14. Februar 2018, 20:11 Uhr

Exklusive Baustellenführung

14. Februar 2018, 20:11 Uhr
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Aus der Redaktion
Im neuen Quartier zwischen Dom und Römer haben sich die Mitglieder des Friedberger Geschichtsvereins umgesehen und viel Wissenswertes erfahren. (Foto: pv)

In den historischen Stadtkern Frankfurts führte die Fahrt des Geschichtsvereins. Organisiert von Lothar Kreuzer, lernte man den Neubau und die Neuausrichtung des Historischen Museums kennen und wurde in die Konzeption der Rekonstruktionen und Neubauten des Altstadtareals zwischen Dom und Römer entlang des ehemaligen Krönungswegs, am Hühnermarkt und in den Seitengassen Richtung Braubachstraße eingewiesen.

In den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs versank die ehemals größte Altstadt Deutschlands in Trümmern. Seit Kriegsende wurde die Diskussion über einen Wiederaufbau geführt; Anfang der 70er Jahre baute man in Sichtbeton, das Technische Rathaus und das Historische Museum.

Nach vielen Architektenwettbewerben entschloss man sich zu deren Abriss und den nun entstandenen Nach- und Neubauten. Stadtführer Setzepfandt führte fundiert und unterhaltsam vom alten Messequartier des Hauses Rebstock mit seiner typischen hohen Vorhalle und den Arkadengängen vor den Zimmern in den oberen Etagen zum Goldenen Lämmchen, zur Rekonstruktion einer ganzen Häuserzeile, zum Nürnberger Hof, der sich einst bis zur Berliner Straße erstreckte, vorbei am Roten Haus der Metzger, der Geburtsstätte der Frankfurter Würstchen, an den Hühnermarkt, wo Friedrich Stoltzes Denkmal wieder seinen angestammten Platz eingenommen hat, zum Haus Paradies, das als Neubau mit seiner gefalteten Fassade und teurer altdeutscher Schindeldeckung sich dem rekonstruierten Platzensemble gut anpasst. Schluss- und Höhepunkt war vor der Goldenen Waage, die sich der Zuckerbäcker und Gewürzhändler Abraham von Hamel, ein holländischer Glaubensflüchtling, direkt vor dem Dom als prachtvolle Residenz mit »Belvedersche« hat errichten lassen.

Setzepfandt verdeutlichte auf der exklusiven Baustellenführung das Zusammenspiel rekonstruierter Fassaden mit moderner Bautechnik im Innenbereich, die Zugeständnisse an die heutigen Bauvorschriften und die Beschränkungen des Projekts durch U-Bahn-Schacht, Tiefgarage und Nachbarbauten wie die Schirn. Hier ist am ehemaligen sozialen Brennpunkt ein Stück Frankfurt des 21. Jahrhunderts entstanden.

Mausefalle als Gefängnis

In einer auf die Highlights konzentrierten Museumsführung wurde der neue Ausstellungsbereich des Historischen Museums erschlossen. Acht bekannte, prächtige oder ungewöhnliche Exponate standen für die themenorientierte Präsentation der Abteilungen »Frankfurt einst? und Frankfurt jetzt!«. Insgesamt 4000 für die Stadtgeschichte wesentliche Exponate bietet das Museum auf vier Ebenen an. Der Gang von der Schneekugel, in der mithilfe eines Roboters acht Künstlermodelle die Klischees der Stadt wie »ewige Baustelle« thematisieren und die auf Augenhöhe gehoben werden, bis zum raumfüllenden Modell der Stadt, das mit passenden Alltagsgegenständen hergestellt wurde (zum Beispiel einer Mausefalle für ein Gefängnis, einer Antenne für den Fernsehturm) regte an, die architektonisch vielfältigen Präsentationen jenseits der Frankfurter Küche oder dem riesigen Adler- Automobil der Weimarer Zeit zu studieren.



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