05. Juli 2019, 08:00 Uhr

Star-Besuch beim Open-Air-Kino

Friedberger Produzent zu Gast im Rathauspark

Der Friedberger Benjamin Herrmann hat einen Film produziert. Der wird am heutigen Freitag beim Open-Air-Kino im Friedberger Rathauspark gezeigt - und der Produzent selbst kommt zur Vorführung.
05. Juli 2019, 08:00 Uhr

Heimspiel in Friedberg. Heute Abend wird Ihr Film »Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon« beim Open-Air-Kino im Rathauspark gezeigt. Ist das anders, als wenn Sie bei anderen Filmvorführungen vor Ort sind?

Benjamin Herrmann: Natürlich ist es besonders schön, Filme in seiner Heimat zu präsentieren, schließlich kommen viele Freunde. Aber ich freue mich ganz besonders auf die Open-Air-Vorführung, denn schließlich ist der Film quasi ein Roadmovie in der Luft, das passt zum Open-Air-Kino an einem lauen Sommerabend ganz wunderbar.

Haben Ihr Vater, Ihre Schwester oder andere Familienmitglieder den Film bereits gesehen?

Herrmann: Ja, klar. Der Film hatte seinen erfolgreichen Kinostart ja bereits im vergangenen Herbst, da durfte meine Familie nicht auf die nächste Open Air-Saison warten.

Wie haben Sie als Produzent die Geschichte gefunden?

Herrmann: Unser Hauptdarsteller Elmar Wepper hat mich auf den Roman von Jockel Tschiersch aufmerksam gemacht und gesagt, dass er interessiert wäre, die Hauptrolle zu spielen. Da habe ich das Buch natürlich sofort gelesen und dachte, dass es die Grundlage für einen sowohl unterhaltsamen als auch bewegenden Film sein könnte. Dem Regisseur Florian Gallenberger ging es genauso. Also haben wir losgelegt, mit Gernot Gricksch ein Drehbuch entwickelt und bereits ein Jahr später gingen die Dreharbeiten los.

Elmar Wepper spielt die Hauptrolle. Wie auch in Ihren Filmen »Kirschblüten - Hanami« und »Dreiviertelmond«. Welche Schwierigkeiten gibt es, wenn man sich so lange kennt und dann eng zusammenarbeitet?

Herrmann: Eigentlich gibt es überhaupt keine Schwierigkeiten, sondern nur große Freude. Man kennt die Fähigkeiten des jeweils anderen und weiß, was ihm an der Arbeit wichtig ist. Und mit Elmar, der ein großes Herz und einen tollen Humor hat, ist es jeden Tag ein Vergnügen.

Elmar Wepper spielt den bayerischen Gärtner Schorsch, dem einfach alles zu viel wird und der mit seiner Propeller-Maschine einfach »abhaut« über die Wolken. Würde Sie das auch gerne einmal machen?

Herrmann: Ich hoffe natürlich, dass es mir nie so »zu viel« wird, dass ich alles hinter mir lassen wollen würde, aber die Idee, noch einmal neu zu starten, dem Leben eine Wendung zu geben und einen Sprung ins Ungewisse zu wagen, ist verführerisch. Lieber wäre es mir aber, dass ich das Leben so erfüllend hinbekomme, dass ich gar keinen radikalen Wandel brauche.

Wieso haben Sie ein offenes Doppeldecker-Flugzeug gewählt und nicht wie im Roman ein geschlossenes Flugzeug?

Herrmann: Die Piper im Roman ist leider wenig filmisch, der Kiebitz-Doppeldecker hingegen ein traumhaft schönes Flugzeug. Es gibt gute Gründe, warum auch beispielsweise in »Jenseits von Afrika« oder »Der englische Patient« Doppeldecker zum Einsatz kamen.

Wie aufwendig waren die Dreharbeiten in der Luft?

Herrmann: Ich selbst habe mit einer Unit die Flugaufnahmen gedreht. Da steckte viel Vorbereitung drin, weil wir zum einen in ganz unterschiedlichen Teilen in Deutschland drehen mussten - über Bayern, NRW, der Ostsee und Brandenburg - und der Doppeldecker ein sehr langsames Flugzeug ist, das zudem bei Regen nicht fliegen darf. Zum anderen ist es eben ein Flugzeug, mit dem man nicht einfach in der Luft anhalten kann, um die perfekte Einstellung einzurichten.

Wurde die Crew »flugkrank«?

Herrmann: Das nicht, aber nach Tagen in einem engen Flugzeug, hoch konzentriert, damit man nicht mit dem Kameraflugzeug kollidiert und alle Aufnahmen in den Kasten bekommt, hatten wir alle erst einmal genug vom Fliegen.

