22. Dezember 2017, 07:00 Uhr

Gewalttätig

Freundin verletzt: Schlinge um Angeklagten zieht sich zu

Auch wenn sich ein Mann aus Ortenberg infolge seiner Alkoholabhängigkeit nicht an alles erinnern konnte oder wollte, so zog sich vor Gericht die Schlinge immer enger um seinen Hals.
22. Dezember 2017, 07:00 Uhr
(Symbolfoto: dpa)

Denn ein Zeuge nach dem anderen bestätigte den Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen den 38-Jährigen. Die wirft ihm Diebstahl, versuchte und vollendete Körperverletzung, Beleidigung und Hausfriedensbruch vor.

Das Drama begann am Weihnachtsabend vor einem Jahr in einer Kneipe in Friedberg. Es soll Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, wie das Opfer, eine 48-jährige Friedbergerin, dem Gericht aussagte. In der Folgezeit habe man sich oft und recht exzessiv geliebt – allerdings stets stark alkoholisiert und zwar beide, gestand die zweifache Mutter. »1,4 Promille Alkohol im Blut sind für mich so gut wie gar nichts«, sagte die Frau.

 

Schnaps und Bett geteilt

 

Einen Monat lang seien sie ein Liebespaar gewesen, hätten Schnaps und Bett geteilt – bis zum 19. Januar. Da habe ihr der Angeklagte mitgeteilt, dass er flüchten müsse, weil er ansonsten eine dreijährige Haftstrafe wegen eines Überfalls auf eine Spielothek antreten müsse. Große Pläne habe er gehabt, doch der Abend sei in die Tristesse des Vollrauschs gemündet. »Ich weiß nicht mehr, was an diesem Abend passiert ist. Ich bin erst am nächsten Morgen auf der Polizeiwache wieder zu mir gekommen«, sagte der Angeklagte. Das Opfer kann sich dagegen sehr genau erinnern. Auch in dieser Nacht sei es wieder zu einem heftigen Streit gekommen, der am Ende den Rausschmiss für den Angeklagten zur Folge gehabt habe. Auf dem Weg nach draußen soll er 100 Euro und ein Handy mitgenommen haben, woraufhin die Frau Strafantrag wegen Diebstahls gegen ihn gestellt habe.

 

Ohne Geld auf der Straße

 

Den späteren Besitz des Handys und der 100 Euro bestätigen nun auch Zeugen im Laufe der Gerichtsverhandlung. Der Angeklagte habe damit seiner Ehefrau, die ihn kurz vor Weihnachten wegen Gewalttätigkeiten auf die Straße gesetzt hatte, eine Freude bereiten wollen, berichteten die Zeugen. Scheinbar war der Annäherungsversuch an seine Ehefrau aber vergebens, denn sein Zuhause blieb weiterhin die Straße, auch weil er kein Geld mehr besaß. Dafür fanden dann aber die beiden frisch Verliebten wieder zusammen.

 

Rauswurf bei Sauftour

 

Sie unternahmen eine Sauftour. Es kam zum Streit und zum Rauswurf aus dem Auto. Zuhause in Friedberg gab es eine Versöhnung in der Wohnung der Geliebten, wobei es zu einer Keilerei kam, da sie sich weigerte, die Strafanzeige gegen ihn zurückzunehmen. Nach ihren Angaben soll er sie vom Sofa auf den Boden geschubst und dann, nachdem er sie mit Kabelbinder gefesselt habe, krankenhausreif geprügelt und getreten haben. Mit einem Messer in der Hand soll er sie bedroht haben. Die von den Nachbarn herbeigerufene Polizei verhinderte an dem Abend wahrscheinlich Schlimmeres.

Weil sich die Anwälte nicht über die Kosten des Schmerzensgeldvergleichs einigen konnten, darüber in dem Verfahren aber entschieden werden soll, ist die Verhandlung auf den 4. Januar vertagt worden.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Alkoholsucht
  • Betten
  • Fesselung
  • Polizei
  • Spirituosen
  • Weihnachtsabend
  • Zeugen
  • Friedberg
  • Jürgen W. Niehoff
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos