19. Oktober 2018, 21:51 Uhr

Fotos von Robotern und Satelliten

19. Oktober 2018, 21:51 Uhr

Runde, flache Fotoobjekte von 100 Zentimetern Durchmesser, Pigmentdruck kaschiert auf Acrylglas und Alubond, die Fotoobjekte, die nun in der Galerie der Trinkkuranlage zu sehen sind, ziehen den Betrachter auf Distanz gleich wegen ihrer großen ästhetischer Wirkung an. Nähert man sich diesen schließlich, werden Details sichtbar. Strukturen, Muster, Flächen, Linien, Punkte, Kreise oder auch leuchtende Farben lassen erkennen, was sie wirklich sind. Unter dem Titel »Gottes Werk und Teufels Beitrag« werden die interessanten Fotoobjekte von Rafael Cardenas, Landschaftsaufnahmen aus 20 Kilometern Höhe, nun bis zum 9. Dezember ausgestellt.

Eröffnet wurde die Ausstellung am Freitagabend durch den Ersten Vorsitzenden des Kunstvereins, Jens Arnold, und den Kulturamtsleiter Jochen Mörler. Die Einführung übernahm Vorstandsmitglied Johannes Lenz.

Bilder bleiben unbearbeitet

Schon der Titel »Gottes Werk und Teufels Beitrag« in Anlehnung an den gleichnamigen Roman von John Irving von 1985 (Originaltitel »The Ciderhouse Rules«) macht neugierig. Ein unübersehbarer Wink auf die Tatsache, dass hier nicht nur um die sprichwörtliche göttliche Schöpfung abgebildet, sondern immer auch ein menschlicher Eingriff darin gefangen ist.

Zu sehen sind Minen im Tageabbau oder Felder der Salzgewinnung, riesige Plantagen, extensive und intensive Landwirtschaft oder Kanalsysteme. Dennoch geht es Cardenas nicht um vordergründige Kritik an der rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen unserer Erde. Auch wenn der Titel der Ausstellung das nahe lege. »Ihm geht es um die ästhetische Auseinandersetzung mit Ansichten unserer Welt«, sagte Johannes Lenz.

»Wer das Glück hatte, bei Interkontinentalflügen in 12 000 Metern Höhe einen wolkenlosen Himmel zu erleben, der hat schon einen ähnlichen, wenn auch weit weniger extremen Blick auf Landschaften unserer Erde werfen können«, wie Lenz bei seiner Einführung weiter erklärte.

Hinter Rafael Cardenas' Fotoarbeiten stecken Landschaftsaufnahmen aus 20 Kilometern Höhe, die er selbst aber gar nicht geschossen hat. Die Fotos sind von Robotern, von Satelliten aufgenommen worden. »Erst danach kommt der Künstler Cardenas ins Spiel«, erklärte Lenz. Er sucht aus den Tausenden von Fotostreifen des Satelliten bis zu 250 Ausschnitte in aufwendiger Arbeit aus und setzt sie passgenau zu einer Landschaft zusammen.

Die einzelnen Satellitenfotos bleiben aber bis auf Anpassungen der Helligkeit völlig unbearbeitet. Damit erreicht er eine enorme Schärfe und hohe Auflösung, mit der man auch aus 20 Kilometern Entfernung noch Gegenstände von wenigen Metern Durchmesser erkennen kann. Maler und Fotografen bevorzugen, wenn sie Landschaften darstellen wollen, einen erhöhten Standpunkt, um einen weiteren Blick und einen größeren Bildausschnitt darstellen zu können. Sie stellen Landschaften aus der Horizontalen dar. »Dabei spielt die Perspektive, ein Thema, das die gesamte Kunstgeschichte durchzieht, eine wesentliche Rolle«, wie Lenz weiter erklärte. Bei Cardenas Arbeiten handle es sich um einen Blick aus der totalen Vertikalen. Das führe dazu, dass bei seinen Fotoobjekten die Topografie der Erde, das Relief der Erdoberfläche nicht mehr sichtbar ist. Cardenas Fotoobjekte sind dazu rund wie die Erde, da er es vermeiden möchte, dass harte Ecken die Ansicht auf die Landschaft begrenzen. Drei weitere »Überraschungsobjekte« ergänzen die Ausstellung.

Der Deutsch-Spanier Rafael Cardenas hat seine Fotoobjekte bereits in Karlsruhe und dem Museum Helgoland ausgestellt. Hier wurde Hiltrud Hölzinger auf den ungewöhnlichen Künstler aufmerksam und sprach dem Kunstverein Bad Nauheim eine Empfehlung aus.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Fotografien
  • Galerien und Ateliers
  • Gott
  • John Irving
  • Kunstvereine
  • Landschaften
  • Roboter
  • Werk
  • Ästhetik
  • Bad Nauheim
  • Corinna Weigelt
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 20 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.