Wetterau

Freude am Singen springt über

Dass es auch nach 42 Konzert-Jahren immer wieder frische, neue Musik und Arrangements gibt (und das quer durch die Männerchorliteratur und Musikgenres), ist nicht selbstverständlich. Der Männergesangverein Germania hat auch bei seinem jüngsten Frühjahrskonzert mit schwungvoller Musik, mit Charme, Sehnsucht und Sangesfreude überrascht.
29. Mai 2017, 19:08 Uhr
Redaktion
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Der Männergesangverein Germania verzückt das Publikum. (Foto: pv)

Dass es auch nach 42 Konzert-Jahren immer wieder frische, neue Musik und Arrangements gibt (und das quer durch die Männerchorliteratur und Musikgenres), ist nicht selbstverständlich. Der Männergesangverein Germania hat auch bei seinem jüngsten Frühjahrskonzert mit schwungvoller Musik, mit Charme, Sehnsucht und Sangesfreude überrascht.

Schon seit einigen Jahren sorgt der Rosbacher Posaunenchor unter Leitung von Hilmar Koch für Abwechslung im Konzert und bereichert die Liedauswahl des Männerchors mit kirchlichen Werken genauso wie mit Popsongs, auf clevere Weise für Blechbläser arrangiert. »Wir befruchten uns gegenseitig«, sagte Koch. Sein Ensemble reiste mit dem »Chattanooga Choo Choo« und der Imitation eines Dampfzugs, beseelte mit »Bewahre dich Gott« oder »Heal the World« und bestach mit einem runden Klangkörper.

Durch das Programm führte Theo Rodemerk, der tief in die Schatzkiste der Anekdoten, Gedichte und Zitate getaucht war, um vielen Liedern eine augenzwinkernde, ganz persönliche Note mitzugeben. Zu »Ein Bett im Kornfeld« verlas er Eugen Roths »Versäumte Gelegenheiten« und riet, nicht mit dem Bett im Kornfeld zu warten, bis das Alter es nicht mehr mitmacht. Mit seiner Mundharmonika holte der Moderator ein weiteres Ass aus dem Ärmel und gab Rod Stewards »Sailing«, Paul McCartneys »Mull of Kintyre« und der Volksweise »Heim möcht ich ziehn« einen Anstrich, der Melancholie in die einfachen Weisen zaubert.

Chorleiter Ekkehard Voigt gelingt es, seine 17 Sänger mit Schwung und Leidenschaft durch das Programm zu führen und dabei dennoch jedes einzelne Stück fokussiert und mit ausgearbeiteter Dynamik, Artikulation und Rhythmus erklingen zu lassen. Die Sänger folgen ihm konzentriert auch bei den schweren Arrangements wie »Ave Maria no morro«. Hingerissen zeigte sich das Publikum von der Variante des Beatles-Klassikers »When I’m Sixty-four«, bei dessen Übersetzung sich der Chorleiter einige Scherze auf Kosten der Sänger erlaubte, von denen doch einige die 64-Lenze schon überschritten haben. »Für die heißt es jetzt: Wenn ich tattrig bin«, erklärt er. Und so singen sie augenzwinkernd und voller Inbrunst von Rollatoren, Bandscheibenschmerzen und der Freude am Leben im Alter.

Durchdachte Arrangements

Die Lust am Singen und an den Liedern sprang aufs Publikum über; sei es bei »Kein schöner Land«, »Der Jäger Abschied« oder »Untreue« mit dem Text von Joseph von Eichendorff. Die durchdachten Arrangements geben jeder Stimme ihren Auftritt, sei es ein humorvolles »So ein Kuss kommt von allein, nur verliebt muss man sein« oder ein sehnsuchtsvolles »Irgendwo auf der Welt.« Roger Ciceros Swing-Nummer »Zieh die Schuhe aus«, fetzig interpretiert mit einem Quartettsatz des Posaunenchors, wandte man sich auch Aktuellem zu. Am Ende bedankte sich der Männerchor mit einem gemeinsam mit dem Publikum gesungenen Lied für den anhaltenden Applaus.

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