03. Oktober 2018, 12:00 Uhr

Serie zur Landtagswahl

Freie Wähler wollen bürgernah ohne Populismus sein

Am 28. Oktober wählen die Hessen einen neuen Landtag. Welche Ziele haben die Parteien? Die WZ hat nachgefragt. Den Auftakt macht Direktkandidat Ronald Berg von den Freien Wählern.
03. Oktober 2018, 12:00 Uhr
Nicht mit uns! Ronald Berg, Direktkandidat der FW im nordöstlichen Wahlkreis, zeigt den Straßenausbaubeiträgen die Rote Karte. (Foto: Wagner)

Wir sind das Sprachrohr der Bürger«, sagt Ronald Berg. Gemessen an der Zahl der Mandatsträger in Kommunalparlamenten sind die Freien Wähler die drittstärkste Kraft in Hessen. In Wahlumfragen taucht das Kürzel »FW« aber nicht auf, die Prozente werden unter »Sonstige« verrechnet. Das könne sich ändern, sagt der FW-Direktkandidat und hofft auf den Bayern-Effekt.

Die Landtagswahl sei wie eine Wundertüte, sagt Ronald Berg. Was rauskommt, wisse keiner. In einer der ersten Umfragen hätten die Freien Wähler bei 1,5 Prozent gelegen. »Da hatte der Wahlkampf noch nicht begonnen.« Die Freien Wähler hätten großes Wählerpotenzial. In Bad Nauheim sind sie stärkste Kraft. In Münzenberg, wo Berg wohnt, holte die FW 18 Prozent und stellt die Bürgermeisterin. »Als Kommunalpartei sind wir stark.« In Hessen gibt es rund 2000 Mandatsträger. Nur bei Landtagswahlen klappt es nicht. »Wir sind erst seit 2012 eine landesweite Partei. In Bayern brauchten die Freien Wähler drei Anläufe, um in den Landtag einzuziehen.«

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Uli Majunke

Dabei werden die Themen der Freien Wähler durchaus im Landtag behandelt. »Wir waren die ersten, die kostenlose Kitas und die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge gefordert haben.« Die anderen Parteien hätten das aufgegriffen, deren Vorschläge gingen aber nicht weit genug. Berg: »Wir kennen die Probleme der Menschen, weil wir vor Ort sind. Nur haben wir nicht den direkten Draht nach Wiesbaden.«

 

Aussichtsreicher Listenplatz

Berg tritt als Direktkandidat im nordwestlichen der drei Wetterauer Wahlkreise an. Die Chancen, Norbert Kartmann (CDU) vom Sockel zu stoßen, seien »nicht unbedingt groß«. Berg kann sich trotzdem Hoffnung auf den Einzug in den Landtag machen. Als Mitglied des FW-Landesvorstands steht er auf Platz 5 der Liste. Überspringen die Freien Wähler die 5-Prozent-Hürde, wäre er dabei.

Eine Regierungsbeteiligung will Berg im Falle eines Einzugs in den Landtag nicht ausschließen. »Wir sind gerngesehener Ansprechpartner der großen Parteien.« Nur Rechts- und Linksaußen schließe man als Partner aus. Mit den Gründungsvätern der AfD gab es vor Jahren Anknüpfungspunkte bei Themen wie Euro und Griechenland-Hilfe. Die Gründungsmitglieder der AfD seien aber mittlerweile alle ausgetreten. »Die waren mal wertkonservativ, jetzt ist das ein Auffangbecken für Rechtspopulisten.« Die Wahlparolen der AfD seien erschreckend. »Wir sind die bürgernahe Partei, aber wir sind keine Populisten«, grenzt sich Berg klar ab.

 

Bürokratieabbau als Ziel

Ihr Kurzprogramm haben die Freien Wähler »6 ½ Gründe für ein besseres Hessen« genannt. Der Slogan war Bergs Idee. 6,5 Prozent: Das ist der landesweite Durchschnittswert der FW bei Kreistagswahlen. Die Kandidaten der Freien Wähler sind aber so frei, sich ihre sechseinhalb Gründe aus dem 113-seitigen Wahlprogramm auszusuchen.

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Raimo Biere

Bürokratieabbau ist ein Punkt. »Wir machen uns das Leben selbst schwer«, sagt Berg und deutet auf den Aktenschrank hinter seinem Schreibtisch. Der selbstständige Finanzdienstleister weiß, von was er spricht. Nächster Punkt: der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Besonders im Ostkreis sei das wichtig. »Auf dem Land stehen die Wohnungen leer. Mit besseren Verkehrsverbindungen kriegen wir die Wohnungsnot in den Städten in den Griff.« Die ärztliche Versorgung ist den Freien Wählern ein weiteres Anliegen. »Wir brauchen Förderprogramme, sonst gibt es bald keine Landärzte mehr.«

Öfter mal höre er an Wahlständen, wähle man die Freien Wähler bei Landtagswahlen, sei dies eine verschenkte Stimme, sagt Berg. »Aber das ist nicht so.« Irgendwann werde der Einzug in den Hessischen Landtag klappen, sagt er. Vielleicht diesmal.

Info

Zwei weitere Direktkandidaten

Am 28. Oktober wählen die Hessen einen neuen Landtag. Die Wetterau ist aufgeteilt in die drei Wahlkreise 25 (Süden), 26 (Osten) und 27 (Nordwesten). Der Wetterauer FW-Vorsitzende Ronald Berg (52) tritt im Wahlkreis 27 an; auf der Landesliste steht er auf Platz 5. Im Wahlkreis 26 heißt der FW-Direktkandidat Ulrich Majunke (41). Er ist selbstständig, betreibt eine Handwerksfirma, ist Fraktionsvorsitzender der FW in der Büdinger Stadtverordnetenversammlung und Kreistagsabgeordneter. Raimo Biere (58, Wahlkreis 25) ist selbstständiger Kaufmann, war lange in der FDP aktiv und drei Jahre lang deren Kreisvorsitzender. Derzeit ist Biere FW-Fraktionsvorsitzender in Bad Vilbel. (jw/Fotos: pv)

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