07. Februar 2018, 11:00 Uhr

Flüchtlingsbetreuung

Flüchtlinge in Bad Nauheim: Zahlen gehen zurück, aber Quartiere nicht verwaist

In der Flüchtlingsfrage geht es um Integration, nicht mehr um Unterbringungsprobleme. Stimmt diese These? Stehen in Bad Nauheim also von der Stadt angemietete oder erworbene Immobilien leer?
07. Februar 2018, 11:00 Uhr
Dieses Gebäude im Gewerbegebiet Am Taubenbaum hat die Stadt vor geraumer Zeit von der Firma Strom erworben, um dort Flüchtlinge unterbringen zu können. (Foto: bk)

Anfang 2016 hatte das Bad Nauheimer Parlament der städtischen Wohnungsbau-Gesellschaft (Wobau) freie Hand für eine dezentrale, in den Augen der Politiker vernünftige Unterbringung von Flüchtlingen gegeben. Nicht Container oder die Belegung von Mehrzweckhallen sollten die Lösung des Problems sein, sondern der Kauf und die Anmietung von leerstehenden Immobilien.

Für diesen Zweck wurde der Wobau ein finanzieller Spielraum von 5 Millionen Euro zugebilligt, die Stadt übernahm eine entsprechende Bürgschaft. Diese Entscheidung hat sich nach Aussage von Bürgermeister Klaus Kreß als richtig erwiesen, trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen sind alle Quartiere belegt.

Gekauft und gemietet

»Die Wobau hat zwei Gebäude für 1,3 Millionen Euro erworben, die ehemaligen Firmensitze von Rosen-Gönewein in Steinfurth und des Malerbetriebs Strom am Taubenbaum«, berichtet Kreß. Diese Häuser seien ebenso nach wie vor mit Migranten belegt wie vier angemietete Immobilien in der Barbarastraße, Ludwigstraße und Wisselsheimer Straße.

Als Unterkunft dient auch weiterhin die ehemalige Gaststätte »Zum Taunus« in der Altstadt, die ebenfalls angemietet wurde. »Die Verträge für diese Objekte können wir jederzeit kündigen, wenn kein Bedarf mehr besteht«, sagt der Bürgermeister. Danach sieht es derzeit aber nicht aus.

Wobau mit langer Warteliste

Laut Kreß werden der Stadt immer noch neue Flüchtlinge zugewiesen, pro Quartal seien es etwa zehn Personen. »Außerdem müssen wir abwarten, wie sich das Thema Familienzusammenführung entwickelt. Dadurch können die Zahlen wieder nach oben gehen.«

Die Wobau hat die Möglichkeit, Migranten in die angemieteten und gekauften Häuser umziehen zu lassen, um einige der an Flüchtlingsfamilien vermieteten eigenen Wohnungen frei zu bekommen. Schließlich hat die Gesellschaft eine lange Warteliste von Interessenten für günstige Mietwohnungen. Insgesamt geht die Flüchtlingszahl in der Kurstadt zurück: von 350 im Herbst 2016 auf 290 Mitte letzten Jahres und aktuell 274.

Sportheim: Kein Zurück zum Ursprung

Die Wobau macht sich derzeit keine Gedanken darüber, wie sie die vor zwei Jahren erworbenen Immobilien in Steinfurth und im Gewerbegebiet Am Taubenbaum künftig nutzt. Gleiches gilt für das Sportheim in der Altstadt, in dem nur die Wohnung im Obergeschoss mit Flüchtlingen belegt ist. Nach Auskunft des Rathauschefs dient dieses Gebäude als Puffer, falls es doch noch mal zur Zuweisung einer größeren Zahl von Asylbewerbern kommen sollte. Zurzeit sind im Sportheim eine Fahrradwerkstatt und das Sozialkaufhaus untergebracht, Integrationskurse werden veranstaltet.

Langfristig sollen die Gebäude im Rosendorf, im Gewerbegebiet und in der Altstadt für Wohnzwecke umgebaut und dem normalen Markt zugeführt werden. »Ein Zurück zur ursprünglichen Nutzung wird es im Sportheim nicht geben«, betont Kreß. Früher war das Gebäude eine Art Bürgerhaus für die Altstadt, in dem es auch eine Gaststätte gab. Der Raumbedarf der Vereine war zuletzt aber immer kleiner geworden, lediglich die Hiesbach nutzte das Sportheim in der Faschingszeit intensiv. Dieser Verein hat sich inzwischen in der Trinkkuranlage etabliert.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Altstädte
  • Flüchtlingsfrage
  • Immobilien
  • Klaus Kreß
  • Sportheime
  • Bad Nauheim
  • Bernd Klühs
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen