24. Mai 2018, 17:00 Uhr

Ausladung?

Friedberger Ausländerbeirat will zwischen IZF und Ditib vermitteln

»Der Schatten Erdogans fällt nicht bis nach Friedberg«, sagt Antonio Nasisi vom Ausländerbeirat. Dieser will nun im Streit zwischen dem IZF und Ditib-Mitgliedern vermitteln.
24. Mai 2018, 17:00 Uhr
Vermittler (v. l.): Die Ausländerbeiratsmitglieder Yasemin Genis, Erol Demirok, Antonio Nasisi, Recep Kaplan, Ergün Kapu und Kerim Simsek halten eine Ausladung der Ditib vom Spielefest für den falschen Weg. (Foto: Wagner)

Das Internationale Zentrum Friedberg überlegt, die Ditib-Gemeinde vom Spielefest auszuladen (die WZ berichtete). Den Hintergrund liefert die politische Situation in der Türkei. Soll man mit Personen, die den umstrittenen türkischen Präsidenten Tayyip Erdogan unterstützen, zusammenarbeiten? Ein Präsident, der demokratische Rechte beschneidet, die Pressefreiheit unterdrückt und Gegner scharenweise und oft monatelang ohne Anklage inhaftieren lässt?

Ausgrenzung in den Familien

IZF-Mitglieder berichten, auch in Friedberg gebe es Ausgrenzungen und Spaltungen innerhalb der Familien. Eine Entscheidung hat das IZF noch nicht getroffen; beide Seiten haben ein Gespräch vereinbart, das aus terminlichen Gründen noch nicht stattfand.

Der Ausländerbeirat will nun in dem Streit vermitteln. Und die Mitglieder wollen eines klarstellen: »Die Äußerungen von Herrn Kaplan im WZ-Bericht waren seine persönliche Meinung. Wir sind bunt gemischt, bei uns denkt nicht jeder das gleiche«, sagt Ausländerbeiratsmitglied Antonio Nasisi. Das zeigt sich schon daran, dass Kaplan AKP-Anhänger ist, seine Stellvertreterin Yasemin Genis aber ganz anders über Erdogan und dessen Partei denkt. »Unsere Familien sind aber trotzdem befreundet«, betont Genis.

Ein Foto des Staatsfeindes

Würde die Ditib vom Spielefest ausgeladen, bestehe das Risiko einer noch größeren Spaltung. Nasisi: »Wir werden an dem Treffen zwischen IZF und Ditib teilnehmen und wollen vermitteln.« Das Spielefest sei wichtig für das Gemeinwohl in der Stadt, betont Recep Kaplan. »Wir haben das Fest seit vielen Jahren gemeinsam mit dem IZF organisiert. Es war eine gute Zusammenarbeit. Politik haben wir immer herausgehalten.«

Es sei in der Vergangenheit beim Spielefest vorgekommen, dass eine PKK-Fahne oder ein Foto des inhaftierten PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan an einem Marktstand angebracht war. Dann habe man die Betreiber gebeten, das zu entfernen, sagt Kaplan. Es gehe beim Spielefest um die Kinder und die gemeinsame Kultur, sagt Ergün Kapu. »Wir trinken alle den gleichen schwarzen Tee.« Alle Ditib-Mitglieder auszuschließen, sei der falsche Weg, sagt auch Kerim Simsek.

Keine politischen Predigten

Die Sorge, die den Ausländerbeirat umtreibt: Würde die Ditib ausgeschlossen, wären viele Familien die Leidtragenden. Dass die Ditib vom türkischen Staat unterstützt wird und deshalb in deutschen Medien immer wieder in der Kritik steht, ist den Ausländerbeiratsmitgliedern bewusst. Es gehe hier aber alleine um die türkische Gemeinde in Friedberg. Eine Gemeinde, die vor ihrem Beitritt zur Ditib mit Spenden der eigenen Mitglieder eine Moschee gebaut hat und in der sowohl Erdogan-Anhänger als auch Gegner im Vorstand säßen. Was für Erol Demirok wichtig ist: »In der Moschee wird keine Politik gepredigt. Was die Mitglieder privat miteinander bereden, kann niemand beeinflussen. Aber Politik hat in der Predigt nichts zu suchen.«

Von Spaltungen und Ausgrenzungen innerhalb der Familien hat der Ausländerbeirat nach den Worten Nasisis bislang nichts mitbekommen. »Wir kennen keine solchen Fälle.« Möglich sei das aber. »Wenn es diese Probleme gibt, können die Leute gerne zu uns kommen. Wir behandeln das vertraulich.« Nicht nur Moslems seien Mitglieder des Ausländerbeirats, auch Christen. »Das ist auch kein Problem, das alleine die Moslems betrifft«, sagt Demirok. »Wir würden uns für jede andere Gruppe, die ausgeschlossen werden soll, genauso einsetzen.«

 

Info

Gespräch vereinbart

Am 26. August soll auf der Friedberger Seewiese das Internationale Spielefest gefeiert werden. Seit fast 20 Jahren ist das Fest wichtiger Bestandteil der interkulturellen Arbeit in der Kreisstadt. Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen bieten Essensspezialitäten an, führen Tänze aus ihrer Heimat vor, machen Musik, kicken Fußball, haben Spaß miteinander. Doch kann man Spaß haben, wenn Erdogan-Gegner auch in Friedberg als »Vaterlandsverräter« abgekanzelt werden? Solche Erfahrungen haben IZF-Mitglieder gemacht. Sie sprechen von einem Riss, der durch manche türkische Familie gehe. Das IZF hat mit dem Vorstand der Ditib-Gemeinde ein Gespräch vereinbart. Der Ausländerbeirat hofft, dass sich die Wogen wieder glätten. (jw)

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