03. Juli 2017, 18:24 Uhr

Faszination aus der Urzeit

03. Juli 2017, 18:24 Uhr
Die angehende Goldschmiedin Lara Fleißner (l.) ist ebenso vom Bernstein- und Fossilien-Fieber infiziert wie ihre Eltern. (Fotos: hau)

Über zehn Jahre haben Helmut Fleißner und seine Familie am eigenen Bernsteinmuseum gebaut. Jetzt ist es eröffnet. »Eine derart professionelle Einrichtung hätten wir nicht erwartet«, staunten die ersten Gäste. »Mit diesem perfekten Kleinodium können die großen Häuser nicht konkurrieren«, zollte Prof. Günther Fleißner seinem älteren Bruder Respekt. Er bewundere insbesondere auch das pädagogische Konzept, sagte der Biologe.

Sie seien seit 40 Jahren vom Bernstein-Virus infiziert, berichteten Helmut und Brigitte Fleißner. Auch Tochter Lara sei längst angesteckt. Während ihr Mann als Ingenieur für die ausnahmslos selbst konstruierten technischen Details verantwortlich zeichne, setzten sie und ihre Tochter die gestalterischen Akzente, erklärte die Goldschmiedin.

Im Namen der Stadt gratulierte Bad Nauheims designierter Bürgermeister Klaus Kreß zum eindrucksvollen Lebenswerk, ins Gästebuch trugen sich außerdem eine ganze Reihe Honoratioren, wissenschaftliche Wegbegleiter, Familie und Freunde ein.

Aus der Tiefe seines Wissensschatzes schöpfte Fleißner bei der Einführung in die »Faszination Bernsteinwald«, wie das Privatmuseum fortan heißt. Evolutionsgeschichte, Fundorte und Parallelen zu Fossilien stehen am Beginn des Rundgangs, außerdem Abstecher zur Grube Messel und zum berühmten Bernsteinzimmer. Mit selbst gebauten 3-D-Kameras hat Fleißner Fotos seiner Sammlung von überwältigender Tiefe angefertigt. Im Museum kann man sie durch Mikroskope oder mit 3-D-Brille am Bildschirm bewundern. Als Taucher und Unterwasserfilmer sei ihm die dritte Dimension auch für die Bernsteine wichtig gewesen, erläuterte Fleißner. Dank der eigens eingerichteten Stereo-Mikroskope könne der Betrachter regelrecht in den festen Stein »eintauchen«. Und damit in die Urzeit, sind im Privatmuseum doch ausschließlich Steine mit Einschlüssen, sogenannten Inklusen, zu sehen. Seltene pflanzliche Einschlüsse geben sich im Bernsteinmuseum ein illustres Stelldichein mit Kleinlebewesen, die im Baumharz mitunter seit über 300 Millionen Jahren konserviert sind. Die Besucher waren begeistert, studierten Schautafeln, setzten sich an die Mikroskope und entdeckten immer neue Details. »Natürlich bleibt kein Krokodil oder Dinosaurier im Harz kleben«, sagte Fleißner. Zeitgleich müssen sich die Urzeit-Relikte aber wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge in der Grube Messel und im Baltikum gebildet haben: hier die größeren Lebewesen als Versteinerungen, dort die kleinen Fossilien im Bernstein. Informationen gibt es unter www.bernstein-museum-fleissner.de

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