildungsforum zu einem sehr gut besuchten Informationsabend in die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) eingeladen.

»Als wir anfingen, hießen Sie noch Fachhochschule«, sagte Schubert zu THM-Vize-Präsident Olaf Berger, der in seinem Vortrag »Neuere Entwicklung und Perspektiven der THM in Friedberg« auf die Planungen am Standort einging.

 

Fernziel: Ausweitung nach Süden

 

6000 der 18 000 Studierenden an der drittgrößten deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften studieren in Friedberg. Berger sprach von einem »sehr, sehr bedeutenden Campus für die THM«. Der Hochschule fehlen 6000 Quadratmeter Nutzfläche, »die wir dringend brauchen« – dies trotz der Erweiterungen in den vergangenen Jahren mit dem Neubau auf dem ehemaligen Rüster-Gelände und dem dritten Campus auf dem Gelände der ehemaligen Housing Area. Doch das alles reiche nicht aus. Berger: »Wir sind ein starker Partner für die Stadt. Wir haben großes Interesse an den Ray Baracks in greifbarer Nähe zum Housing-Area-Campus.«

 

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Das Bildungsforum mit Peter Schubert (l.) an der Spitze ist bei der THM zu Gast, Olaf Berg...

 

Berger stellte den detaillierten Entwurf seines Kollegen Prof. Dirk Metzger für das Areal rund um die Gebäude 3617 und 3619 vor. Diese befinden sich am nordwestlichen Ende der ehemaligen Kaserne hinter der Philipp-Reis-Schule, dem Fitnessstudio und Bürotechnik König. Dort könnte das Friedberger Anwender- und Technologiezentrum (Frantz) entstehen. Fernziel ist eine Ausweitung Richtung Süden zu einem drei bis vier Hektar großen Wissenschaftszentrum. Zur Finanzierung des Projekts, dessen Kosten zwischen fünf und zehn Millionen Euro betragen könnten, stellte Berger mehrere Alternativen vor: Zahlen aus dem eigenen Etat, Gründung einer Stiftung oder Mithilfe der Wirtschaft, »deren Interesse sich aber in Grenzen hält«, wie Berger es formulierte. Ein Investor habe bereits Interesse bekundet.

Es geht uns nicht darum, uns nur in Beton zu verewigen

Olaf Berger über die Präsenz der THM in der Stadt

In der Diskussion versicherten zahlreiche Kommunalpolitiker die Unterstützung der Pläne durch die Stadt und durch die parlamentarischen Gremien. »Wir haben den Erstzugriff beschlossen und sind in Preisverhandlungen. Alleine kann die Stadt das nicht stemmen«, sagte Stadtrat Markus Fenske. Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender erklärte, dass »wir im Parlament noch nicht alle Planungen kennen, wir alle aber wissen, dass wir die THM in Friedberg brauchen«. Berger: »Für uns ist wichtig, dass die Stadt die Federführung hat.« Stadtmarketing- und Verkehrsvereinsvorsitzender Bernd Ulrich bezeichnete die Planungen als »wieder mal nur ein Einzelprojekt«. Er plädierte für einen umfassenden Stadtentwicklungsplan.

 

Zahlreiche Redner lobten den vielfältigen Austausch zwischen Bevölkerung, Stadt und THM, den es in dieser Form noch nie gegeben habe, wie Prof. Karl-Friedrich Klein sagte.

Zu Wort meldeten sich auch THM-Mitarbeiter und Studenten, die unter anderem auf den gestiegenen Bekanntheitsgrad der THM und die Teilnahme an Aktionen wie »Friedberg spielt« hinwiesen. Die THM will laut Berger in der Stadt und bei der Bevölkerung präsent sein: »Es geht uns nicht darum, uns nur in Beton zu verewigen.« Mit einem Geschenk dankte Schubert Berger und Klein, der den Abend organisiert hatte.

Info

Zu wenig Wohnraum

Ein Thema in der Diskussion waren die fehlenden Wohnheimplätze für Studenten, bezahlbarer Wohnraum und zu hohen Mieten in Friedberg. Ein Asta-Mitglied sagte, er wohne im Fauerbacher Wohnheim »am Arsch der Welt«. Bernd Ulrich konterte mit Blick auf den umstrittenen Wohnheimbau in der Burg: »Am anderen Stadtende entsteht der zweite ›Arsch‹.« Er kündigte eine Initiative an, mit Hausbesitzern und Architekten leer stehenden Wohnraum für Studenten zu annehmbaren Mietpreisen auf der Kaiserstraße zu schaffen. Altbürgermeister Michael Keller kritisierte das Verhalten des Studentenwerks: »Wir haben Gespräche geführt, auch in der Kaserne Gebäude besichtigt. Die Reaktion war null.« Das Studentenwerk nutze nur leer stehende Gebäude oder Gelände des Landes. Keller: »Durch das Erbbaurecht ist das Studentenwerk privilegiert.« (har)



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