18. Mai 2017, 20:50 Uhr

Frauen für eine bessere Welt

18. Mai 2017, 20:50 Uhr

. Neben der Nachrichtenagentur DANA/DENA gab es in Bad Nauheim eine weitere amerikanische Pressestelle, den US Feature Service oder Amerika-Dienst. Das Büro befand sich in der Goethestraße 4, dem damaligen Deutschen Kurheim. Heute steht an dieser Stelle die Taunusklinik. Der Amerika-Dienst wurde im August 1948 in Nürnberg als Teil der Information Services Division gegründet und im Frühjahr 1949 nach Bad Nauheim verlegt. Der Bad Nauheimer Hans Martin, der bereits zum Redaktionsteam der DENA gehörte, fand nach deren Wegzug bis 1950 eine Stelle beim Amerika-Dienst. Die Agentur arbeitete bis Juni 1952 in Bad Nauheim, dann zog sie nach einer kurzen Zwischenstation in Frankfurt im September 1952 nach Bad Godesberg.

Der Amerika-Dienst war ein nicht kommerzieller Informationsservice für Hintergründe, Feuilletons, Berichte über das Alltagsleben in Amerika und damit keine Konkurrenz zu anderen Agenturen. Erklärtes Ziel dieser meist etwa 24 Seiten umfassenden wöchentlichen Ausgaben war es, »to tell the American story«. Mit ausgewählten übersetzten Artikeln aus der amerikanischen Presse sollten den Deutschen die amerikanische Lebensweise und selbstständiges, also demokratisches Handeln und Denken vermittelt werden. Man wusste, dass es nach dem Krieg einen großen Frauenüberschuss geben würde. Deshalb widmete sich ein großer Teil der »Re-education« mit gezielten Programmen an die Frauen, die traditionell in autoritäre Familienstrukturen eingebunden waren, ein Umstand, der durch die Diktatur und die Frauenpolitik des Naziregimes noch verstärkt worden war. Die Ergebnisse umfangreicher sozialwissenschaftlicher Untersuchungen der Amerikaner und repräsentative Umfragen zu diesem Thema waren ernüchternd. Frauen und Jugendliche zeigten wenig politisches Interesse und neigten dazu, sich Autoritäten unterzuordnen. Zur Aufgabe der psychologischen Kriegsführung gehörte es deshalb, auch diese Gruppe zu mündigen Bürgern zu erziehen, die aktiv und selbstbestimmt ihren Teil zur Demokratie beitragen.

Also richteten sich viele Artikel im Amerika-Dienst neben politischen, technischen oder wirtschaftlichen Feuilletons gezielt an Frauen. Dazu gehörten zum Beispiel Berichte aus Gesellschaft, Kultur, Sport, Kunst, Haushalt, Erziehung, Religion, Berichte über das Leben des Durchschnittsamerikaners, immer mit dem Hintergrund, die freie, demokratische Lebensweise in Amerika beispielhaft darzustellen. Nach Jahren der politischen und kulturellen Isolation sollte den Deutschen der Blick auf die Welt und auf demokratische Staatsformen geöffnet werden. Dabei waren Frauen eine nicht zu unterschätzende Gruppe, die durch ihr Wahlrecht, ihre Kaufkraft und die Kindererziehung einen großen Einfluss auf politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse haben konnten. Ziel der Re-education war es daher, Frauen zu einer aktiven Einflussnahme bei politischen und gesellschaftlichen lokalen oder auch überregionalen Entscheidungen zu ermuntern, sei es im Bildungswesen, im Gesundheitswesen, dem Wohnungsbau, zu gerechten Löhnen und Arbeitsbedingungen, bezüglich der Gleichberechtigung von Mann und Frau und anderes mehr. Frauen sollten sich damit als verantwortungsvolle Bürger am Aufbau der Demokratie beteiligen. Dazu abschließend ein Zitat aus der Rede des stellvertretenden amerikanischen Hochkommissars in Deutschland, J. Buttenwieser, in Heidelberg vom 26. Mai 1951: »Der Jugend Deutschlands muss ständig vor Augen geführt werden, dass sie keine vergessene Generation ist und dass sie eine hoffnungsvolle und würdige Zukunft vor sich hat. Die Mütter können und müssen wesentlich dazu beitragen (…) Über den Gebrauch ihres Wahlrechtes hinaus, können und müssen die Frauen eine wirkliche und aktive Rolle in öffentlichen Angelegenheiten spielen – in der Regierung, den Gemeindeverwaltungen und anderen Selbstverwaltungskörperschaften.«

Den Amerika-Dienst gibt es noch immer; ausgewählte Artikel aus der amerikanischen Presse können auf Deutsch online gelesen werden. Auch Radio Frankfurt hatte nach dem Krieg einen Neustart in Bad Nauheim. Darum geht es in der letzten Folge dieser Serie. Gisela Christiansen

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