10. März 2018, 06:00 Uhr

Sanden-Konzern

Erweiterungsbau weiter nicht in Sicht

Bad Nauheim hat kaum freie Gewerbeflächen, doch am Taubenbaum wuchert auf einem Filetgrundstück seit Jahren der Wildwuchs. Grund: Die Firma Sanden verschiebt ihren Neubau immer wieder.
10. März 2018, 06:00 Uhr
Firmenparkplatz statt Neubau: Die Firma Sanden (im Hintergrund) kündigt seit 2006 eine Erweiterung an, doch bis heute ist davon nichts zu sehen. (Foto: Nici Merz)

Für die Politiker ist die Sache klar: Das vor 18 Jahren gegründete europäische Technologiezentrum der Firma Sanden soll auf jeden Fall in Bad Nauheim gehalten werden. Dafür sind die Verantwortlichen im Rathaus offenbar bereit, manche Kröte zu schlucken. 2006 wollte das Unternehmen auf der 4400 Quadratmeter großen Gewerbeparzelle an der Ecke Am Taubenbaum/Hohe Straße – direkt gegenüber dem Sanden-Standort – ein neues Gebäude für 150 Mitarbeiter errichten. Die Stadt verkaufte das Gelände an den Konzern, bis 2009 tat sich aber nichts.

Obwohl der Magistrat zu diesem Zeitpunkt ein Rückkaufsrecht hätte geltend machen können, wurde stillgehalten. Vier Jahre später erklärte Sanden plötzlich, kein Interesse mehr an dem Grundstück zu haben. Die Stadt wurde erneut Eigentümer, um im September 2015 wieder an Sanden zu veräußern. »Diesmal wollen sie wirklich investieren«, machte der damalige Bürgermeister Armin Häuser auf Optimismus. Doch bis heute sind auf dem Areal keinerlei Bauaktivitäten auszumachen, stattdessen wuchern Büsche vor sich hin, ein kleiner Teil der Fläche wird als Firmenparkplatz genutzt.

Wirtschaftskrise längt Geschichte

»2006 hatten wir die Zusage der Firmenzentrale für den Erweiterungsbau, dann kam die Krise«, blickt Edwin Koller, Direktor für Personal und Verwaltung bei Sanden, zurück. Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten wirkten sich auch auf die Absatzzahlen von Pkw aus. Die japanische Mutter verzichtete auf das Investitionsprojekt im 9000 Kilometer entfernten Bad Nauheim.

Die Wirtschaftskrise ist längst Geschichte, heute, so Koller, boome der Autoabsatz. »Trotzdem sind die Verkaufszahlen aus den Jahren vor 2008 noch nicht wieder erreicht«, sagt Koller. Das Unternehmen entwickelt und verkauft Kompressoren und Pkw-Klimaanlagen, ist somit von der Entwicklung in dieser Kfz-Branche abhängig.

Mehr Mitarbeiter, aber nicht mehr Platz

Die Sanden-Chefetage in Bad Nauheim hält die Erweiterung nach wie vor für notwendig, möchte auf dem gegenüberliegenden Grundstück Raum für mehr Büros und Testeinrichtungen schaffen. Nach Angaben des Direktors wird weiter Personal aufgebaut, deshalb werde mehr Platz gebraucht.

Wurde die Mitarbeiterzahl im Herbst 2015 noch mit 90 angegeben, sind es heute 110. Hinzukommen freie Mitarbeiter, die an bestimmten Projekten mitwirken. Koller: »Wir haben unseren Antrag in der Konzernzentrale erneuert und warten auf das Okay. Wann die Entscheidung fällt, kann ich nicht sagen.«

Stadt wartet bis Ende 2019

Bürgermeister Klaus Kreß betont die Bedeutung der Firma für die Kurstadt. Schließlich handele es sich bei den Beschäftigten in erster Linie um hoch qualifizierte Ingenieure. »Die Bad Nauheimer Firmenleitung hält die Erweiterung für erforderlich, aber die Verantwortlichen in Japan schieben die Entscheidung immer wieder raus.« Der Vertrag von 2015 enthalte ebenfalls ein Rückkaufsrecht für die Stadt, falls das Grundstück nicht bebaut werde. An anderen Interessenten mangele es nicht, zumal die Lage der Gewerbefläche ideal sei.

Nach Auskunft des Bürgermeisters nutzt das Unternehmen einen Teil des Grundstücks seit einiger Zeit als Parkplatz. »Ende kommenden Jahres läuft die Genehmigung dafür aus. Bis dahin warten wir ab, dann wird neu beraten«, kündigte Kreß an.

 

Infokasten

Streit um Grundstück

Zu einem öffentlich ausgetragenen Streit wegen des Grundstücks im Gewerbegebiet Am Taubenbaum kam es 2013. Damals wollte das Unternehmen Sanden seine Erweiterungspläne endgültig aufgeben und das Areal an die Bad Nauheimer Firma Quadro verkaufen. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung kündigte zunächst an, man werde auf das Rückkaufsrecht verzichten. Doch der Magistrat entschied anders, Quadro konnte seinen neuen Firmensitz nicht auf dem Gelände errichten. Die Eigentümerfamilie Langstrof war stinksauer auf den damaligen Bürgermeister Armin Häuser. Die Bauunternehmer gehörten zu den schärfsten Kritikern der städtischen Fachmarktpläne für das Stoll-Gelände, wollten dort selbst einen Mix aus Wohnen und Gewerbe realisieren. Deshalb schnappten die Langstrofs der Stadt das Kissel-Gelände vor der Nase weg, das direkt neben dem Stoll-Areal liegt. Hinter dem Beschluss des Magistrats, sein Rückkaufsrecht für das Grundstück Am Taubenbaum doch zu nutzen, vermutete Quadro deshalb eine Retourkutsche von Häuser. 2015 ging das begehrte Grundstück schließlich wieder in den Besitz von Sanden über. (bk)

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