Wetterau

Fasane flitzen in die Flur

Vorsichtig setzt der Geiß-Niddaer Jagdpächter André Lehmer den Holzkasten auf den Boden und öffnet ein Schiebetürchen. Es erscheint ein Köpfchen, dann noch eins – und plötzlich flitzen fünf Jungfasane in die Deckung eines Grabens. Lehmer ist zufrieden: Jüngst hat er 60 Fasanenhennen und 40 -gockel in die Freiheit entlassen. Nicht um sie zu erlegen, sondern um den Lebensraum Feldflur zu bereichern und zur Vielfalt und Arterhaltung beizutragen.
22. November 2017, 20:11 Uhr
Redaktion
Fasane in Freiheit: Nachdem eine Maschine die Eier ausgebrütet hat, kommen die Küken in eine Aufzuchtbox. Sobald sie flugfähig sind, dürfen die Tiere die Voliere verlassen: André Lehmer entlässt sie in die Geiß-Niddaer Feldflur. (Foto: pv)

Vorsichtig setzt der Geiß-Niddaer Jagdpächter André Lehmer den Holzkasten auf den Boden und öffnet ein Schiebetürchen. Es erscheint ein Köpfchen, dann noch eins – und plötzlich flitzen fünf Jungfasane in die Deckung eines Grabens. Lehmer ist zufrieden: Jüngst hat er 60 Fasanenhennen und 40 -gockel in die Freiheit entlassen. Nicht um sie zu erlegen, sondern um den Lebensraum Feldflur zu bereichern und zur Vielfalt und Arterhaltung beizutragen.

Der Weg dahin war weit, arbeitsintensiv und kostspielig. Anfangs suchten der 1. und 2. Vorsitzende des Jagdvereins Hubertus Büdingen, Andreas Mohr und André Lehmer, nach einer Möglichkeit, den ausgemähten, das heißt verlassenen Gelegen von Rebhuhn und Fasan eine Überlebenschance zu geben. Durch Zufall konnte Lehmer ein Zuchtgebäude mit Voliere mieten. Damit war die Wildgeflügel-Aufzuchtstation geboren.

Ein Herz auch für Hase und Biene

Die Station unterstützt die Arterhaltung von Bodenbrütern im Revier Geiß-Nidda. Lehmer und Mitpächter Armin Lind setzen sich bereits mit eigenen Wildäckern für bedrohte Offenlandarten wie Feldhase, Rebhuhn und Fasan ein. Blühflächen als Bienenweide werden jedes Jahr mithilfe der Geiß-Niddaer Landwirte und der Jagdgenossenschaft bestellt und der Raubwildbejagung große Beachtung geschenkt.

Im Sommer mietete Lehmer in der Niddaer Geflügelzuchtanlage ein freies Zuchtgebäude mit Außenvoliere und renovierte es auf eigene Kosten. Dann wurden von vier Fasanenstämmen die Eier gesammelt und in einer Brutmaschine ausgebrütet. Den zarten Küken sicherte eine Aufzuchtbox mit Wärmelampe das Überleben. Nach 14 Tagen kamen die kleinen Fasane in einen größeren, beheizten Stall, nach weiteren sechs Wochen in die neue Wildgeflügel-Aufzuchtstation. Dort blieben sie bis zur Flugfähigkeit und wurden dann über eine Auswilderungsvoliere endgültig in die Freiheit entlassen.

Lehmer konnte aber nicht nur die Fasane in neue Lebensräume bringen: Aus einem ausgemähten Entengelege rettete er drei Eier und zog die kleinen Enten groß. Mit mehr Praxiswissen ausgestattet, gilt im nächsten Jahr das Bestreben besonders den bedrohten Rebhühnern. Paarhühner aus der Wetterau sollen eingefangen werden, um die Gelege der bedrohten Feldart zu schützen und die Küken sicher aufzuziehen.

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