03. Dezember 2018, 20:26 Uhr

»Es Kränzi brennt schon widder!«

03. Dezember 2018, 20:26 Uhr
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Von Harald Schuchardt
Den Abend gestalten (v. l.) Harald Schuchardt, Martin Schnur und dessen Ehefrau Rosi sowie Katja van Zoest. (Foto: lod)

Eigentlich wollte Petra Schwarzhaupt zusammen mit Singer-Songwriter Martin Schnur am Freitagabend in der Kulturscheune der Apfelweinstraußwirtschaft »Zum Gerippte« auftreten und vorweihnachtliche Geschichten aus ihrem Buch »E schie Weihnoachte« vorlesen – so wie im Vorjahr.

Doch es kam anders. Eine Erkrankung hinderte sie daran, doch die seit Wochen ausverkaufte vorweihnachtliche Veranstaltung »Advent, Advent, es Kränzi brennt schon widder!« fand trotzdem statt. WZ-Mitarbeiter Harald Schuchardt war eingesprungen und las drei der Geschichten aus der Kinderzeit der gebürtigen Ober-Wöllstädterin, die heute in Ockstadt lebt.

Das Besondere an den Kindheitserinnerungen im katholischen Dorf Ober-Wöllstadt sind die Passagen im »Owwer-Wöllschter Platt«, das heute so kaum noch gesprochen wird. Harald Schuchardt hatte tagelang geübt, auch zusammen mit der Autorin.

Das zahlte sich aus: Fast fehlerlos meisterte er die Passagen in Platt, wie in der Geschichte »Das Niggelesi kommt«, in der Schwarzhaupt erzählt, wie sie sich wundert, dass der Nikolaus die gleiche Brille aufhatte, wie ihr Petter Klaus.

Der war Inhaber einer Bäckerei und hatte zum Nikolauskaffee »Mirwes aus em Loare mitgebroacht.« Mirwes waren Hefestückchen, wie Schuchardt erläuterte. Immer wieder wurde gelacht, so auch bei der Weihnachtsbäckerei, bei der die kleine Petra viel naschte und dank flüssiger Schokolade im Gesicht »baal aussieht wie es Sarotti-Muhrsche«, so die Mutter.

Ein trauriges Ende hatte die Geschichte vom »Hoophund Troll«, dem besten Freund Petras, der im Frühjahr friedlich »eigeschloafe woar«. Mitgebracht hatte Schuchardt die lustige Geschichte »D’s Christkindche in de Eisebahn oder Was man in Zügen so alles erlebt«.

Diese stammt aus der Feder des Friedberger Mundartdichters Erich Stümpfig, der 1981 »Mein Friedberger Weihnachtsbuch« herausgebracht hatte. Zwischen den Lesungen unterhielt Singer-/Songwriter Martin Schnur die Besucher mit Auszügen aus seinem »knallharten Weihnachtsprogramm« aber auch einigen seiner bekannten Lieder, wie »Der Keltenfürst« oder »Oawens uff’m Dorf«.

Musik mit Eigenbau

Die Besucher machten begeistert mit, sangen manche Lieder sogar zweistimmig, dirigiert von Schnur, der neben der Gitarre auch einen seiner Eigenbauten, einem Mix aus Kazoo, Kinderklavier, zweisaitiger Gitarre und Tambourine mitgebracht hatte.

Zwei kurze selbst verfasste Weihnachtsgedichte trug Schnur selbst vor, seine vor 20 Jahren geschriebene und immer noch aktuelle Geschichte vom »Weihnachtsmann im Krankenhaus« las Schnurs Ehefrau Rosi vor.

Mit dabei war auch Katja van Zoest, die in diesem Jahr die Zeichnungen zu ihrer Geschichte »Was macht die Mück‹ im Äbbelwoi« in der Gerippte-Scheune ausstellte. Die Ockstädterin trug die Geschichte in Versform gekonnt vor, unterstützt von einer Power-Point-Show. Am Ende des zweistündigen Programms gab es langen Beifall der Zuschauer für alle vier Akteure des etwas anderen vorweihnachtlichen Abends.



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