29. Juni 2019, 06:00 Uhr

Logistikzentrum

Finale Entscheidung für Rewe

Rewe darf bauen - nach zweieinhalb Jahren Diskussion haben die Gemeindevertreter den endgültigen Beschluss zum Logistikzentrum an der A 45 bei Berstadt gefasst.
29. Juni 2019, 06:00 Uhr

Am Ende sind noch einmal alle Argumente auf den Tisch gekommen. Zweieinhalb Jahre dauert die Diskussion um den Bau eines Rewe-Logistikzentrums nun, Gegner und Befürworter sind bei ihrem jeweiligen Standpunkt geblieben. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Seiten: Die Befürworter sind den Gegnern in der Wölfersheimer Gemeindevertretung zahlenmäßig weit überlegen. Und so war es keine Überraschung, dass die Mehrheit am Donnerstag ihre Hand für die Rewe-Ansiedlung hob.

Mit dieser Entscheidung ist offiziell: Der Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan ist gefasst, die Bauleitplanung damit abgeschlossen, politisch steht dem Bau eines 110 900 Quadratmeter großen Logistikzentrums an der A 45 nichts mehr im Weg.

Lediglich die zwei Grünen-Vertreter, Dr. Franz Grolig und Michael Rückl, sowie Anke Nadalin von der FWG stimmten gegen den Plan. SPD und CDU waren geschlossen dafür.

Strafzettel vor der Halle

Die Bauarbeiten sollen noch in diesem Sommer beginnen, wie es von Rewe-Seite heißt. Zuerst sollen Kanal und Verkehrswege erschlossen werden. Für März 2020 sind Gründungs- und Tiefbauarbeiten für das Gebäude geplant.

Zwar hatten FWG und Grüne zu Beginn der Gemeindevertretersitzung den Antrag gestellt, den endgültigen Beschluss auf die Sitzung nach der Sommerpause zu vertagen, die Mehrheit lehnte jedoch ab.

Auf Aufschub hofft auch der BUND Hessen: Wie es von Dr. Werner Neumann vom Landesvorstand am Donnerstag hieß, habe man einen Eilantrag beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel eingereicht. Das Gericht entscheidet wohl kommende Woche darüber. Ziel des BUND sei eine Gerichtsentscheidung, die die Planungen zum Bau vorerst stoppt. Eine Hoffnung, die auch viele Projektgegner haben, die am Donnerstag zur Gemeindevertretung gekommen waren. Die BI »Bürger für Boden« hatte bereits für 18.30 Uhr zur Kundgebung vor der Wetterauhalle aufgerufen. Dort versammelten sich einige Projektgegner mit Plakaten (eines zum Beispiel mit einem Zitat von Oscar Wilde: »Ein Zyniker ist ein Mensch, der von allen Dingen den Preis kennt und von keinem den Wert weiß«) oder riefen im Chor: »Viel zu wertvoll für Beton!«

Notiz am Rande: Vor der Halle standen Traktoren von Veranstaltungsteilnehmern - und da diese nicht ordnungsgemäß geparkt waren, wurde angekündigt, dass es Knöllchen gibt. Die Polizei war vor Ort - und hatte, wie ein Beamter sagte, vom Wölfersheimer Ordnungsamt Anweisung, Strafzettel zu verteilen. Ansonsten, sagte der Polizist, hätte man darauf verzichtet. Um die Strafe zu bezahlen, ließen die Rewe-Gegner einen Hut herumgehen, in den auch eifrig Geld geworfen wurde.

Die meisten der Kundgebungsteilnehmer gingen im Anschluss zur Sitzung in den großen Saal der Halle - und bewiesen Geduld. Denn um 20 Uhr hatte der öffentliche Teil der Sitzung begonnen, erst nach 22 Uhr wurde Tagesordnungspunkt 6.3 aufgerufen: Rewe. Zuvor hatten die Gemeindevertreter andere Anträge besprochen (zum Beispiel den von der SPD, wonach künftig die Jugendleiter der Vereine gewürdigt werden sollen).

Gegensätzliche Schlussfolgerungen

Um kurz vor Mitternacht dann die Entscheidung für das größte Projekt, das es aktuell in der Wetterau gibt. Oder, wie Bürgermeister Eike See (SPD) sagte: Für die Ansiedlung des »zweitgrößten hessischen Arbeitgebers. Größer ist nur noch Fraport.« Sees Fazit: »Jeder Euro, der in Zukunft von Rewe an uns gezahlt wird, muss nicht von den Bürgern aufgebracht werden. Und ich nehme lieber Steuereinnahmen eines Konzerns entgegen als die von Lieschen Müller, die mit ihrer Rente auskommen muss.«

Selbes Thema, gegensätzliche Schlussfolgerung von Dr. Franz Grolig, der für die Grünen im Gemeindeparlament sitzt: »Das maßlose Rewe-Projekt nimmt keine Rücksicht auf die Grundlagen unseres Lebens.« Und, sagte er, es stehe für eine Zukunft, in der es heiße, »immer größer, schneller und mehr. Wir brauchen aber dringend eine andere Zukunft.«

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