13. September 2019, 20:32 Uhr

Ernst Jünger und andere merkwürdige Geschichten

13. September 2019, 20:32 Uhr
Rainer Hackel

Rainer Hackels neues Buch »Mein Besuch bei Ernst Jünger und andere merkwürdige Geschichten« ist eigentlich ein Buch über Bad Nauheim. Und jeder Bad Nauheimer, dem die Ernst-Ludwig-Schule, der Bad Nauheimer Jugendstil und die Bücherstube etwas sagen, wird in dem Buch etwas finde, das sich zu lesen lohnt.

Vor allem in der Geschichte über seinen Besuch bei dem Jahrhundertschriftsteller Ernst Jünger kommt Hackel genussvoll auch auf seine Schulzeit an der ELS zu sprechen, wo ihn der Unterricht »kolossal« gelangweilt habe: »In Mathe verstand ich keine Gleichung und keine Textaufgabe. Ich war geradezu verstört, als wir die Arbeiten zurückbekamen: Ich hatte aber immer eine Zwei!« Angesichts von Lehrern, die »fast eine ganze Stunde« brauchten, »um einen vollständigen Satz zustande zu bringen«, und von Mitschülern, die der »Null-Bock-Generation« angehörten, probt der Zwanzigjährige den Aufstand, beginnt, Ernst Jünger zu lesen und entschließt sich kurzerhand, den 90-jährigen Autor in Wilflingen zu besuchen. Wer wissen will, was Hackel bei Jünger erlebt, der lese die Geschichte in seinem neuen Buch.

Bewegend auch Hackels Erinnerung an den Bad Nauheimer Privatgelehrten und Menschenfreund Philipp Rippel, mit dem er lange Jahre befreundet war. Unermüdlich nahm sich Rippel der Belange der Kurstadt an und schrieb einen ebenso anschaulichen wie instruktiven Führer durch die Jugendstil-Anlagen, der noch heute viele Leser findet.

Hackels Buch gleicht einem Gang durch eine Galerie berühmter Namen. Er weiß noch von seinen Begegnungen mit dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki und mit dem Schriftsteller Martin Mosebach zu berichten. Hackel stellt sich dem berühmten Kritiker eines Tages mit seinem Wagen in den Weg, so bildet seine Geschichte »Martin Mosebach und der Offenbacher« ein erzählerisches Glanzstück. Nach einem umtriebigen Leben als Manager, das ihn auch nach Ghana verschlug, wo er schließlich - »Strandgut des untergegangenen Abendlandes« - mit anderen Gescheiterten am Strand saß, war er zusammengebrochen: »Jetzt saß er versonnen vor seiner Staffelei und malte Bilder voller Schwärze und Zynismus.« Ob und wie Mosebach den Auftritt des Offenbachers überlebt, das lese jeder selbst in Hackels Buch nach.

Das Buch wird ergänzt durch Bilder von John Bridge, die ein ganz eigenes, zuweilen überraschendes Licht auf Hackels Geschichten werfen. (Foto: Archiv)

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