01. April 2019, 21:09 Uhr

Flatterulme als Überraschung

Carl Cellarius, von Freunden nur »Flatter« genannt, hatte keine Ahnung, was ihn am Sonntagmorgen auf der Friedberger Seewiese erwartete. Seine Parteifreunde von den Grünen pflanzten dort den Baum des Jahres, und das ist 2019 die Flatterulme.
01. April 2019, 21:09 Uhr
Carl »Flatter« Celarius (5. v. r.) mit Stadtverordnetenvorsteher Hollender, Bürgermeister Antkowiak und vielen (Partei-)Freunden beim Pflanzen der »Flatter(s)ulme«. Das Schild, das die zehnjährige Malou gemalt hat, soll in einer Holzanfertigung auf den Baum hinweisen.

Am Sonntagmorgen hatte der Grünen-Stadtverordnete Carl Cellarius eine Verabredung mit der Kreistagsfraktionsvorsitzenden Sylvia Klein. »Wir gehen Mittagessen«, hatte es geheißen. Von wegen! Als Klein und Flatter auf die Seewiese einliefen, traute der umtriebige Mitbegründer der Wetterauer Grünen seinen Augen kaum: Knapp 30 Personen erwarteten ihn am Rande des Seebachs. Als Kleins Kollege Michael Rückl im Herbst hörte, dass die Flatterulme zum Baum des Jahres 2019 gewählt wurde, war die Idee geboren, einen solchen Baum nach Friedberg zu holen. Jetzt war es so weit.

Es muss keinen aktuellen Anlass dafür geben, Flatter einen Baum zu pflanzen. Schließlich ist er gewissermaßen der Schutzpatron der Friedberger Bäume, setzt sich seit Jahren für deren Erhalt ein. »Ich bin der, der die Bäume rettet«, verkündete Flatter selbstironisch und fügte hinzu: »Und der dafür gehasst wird.« Nein, nicht gehasst. Aber manchmal rollen die Kollegen der anderen Fraktionen nur mit den Augen, wenn Cellarius das Thema zur Sprache bringt.

Michael Rückl hatte Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender und Bürgermeister Dirk Antkowiak (beide CDU) für die Aktion ins Boot geholt. Hollender kümmert sich um den Standort des Baums, Antkowiak gab dem Bauhof Bescheid, wo das Pflanzloch ausgehoben wird. Der frühere Sozialdezernent Helmut Betschel hatte den durchaus seltenen Baum in Miltenberg besorgt und mit dem VW Polo bei offenem Fenster auf abenteuerliche Weise hierher transportiert.

Flatter zeigte sich gerührt. Die in Auwäldern vorkommende Flatterulme wird bis zu 35 Meter hoch und ist im Gegensatz zu Feld- und Bergulme nicht vom Ulmensterben bedroht. Selbst eine 100-tägige Überflutung macht dem Baum nichts aus. Im Alter bildet er Brettwurzeln aus, wie man sie sonst nur von Urwaldriesen kennt. Das erhöht die Standfestigkeit. Eine Flatterulme wirft so schnell nichts um, eine Eigenschaft, die auch auf Flatter selbst zutrifft. Der Feuerwehrmann, Rettungssanitäter und ehemalige Mitarbeiter der Leitstelle des Wetteraukreises war vor Wochen gesundheitlich angeschlagen, hat sich aber wieder berappelt.

Antkowiak sagte, er habe vor Längerem mit Hollender die Idee geboren, an der Seewiese nach und nach »Bäume des Jahres« zu pflanzen – wie an der A 4 bei Aachen. Die Grünen und ihre Flatterulme kamen ihm gelegen: »Dann fangen wir halt von hinten an.«

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