Der Film ist, wie Sie sagten, ein »Roadmovie über den Wolken«. Über welchen Landschaften wurde gedreht?

Herrmann: Wir haben viel südlich von München gedreht, zwischen Starnberger See und den Alpen. Dann über dem Ruhrgebiet und der Eifel in NRW und Rheinland-Pfalz, auch über Köln rheinabwärts. Der dritte Block führte uns nach Sylt, das Wattenmeer und Norderney. Und schließlich die Lausitz in Brandenburg. Tatsächlich sind alle Aufnahmen im Film von uns gedreht, keine Stock Footage-Aufnahmen, die aus anderen Produktionen stammen.

Schorsch sucht und findet bei seiner Reise sein Glück. Womit haben Sie Ihr Glück gefunden?

Herrmann: Mit meinem Beruf und meiner Liebe.

Sind Sie noch oft zu Besuch in der »alten Heimat« Wetterau?

Herrmann: Ja, ein paar Mal im Jahr komme ich nach Friedberg.

Ihre Schwester Friederike leitet in sechster Generation die Familienbuchhandlung Bindernagel auf der Kaiserstraße in Friedberg und in Butzbach. Bekommen Sie Buchtipps von Ihrer Schwester, mit dem Hinweis, diese als Film produzieren zu können?

Herrmann: Sie hat ganz explizit den Auftrag, mir Bücher vorzuschlagen. Als Produzent sucht man ja immer nach Stoffen, die Vorlagen für neue Filme werden können.

Ihr Bruder Mathias ist Schauspieler. Können Sie sich vorstellen, ihn für eine Rolle in Ihren Projekten zu besetzen?

Herrmann: Ich habe das schon ein paar Mal gemacht! Ich versuche, ihn in jedem meiner Filme zu besetzen, wenn es zeitlich passt. In »John Rabe« spielt Mathias den schillernden Nazi-Gegenspieler der Hauptfigur, und in »Grüner wird’s nicht« hatte er einen kleinen Gastauftritt, den er auf Hessisch spielt. Mal sehen, ob die Zuschauer ihn heute Abend entdecken.

Würden Sie gerne einmal einen Film über die Wetterau machen? Wenn ja, was müsste darin unbedingt vorkommen?

Herrmann: In »Hin und weg« mit Florian David Fitz haben wir immerhin in der Gegend gedreht, in Bad Nauheim und eine legendäre Szene in einem Schlammloch in der Nähe von Ober-Mörlen. Und es gibt natürlich immer wieder Drehbücher zu Elvis-in-Friedberg-Projekten - mal schauen, ob irgendwann mal ein Film daraus wird.

Heute Abend ist er da

Der Film »Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon«, den Benjamin Herrmann produziert hat, wird am heutigen Freitag, 5. Juli, im Friedberger Rathauspark gezeigt. Herrmann wird als besonderer Gast anwesend sein. Einlass ist ab 20.30 Uhr. Vor dem Film gibt es ein musikalisches Programm. Filmbeginn wird gegen 22 Uhr, bei Einbruch der Dunkelheit, sein.

Und darum geht es: Schorsch ist Gärtner in einer bayerischen Kleinstadt und schuftet täglich in seinem Betrieb, der kurz vor der Pleite steht. Die Ehe mit seiner Frau ist längst entzaubert und zu allem Überfluss möchte seine Tochter an der Kunstakademie studieren. Nur über den Wolken, in seinem klapprigen Propellerflugzeug, einer alten Kiebitz, fühlt sich Schorsch wirklich frei. Erst der Blick von weit oben öffnet ihm die Sicht auf sein eigenes Leben.

Aus einer kreativen Familie

Benjamin Herrmann (Jahrgang 1971) kommt aus Friedberg. Er studierte Filmregie an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film. Während seiner Zeit bei ProSieben und Senator (co-)produzierte und verlieh er viele erfolgreiche Filme wie »Der Schuh des Manitu, »Das Wunder von Bern« oder »Lammbock«.

2006 gründete er mit Majestic sein eigenes Produktions- und Verleihunternehmen. Bis heute erreichten Majestics Filme mehr als neun Millionen Zuschauer und gewannen elf Deutsche und fünf Bayerische Filmpreise. Er ist Mitglied der Europäischen Filmakademie und Vorstandvorsitzender der Deutschen Filmakademie. Daneben unterrichtet er an deutschen Filmhochschulen. Sein Bruder Matthias ist Schauspieler, seine Schwester Friederike leitet die Buchhandlung Bindernagel.

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