10. November 2018, 18:00 Uhr

Fantasia-Aus

Fantasia-Aus: Unrühmliches Ende hinter den Kulissen

Das Aus für das Fantasia-Filmtheater sorgt weiter für Gesprächsstoff. Bei der Geschäftsführerin hinterlässt das plötzliche Ende einen faden Beigeschmack. Die Hintergründe.
10. November 2018, 18:00 Uhr
Kein Kino mehr in Bad Nauheim. Die Besitzerin der Immobilie sucht laut ihrem Anwalt nach einem neuen Betreiber. (Foto: esa)

Die Türen des Fantasia-Filmtheaters sind seit Anfang des Monats geschlossen. Wie die WZ berichtete, waren Mietrückstände der Grund, dass der Mietvertrag für die Immobilie in der Kurstraße auslief und Geschäftsführerin Beatrix Lachner den Kinobetrieb einstellen musste. Ihre Ausführungen zum Zustandekommen der Rückstände werfen allerdings neue Fragen auf. Im Zentrum: Vermieterin Charlotte Borghi.


Knackpunkt im Vertrag

Der Reihe nach: Als vor fünf Jahren das Fantasia renoviert werden sollte, stellte Lachner einen Antrag auf Filmfördergelder, um davon die Tontechnik und den Projektor anzuschaffen. Doch dafür benötigte sie als Nachweis einen gültigen Mietvertrag, den sie am 19. April für die Räumlichkeiten in der Kurstraße unterschrieb. Der Knackpunkt: Im Vertrag steht eine Klausel, dass am Ende des Mietverhältnisses die vom Mieter vorgenommenen Installationen, Einbauten, Einrichtungen und Ausstattungen entschädigungslos vom Vermieter übernommen werden. Diese Klausel begründete Borghis Anwalt Michael Georg auf WZ-Nachfrage damit, dass ein möglicher Nachfolger »ein betriebsbereites Kino« vorfinden kann.

 

Geschichte mit zwei Versionen

Dass dies so ist, liegt zum Großteil aber an den Renovierungen Lachners. Auch deshalb hinterlasse die Kündigung einen faden Beigeschmack, wie sie sagt. Nach ihren Angaben hat der marode Zustand des Hauses dazu geführt, dass die Renovierungen statt wie geplant drei Monate über eineinhalb Jahre dauerten. Ihr Vorwurf: »Seitdem wir dort vor 25 Jahren das Kino aufgemacht haben, hat die Vermieterin nichts für Renovierungen getan.«

Während Einnahmen aus dem Betrieb länger als geplant ausgeblieben seien, habe man einen hohen fünfstelligen Betrag investiert, um im Kino so schnell wie möglich wieder Filme zu zeigen. Viele Mängel an Decken, Wänden und am Boden habe man erst während der Arbeiten entdeckt. Vermieterin Borghi habe sich aber an Modernisierungen nicht beteiligen wollen. Stattdessen habe sie während der Renovierungen ständig neue Forderungen gestellt, behauptet die Geschäftsfrau. Nach der Fertigstellung habe man nichts mehr von ihr gehört. »Jetzt, wo alles bestens ist, werden wir rausgeschmissen«, sagt Lachner.

 

Optionsrecht verstrichen

Die Version des Anwalts von Borghi klingt anders. »Dass sich die Modernisierung des Kinos so lange hinzog, hatte wohl auch mit schlechter Organisation, der Auswahl nicht sonderlich qualifizierter Arbeiter und mangelhafter Bauaufsicht zu tun.« In einem Rechtsstreit vor dem Landgericht Gießen sei festgestellt worden, dass die Renovierungen in einem Drittel der benötigten Zeit hätten fertiggestellt werden können. Der finanzielle Beitrag Borghis an den Renovierungen habe darin bestanden, »dass sie sich mit einem Mietzins begnügt hat, den man in Bad Nauheim vermutlich für eine Dreizimmerwohnung aufbringen muss«, so ihr Anwalt.

Zudem habe Lachner der Vermieterin finanziell »so manches zugemutet, was ein weniger toleranter Vermieter zum Anlass für eine fristlose Kündigung genommen hätte«, schreibt Georg. Außerdem habe Lachner das Optionsrecht auf weitere fünf Jahre im November 2017 verstreichen lassen.


Kein nahtloser Übergang

Diesen Punkt kreidet sich Lachner selbst auch an. Dass es keine Erinnerung von Georg gab, bestätige sie aber in der Annahme, nicht mehr erwünscht gewesen zu sein. »Eine solche Frist hatte es vorher nie gegeben«, sagt sie. »Außerdem: Warum sollten wir noch im Frühjahr Lüftungs- und Heizungsanlage erneuern, wenn wir wenig später aus dem Gebäude hätten ausziehen wollen?«. So aber lief der Vertrag am 30. April aus, trotzdem wurde das Kino weiterbetrieben.

In Absprache, um einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten, wie Lachner sagt. Anwalt Georg hatte jedoch am 2. Mai eine Räumungsklage erwirkt, am 11. September wurde die Urteilsvollstreckung eingeleitet, weil Lachner dem Urteil nicht nachkam. »Zahlungen dafür, dass sie das Kino über die Vertragsbeendigung hinaus noch weiterbetrieben hat, hat sie keine entrichtet«, schreibt er. Lachner sagt, ihr sei es nur darum gegangen, das Kino nicht schließen zu müssen, bis ein neuer Betreiber gefunden ist.

Aussage gegen Aussage auch beim dritten Streitpunkt. Dieter Lachner habe am Tag nach der Schließung die Kasse, Lebensmittel und persönliche Gegenstände aus den Räumlichkeiten holen wollen, sei daran aber gehindert worden. Schließlich habe seine Frau Beatrix Lachner den Schlüssel von der Polizei abgenommen bekommen. Georg hält dagegen, dass Lachner zum Termin der Räumungszwangsvollstreckung am 2. November nicht aufgetaucht sei. Er bietet an: »Würde Frau Lachner sich bei uns melden, würden wir sicher eine Lösung finden.«

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