30. November 2018, 20:08 Uhr

Es sind Lieder fast ohne Worte

30. November 2018, 20:08 Uhr
Sopranistin Kristina Schaum, eingerahmt vom Vorsitzenden des Fördervereins Burgkirche, Volker Hoffmann, der den Part am Flügel innehatte, und Markus Klöfer. (Foto: pv)

Der Förderverein der Burgkirche in Nieder-Rosbach hatte zum dritten Mal zur Benefizveranstaltung eingeladen. Man startete traditionell mit einer Arie von Georg Friedrich Händel über ein biblisches Idyll (»Er weidet seine Herde…«), wobei der Vorsitzende des Vereins, Volker Hoffmann, jedes Stück mit einem launigen Kommentar versah. Kristina Schaum, aus Friedberg stammende Sopranistin, gelang es von Anfang an, die Besucher in ihren Bann zu ziehen. So auch in der Arie von Mozart (»Ich weiß nicht was ich tue« aus dem Figaro), deren Vortrag Donald Trump gewidmet wurde. Es folgten reizvolle Belcanto-Arien von Bellini, Donizetti und Rossini, die alle von Schaum meisterhaft vorgetragen wurden.

Den Schlusspunkt des ersten Teils bildete jedoch eine zeitgenössische Vertonung. Rudolf Halaczinsky (1920–1999) hat etwa um 1950 Gedichte von Hermann Hesse vertont, und sein Sohn Lothar ließ es sich nicht nehmen, das künstlerische Werk seines Vaters vorzustellen. Entsprechend gespannt war man auf das Lied des Königskinds (»Wenn alle Nachbarn schlafen gehn«) im Stil der Spätromantik. Trotz schwierigen melodischen Wandlungen ließ sich die Zuhörerschaft von den harmonischen Spannungen gefangen nehmen.

Im zweiten Teil standen Lieder von Schubert aus der »Schönen Müllerin« an. Die Musiker hatten dem Wanderlied aus Anlass der Beendigung der Straßenrenovierung eine Strophe hinzugefügt: »Das Stolpern war am Errlich Lust…«. Da die Dreigroschenoper vor 90 Jahren aufgeführt wurde, hörte man natürlich auch Mackie Messer und den Kanonensong, um schließlich über irische Lieder zu einem überraschenden Abschluss zu kommen: Auch Felix-Eberhard von Cube (1903–1988), ein Verwandter der Gastgeberfamlie, hat komponiert. Ein Abschnitt aus der Klaviersonate e-Moll (1952), stilistisch etwa vergleichbar mit den Liedern ohne Worte von Mendelssohn Bartholdy wurde kurzerhand mit einem lateinischen Text versehen und singbar gemacht. Die Auflösung erfolgte nachträglich. Es handelt sich um die Tierhalterhaftung nach römischem Recht, eine Anspielung an eine Arie von Mozart (»Titus«) und die späteren Glossatoren (die Figur des Bartolo kommt in der Commedia del’Arte häufig vor, so auch beim Figaro). Den Schlusspunkt setzte als Gast Markus Klöfer mit einem seidenweich auf der Klarinette gespielten »Petite Fleur«, bevor als allerletzte Zugabe ein irisches Liebeslied erklang.

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