27. Mai 2019, 19:03 Uhr

Erstes Bürgerhaus weit und breit

27. Mai 2019, 19:03 Uhr
Großer Zuspruch, nicht nur von Stammheimern, ist dem Rundgang des AK Dorfgeschichte beschert, den Rolf Lutz (r.) bei Bettina Arias (2. v. r.) im Schlossgarten beginnt. (Foto: sl)

»Es ist wunderbar, dass wir eine Gruppe haben, die uns so nachhaltig, unterhaltend und lehrreich die Geschichte unseres Dorfes vermittelt.« Dieses Lob äußerte Ortsvorsteher Horst Schmidt am Samstag beim Rundgang »Vom Schloss zum aale Linnebaum«. Tatsächlich hatte der Arbeitskreis Dorfgeschichte mit Rolf Lutz und Christina Hofmann an der Spitze aufwendig recherchiert, ehe die Tour am Schloss mit einem Sektempfang begann.

Bis ins Detail wurde die Geschichte des Stammheimer Schlosses in alten Bildern und Urkunden vorgestellt, wonach das adlige Ehepaar Rosenbach und Karsbach im Jahr 1590 aus der ursprünglichen Burg ein stattliches Wasserschloss baute und bewohnte. Die beiden hatten 14 Kinder; die Mädchen wurden verheiratet oder kamen ins nahe gelegene Kloster in Ilbenstadt, die Jungen brachten es zu angesehenen Beamten. Einer wurde sogar zum Bischof von Würzburg gewählt.

Ein junger und ein alter »Linnebaum«

Ende des 18. Jahrhunderts übernahmen die Grafen von Schlitz die Regentschaft. Interessante Neuigkeit der Recherche: Der Graf von Schlitz hielt ständigen Kontakt mit seinem Pächter Tobias Thaler III. und erlaubte ihm etwa, erforderliche Reparaturen durchzuführen. In der Nähe des Schlosses wurde auch eine Mühle gebaut, die für Ärger mit dem Müller aus Staden sorgte. 1850 verkaufte der Graf zu Schlitz die gesamte Immobilie an die Gemeinde Stammheim, welche die Äcker an arme Bauern verkaufte oder verpachtete. Das Hauptgebäude selbst erfüllte soziale Aufgaben. Lutz: »Es war wohl das erste Bürgerhaus weit und breit, in dem unterrichtet wurde, wo der Gemeinderat tagte und in dem die Vereine eine Heimat fanden.«

Über die Schlossstraße, vorbei am ehrwürdigen »Zwirrleinshaus«, in dem heute die Schule untergebracht ist, ging es zur 1750 erbauten Saalkirche. Hier spielte Ruth Jüngling die Orgel, ebenfalls aus dem Jahr 1750, die fast originalgetreu erhalten geblieben ist, genau wie die Glocken im Glockenturm.

Weiterer Schwerpunkt war der frühere »Ruhlmannshof«, der 1890 von der Gemeinde gekauft worden war und unter den Familien Schenk und Carl aufgeteilt wurde. In einem der Wohngebäude richteten im März 1945 die Amerikaner ihr Hauptquartier ein, um die letzten Kriegshandlungen gegen die 6. SS Gebirgsjägerdivision zu leiten. Die Teilnehmer lernten auch »Kurtis Hof« kennen und konnten das einst von einem jüdischen Mitbürger bewohnte Haus bewundern.

An der Ecke zur Lindenstraße wurden die Teilnehmer von Anwohnern empfangen, die zur Erinnerung an den alten »Linnebaum« einen jungen Baum in einem Kübel aufgestellt hatten. Eine Flurkarte von 1844 löste das Rätsel, wo der Baum früher gestanden haben könnte. Detailliert wurden den Teilnehmern die Häuser in der Lindenstraße präsentiert, die nach und nach in den Jahren 1844 bis 1890 entstanden waren. Staunen konnte man dabei über die Tatsache, dass Bausteine aus dem Schloss (Abriss der Stallgebäude nach 1850) Verwendung fanden.

Am Ende bewunderten die Teilnehmer ein Aquarell von Helmut Amler: Er hat den nunmehr verrohrten »Gründelbach«, ein Gewässer, das vom Golfplatz bis zur Niddamündung bei Staden verläuft, nach einer Bildvorlage als einst offen fließenden Bach in der »Schepp-Allee« künstlerisch dargestellt.

Beim abschließenden Treffen galt es, die vorgetragenen Geschichten zu vertiefen und die gezeigten großformatigen Bilder zu erläutern. Zudem war Gelegenheit, den in Arbeit befindlichen Fotoband von Stammheim anzuschauen - hierfür liegen dem Arbeitskreis über 2000 Bilder zur Auswahl vor.

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