11. Juni 2017, 12:00 Uhr

Kurzfilm

Friedberger Regisseur dreht Film über den Krieg

Am Anfang gab es eine Frage, sagt Christoph Oliver Strunck: »Wie kann ich die Geschichte von Menschlichkeit an einem unmenschlichen Ort erzählen?« Nun hat er die Antwort, sein Film ist fast fertig.
11. Juni 2017, 12:00 Uhr
Visuell war der Schnee beim Dreh ein Geschenk, sagt der Regisseur. Nur hat das Wetter auch für Komplikationen gesorgt. (Fotos: Amos Zielinski /Esperanto Ent.)

Am Ende sind viele Fäden zusammengelaufen. Da ist einmal die Geschichte von den Amerikanern, die in der Kindheit von Christoph Oliver Strunck spielt. 80er Jahre, Friedberg: Manchmal, erzählt er, ist er als Junge mit dem Rad im Feld unterwegs gewesen – »plötzlich kam ein Militärfahrzeug aus dem Wald«. Oder die vielen bewaffneten Männer vor der Kaserne. Später, in den 90er Jahren, durften die Friedberger Jungs ab und an in die Sporthalle: »Basketball, Deutschland gegen USA haben wir gespielt.« Und immer verloren. Trotzdem: »Die Atmosphäre war total locker, das ist ein gutes Beispiel für deutsch-amerikanische Freundschaft.«

Diese Erfahrungen sind ein Grund, der dazu geführt hat, dass Strunck nun den Kurzfilm »Der dritte König« macht. Ein Kammerspiel, das im Zweiten Weltkrieg im Hürtgenwald spielt und 2018 erscheinen soll. Der Hintergrund ist real: 1944 bekämpfen sich dort US-amerikanische und deutsche Soldaten. 12 000 Menschen sterben. Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway war als Kriegsreporter vor Ort. Es heißt, dort ist er zum Pazifisten geworden. In »Über den Fluss und in die Wälder« schrieb er: »In Hürtgen gefroren die Toten, und es war so kalt, dass sie mit roten Gesichtern gefroren.«

Strunck sagt: »Abgesehen davon, dass Krieg immer eine beschissene Angelegenheit für alle Seiten ist, muss es ein furchtbares Ereignis für die Amerikaner gewesen sein.«

Er stellt in seinem Film die Frage: »Was wäre, wenn wir uns in Zeiten von erstarkenden Feindbildern, fremdgesteuerter Angst und Rassismus darauf besinnen würden, dass wir alle aus dem gleichen Holz geschnitzt sind?« »Der dritte König« könnte überall und zu jeder Zeit spielen. Doch seine eigene Geschichte führte Strunck dorthin. Nicht nur wegen der Kindheitserinnerung; ein anderer Faden ist ein Mönch, den der Filmemacher kennengelernt hat, und der eine Geschichte »über Glaube, Liebe, Hoffnung« erzählte: Die von Feinden, die in einer Hütte gemeinsam Weihnachten feiern. Diese Handlung legte Strunck in eine Holzhütte in den Hürtgenwald.

Ein Trailer des Films ist bereits online: Ein schwarzer GI steht darin vor einer deutschen Frau, er scheint Zuflucht zu suchen. Schnitt. Ein deutscher Soldat kommt in den Raum: »Was macht der Neger in der Hütte?« Dann: Kämpfe im Schnee.

»Ich wollte nicht die Geschichte irgendeines GIs erzählen«, sagt der 37-jährige Regisseur und Drehbuchautor – »sondern die eines Schwarzen, der für die USA in den Krieg für die Freiheit gezogen ist, zu Zeiten, in denen Schwarze in Amerika nicht mal hinten im Bus sitzen durften.« Der Film erzählt auch von Rollen – die einer Mutter zum Beispiel, die eines Kindes – »es gibt uns einerseits als Menschen, andererseits in unseren Rollen«.

Die großen Dinge im Kleinen erzählen – das ist Struncks Art, Filme zu machen. Diesmal ist es die Hütte, vor einigen Jahren war es Friedberg. Damals machte er »Meine innere Stimme« – der Film, der sich um Jens Eisenkrämers Besteigung des Adolfsturms dreht. Es ist auch, aber eben nicht nur die Geschichte eines Kletterers, es ist vor allem eine von Leidenschaft, von Forderungen an sich selbst, von der Angst, zu versagen.

Mit dem Anspruch, etwas Großes zu erzählen, will Strunck auch sein nächstes Projekt angehen. Ein Heimatfilm, wenn man so will. »Son of Elvis«, der ein Kinofilm werden soll. Spielen wird er in der Wetterau, wo Strunck wieder lebt. Ein Privileg, das er sich hart erarbeiten musste, wie er sagt – es ist ohnehin nicht einfach in der Branche, erst recht nicht in einer Kleinstadt. Er wohnte lange in München deswegen, fasste dort Fuß. »Doch ich habe gemerkt, dass mir meine Familie fehlt, meine Eltern und mein Bruder. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich gesagt habe: Du bist jetzt gut genug aufgestellt, um zu wohnen, wo du willst« – also Friedberg (und Frankfurt). Mit diesem Standing kam auch die Besinnung auf Projekte, die ihm am Herzen liegen. »Der dritte König« ist eines davon. »Son of Elvis«, der Sohn von Elvis, auch. Die Handlung ist fiktiv. Der Protagonist: ein vermeintlich unehelicher Sohn, Mitte 50. Er reist in die USA, versucht sein Glück, scheitert, »kommt wieder in die Heimat«. Nach Friedberg oder nach Bad Nauheim? »Da fängt es schon an«, sagt Strunck lachend. »Wo war denn Elvis’ Heimat?« Dort, bei »den Mythen um Elvis in der Wetterau« will er ansetzen – weil es so viele gibt.

Am Ende jedenfalls soll es wieder um etwas Großes gehen: um die Fragen nach Identität und Heimat. Und die Antworten, sagt er, finden sich im Kleinen.

Info

Schneechaos und Crowdfunding

»Der dritte König« war durch Filmförderung finanziert. Aber ein Schneechaos im Spessart, wo der Film gedreht wurde, sorgte für Mehrkosten. »Visuell war das ein Geschenk, logistisch eine Mammutaufgabe.« Und so kam das Team um Regisseur Strunck in finanzielle Probleme. Daher die Idee, 15 000 Euro über die Crowdfunding-Plattform Startnext zusammenzubekommen (der Film ist gedreht, die Post-Produktion wird aber noch mal teuer, bspw. Musik, Bildbearbeitung). Das Prinzip: Ein Projekt wird auf der Internetplattform vorgestellt, Nutzer können es unterstützen. Wenn bis zum Ende des festgelegten Zeitraums das finanzielle Ziel erreicht ist, bekommt Strunck das Geld, wenn nicht, wird es zurückgezahlt. Die Frist läuft bis Sonntag, 19. Juni, bisher sind knapp 7600 Euro zusammengekommen. Zu finden ist die Seite unter www.startnext.com/derdrittekoenig.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bildbearbeitung
  • Deutsche Frauen
  • Deutsche Soldaten
  • Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren
  • Ernest Hemingway
  • Filmförderung
  • Friedberg
  • Heimat
  • Heimatfilme
  • Kindheitserinnerungen
  • Kurzfilme
  • Regisseure
  • Friedberg
  • Sabrina Dämon
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos