17. Januar 2019, 07:00 Uhr

Flüchtlingsheime

Flüchtlingsunterkünfte: Stau bei den Auszügen

Die Zahl der Flüchtlinge geht auch in Friedberg deutlich zurück. Die Unterkünfte sind dennoch fast voll belegt, weil es an bezahlbarem Wohnraum fehlt.
17. Januar 2019, 07:00 Uhr
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Von Jürgen Wagner

Es läuft«, sagt Holger Kopsch, Leiter der Stabsstelle Flüchtlingsbetreuung bei der Friedberger Stadtverwaltung. Kopsch hat sein Büro im Erdgeschoss des Holzhauses im Gewerbegebiet West. Hier leben knapp 80 der insgesamt 195 Flüchtlinge, um die sich Friedberg derzeit kümmert. Kopsch ist nahe dran am Geschehen, seine Arbeit umfasst mehr als nur die Verwaltung des Flüchtlingsheims und der 13 anderen Unterkünfte Friedberg. Oft kämen Bewohner mit ihren Problemen und Wünschen zu ihm ins Büro.

Wobei die Wünsche dominieren. »Die meisten wollen ein Einzelzimmer. Aber das geht nicht.« Nur in Einzelfällen ist das möglich, etwa bei einem taubstummen Bewohner. Probleme gebe es keine, sagt Kopsch. Aber: »Integration ist ein längerer Prozess.«

Die Auslastung der städtischen Unterkünfte liegt bei rund 94 Prozent. Es gibt stets einen kleinen Puffer an freien Plätzen, um spontan reagieren zu können. Auch wenn niemand weiß, wie sich die Situation im Sommer darstellt, so ist die Entwicklung doch rückläufig, zeigt Kopsch anhand der Statistik. 2016 nahm die Stadt 194 Flüchtlingen auf. 2017 waren es 79, 2016 dann 31.

 

Afghanische Bürger an der Spitze

»Die Hälfte der Bewohner lebt länger als zwei Jahre im Haus«, sagt Kopsch. Viele sind als Asylsuchende anerkannt, haben Arbeit gefunden und müssten die städtischen Unterkünfte eigentlich räumen. Das läuft sehr schleppend. Jahr 2016 gab es 39 Auszüge, 2017 waren es 79 und 2018 62; dazu kommen vier Flüchtlinge, die freiwillig in ihre Heimat zurückkehrten sowie eine Frau, die nach den Dublin-Regeln in das EU-Land abgeschoben wurde, in dem sie zuerst registriert wurde.

Bei den Nationalitäten liegen afghanische Bürger mit 68 an der Spitze, gefolgt von Eritrea (28), Somalia (25), dem Irak (22), Pakistan (12) und Russland (10). Erst dann folgt Syrien (7). Die meisten Syrer seien anerkannt, was für Afghanen nicht gelte. Hier ist die Rechtslage schwieriger.

Es könnten viel mehr Auszüge sein, sagt Kopsch. »Die Leute finden aber keine Wohnung.« Die Bereitschaft der Vermieter, diese Menschen aufzunehmen, sei nicht sehr groß, das Angebot an bezahlbaren Wohnungen sei klein. Sind die Flüchtlinge Klienten des Jobcenters, gilt eine Mietobergrenze. Mehr wird nicht gezahlt, der Betrag reiche aber oft nicht.

 

Dezentrale Unterbringung

Flüchtlingsheime seien vorübergehende Unterkünfte, erinnert Kopsch. »Wir setzen die Menschen aber nicht auf die Straße.« Nur: Wer will dauerhaft zu zweit (und mit einem fremden Menschen) in einem Zimmer wohnen, mit Gemeinschaftsküche und -bad, ohne Rückzugsmöglichkeit? Die Situation sei für viele Flüchtlinge nicht einfach, weshalb der Hausmeister und er selbst oft als Sozialarbeiter gefragt seien.

Der 49-Jährige war über 25 Jahre bei der Stadt Frankfurt beschäftigt. 2016 wechselte er zur Stadt Friedberg. Seine Frau stammt von hier, sie haben in Friedberg ein Haus gebaut. Jetzt habe er einen direkten Bezug zu seiner Arbeit, sagt Kopsch.

 

Kasernengebäude wird zurückgegeben

Viele Kommunen fragen sich angesichts der zurückgehenden Flüchtlingszahlen, was sie mit leerstehenden Gebäuden anfangen sollen. Friedberg hat wie Bad Nauheim von Anfang an auf eine dezentrale Unterbringung in kleineren Gebäuden und Privathäusern gesetzt. Das hat sich laut Kopsch bewährt. Es gab keine Leerstände, nur ein Mannschaftsgebäude in der Kaserne, das die Stadt vom Bund mietete und das dann doch nicht saniert werden musste. Das Gebäude geht im Februar an den Bund zurück. Bei den Mietwohnungen muss die Stadt nach und nach entscheiden, wie lange diese noch benötigt werden. Entsprechend müssen die Mietverträge verlängert werden.

Eine ihrer Flüchtlingsunterkünfte hat die Stadt bereits im Sommer geschlossen. Ein Gebäude mit 25 Plätzen in der Hauptstraße in Fauerbach wurde geräumt, das Haus soll nach einem Umbau als Kita genutzt werden. Unterhalb der 24 Hallen entsteht gerade ein dreistöckiges Mehrfamilienhaus mit kleinen Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen, in denen einmal Familien mit drei bis fünf Personen wohnen sollen. Dann wird sich zumindest für einen Teil der Friedberger Flüchtlingen die Wohnsituation entspannen.

 

Info

Unterbringung zentral steuern

Die Koalitionspartner CDU und SPD haben für die Kreistagssitzung am 20. Februar einen Antrag zur Übernahme der Flüchtlingsunterbringung durch den Wetteraukreis vorgelegt. Der Kreis soll die Unterkünfte selbst verwalten, solange keine Notsituation eintritt. Dazu müsste der Kreis die Mietverträge der Kommunen übernehmen bzw. neue abschließen, wenn die Kommunen eigene Gebäude für die Flüchtlingsunterbringung verwenden. Bis Ende des Jahres könnte dies umgesetzt werden. Friedbergs Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) begrüßt die Pläne. »Die Initiative ging von den Bürgermeistern aus. Gerade für kleinere Kommunen ist es eine hohe Herausforderung, wenn das jeder für sich organisiert.« Übernimmt der Kreis diese Aufgabe, wäre das nicht nur eine personelle, sondern auch eine finanzielle Entlastung der Städte und Gemeinden. Über die Arbeit der eigenen Stabsstelle Flüchtlingsbetreuung kann Götz nicht klagen: »Das läuft sehr geräuschlos und gut.« 



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