18. Juni 2017, 20:26 Uhr

»Es sei denn, du bist Privatpatient«

18. Juni 2017, 20:26 Uhr

Dieses Problem kriegt die Gesundheitspolitik einfach nicht in den Griff: Wer einen Facharzttermin will, wartet Wochen, mitunter sogar Monate. Am Mittwoch berichtete die WZ über den Fall eines Mannes, der wegen des guten ärztlichen Angebots von Frankfurt nach Bad Nauheim zog – und trotzdem abgewiesen wurde. Wie schnell bekommt man einen Arzttermin? Das hat die WZ die Nutzer ihrer Facebook-Seite gefragt. Die Antworten lassen aufhorchen. Und das Hochwaldkrankenhaus wird mal wieder recht kontrovers bewertet.

Zwischen zwei und zehn Wochen müsse man auf einen Arzttermin warten, schreibt Bärbel Steinacker. »Wer einen Lymphologen benötigt, hat schlichtweg Pech. Wartezeit sechs bis acht Monate. Ich habe es aufgegeben, zumal die Praxis in Friedberg chaotisch ist, um’s milde auszudrücken.«

»Dermatologe ist bei uns im Taunus auch nicht besser«, schreibt Claudi Wenzel. »Beim ersten zwar schnell Termin bekommen, aber nur kurze Sichtprüfung und Salbe, Massenabfertigung. « Yasmine Schlappinger meint, die ärztliche Versorgung sei »generell massiv schlechter geworden«. Auf Termine bei Fachärzten warte man mindestens sechs Wochen, nachmittags oder nach 17 Uhr bekomme man »fast nirgends mehr Termine«: »Grundsätzlich haben Fachärzte nur noch ca. 15 Stunden pro Woche Sprechzeiten für Patienten. Hier muss sich etwas ändern.«

»Anfang April bin ich gestürzt, bis heute (Mitte Juni) ist es mir nicht gelungen, in Bad Nauheim einen Arzttermin bei einem Orthopäden zu erhalten«, berichtet Ille Kray. »Die Argumente: Neue Patienten werden nicht angenommen. Oder Termin vielleicht im Oktober. Das hilft mir bei meinen momentanen Schmerzen überhaupt nicht weiter.«

Gerhard Radgen würde von der Kassenärztlichen Vereinigung »gerne mal wissen, wo die vielen Ärzte sind. Bei Wartezeiten von drei Monaten beim Orthopäden oder Augenarzt bleibt einem nur, die Zähne zusammenzubeißen oder davon zu träumen, den Verantwortlichen ähnliche Schmerzen zuzufügen. Bei dem angeblich bestehenden Ärzteüberangebot müsste doch ein Termin innerhalb von 14 Tagen möglich sein.«

Ein Thema, das bei solchen Fragen immer aufkommt, ist die Patientenversorgung in Krankenhäusern. Da hat jeder so seine Erfahrungen. Thomas Borkert etwa kritisiert, dass Bürgermeister Armin Häuser im WZ-Bericht das Hochwaldkrankenhaus lobt. »War er da schon mal? Da wird im Notfall alles verharmlost und außer geröntgt, passiert nicht viel. Beim Orthopäden bekam ich keinen Termin. Das Essen ist beschissen. Die Ärzte auf Stadion wechseln jeden Tag. Das ist Chaos pur.« Cindy Gerhards berichtet, sie habe in der Notaufnahme (»unter aller Kanone«) mit ihrer fünfjährigen Tochter, die starke Ohrenschmerzen hatte, über zwei Stunden warten müssen.

3-Sterne-Essen im Krankenhaus?

Ist dies das übliche »Meckern« und »Pauschalisieren«, wie Katason Hackason kritisch anmerkt? Nanni Stengl meint: »Wir sollten alle froh sein, Ärzte zu haben. Wenn wir dringend einen brauchen, ist er auch da. Wir sind verwöhnt in unseren Ansprüchen, und Meckern über Essen geht gar nicht. Die paar Tage kann man doch aushalten.«

Stefanie Be (»Mir wurde super geholfen«) und Ulrike Stelz (»Ich kann nur ein großes Lob aussprechen und Danke sagen, sonst wäre mein Mann heute schwerstbehindert oder sogar nicht mehr am Leben«) und Karl-Heinz Keith aus Bad Homburg nehmen das Hochwaldkrankenhaus in Schutz. Keith schreibt: »Mir hat vor ein paar Jahren Dr. Aschmoneit im Hochwald-Krankenhaus das Leben gerettet, ich wär sonst innerlich verblutet. Kam um 19 Uhr ins Hochwald und wurde noch am Abend operiert.« Und Bärbel Steinacker fügt hinzu, im Krankenhaus dürfe man kein 3-Sterne-Essen erwarten. Zurück zum Thema Termine beim Facharzt. Im Grunde g enommen, klärt Jörg Albert auf, ist es doch ganz einfach: »Termine mit Wartezeiten bis zu einem halben Jahr ist nichts Neues, es sei denn, du bist Privatpatient.«

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