12. November 2019, 20:16 Uhr

Ermittlerduo mit Dackel

12. November 2019, 20:16 Uhr
»Immer wieder kommen Leute zu mir und fragen, ob sie im Buch vorkommen können«, sagt Jutta ›Jule‹ Heck (Fotos: hh/pv)

»Hieraus habe ich noch nie gelesen, Sie genießen heute ein Privileg«, bekennt Jule Heck unter dem Applaus von rund 40 Gästen im Pfarrheim. Auf dem Tisch liegt ihr noch druckfrischer Kriminalroman »Eisiger Abgrund«, aus dem sie einige Passagen zitiert. Während der Weihnachtsausstellung der katholischen Bücherei stellte sie allerdings ihr Vorgängerwerk »Der letzte Preuße« in den Mittelpunkt. Sieben Krimis hat die in Gambach beheimatete Autorin bereits veröffentlicht und weckt mit ihrer Literatur bei den Besuchern große Neugier. Gerade mal eine Hand geht auf die Frage hoch, wer von den Anwesenden bereits einen Blick hinter die mörderischen Kulissen im Schatten der Münzenburg geworfen hat.

Denn Leichen finden sich im Nordwesten der Wetterau zuhauf, und auch der Grusel- und Gänsehautfaktor kommt nicht zu kurz. »Wann fällt Erde auf Holz?«, fragt Heck und lässt die Krimifans erschaudern: »Ihre Beine lagen auf einem Körper, sie kratzte an Holz, fühlte Knochen, merkte Kniescheiben und eine tote Masse.« Dabei plaudert sie aus dem Nähkästchen. »Als ich das schrieb, konnte ich nächtelang nicht schlafen.« Die Szene erinnert an einen Fall in Steinfurth, wo vor Jahren eine Leiche unter Müllbergen in einem Wohnhaus gefunden wurde. Ihre Geschichten sind zwar erfunden, »aber auch nicht an den Haaren herbeigezogen«. Sie sollen die Menschen, Institutionen und Mentalität in der Wetterau authentisch erscheinen lassen.

Protagonisten der Handlungen sind Alexander Henneberg und Cosima von Mittelstedt, kurz Henne und Co. Sie bilden das Ermittlerduo vom K10 in Friedberg. »Die beiden sind ernst zu nehmende Personen, keine Witzfiguren«, erzählt Heck, verwendet im gleichen Moment aber klischeehafte Bilder. Der Kommissar ist das, »was Frau nicht von der Bettkante stößt«: groß, Waschbrettbauch und blaue Augen. Kurz: der Hahn, oder als Namensspiel, die »Henne im Korb«. Quereinsteigerin von Mittelstedt bringt als weiblicher Pendant zudem noch adliges Blut mit psychologischer Erfahrung ins Polizeirevier. Heimlicher Sympathieträger ist aber ein Vierbeiner, nämlich Rauhaardackel Erdmann. Immer dabei, sorgt er nicht nur für komische Situationen. Die Spürnase nimmt wichtige Fährten auf und bringt dabei in der Gerichtsmedizin auch schon einmal die DNA durcheinander. Für Heck kein Zufall, denn ihre Liebe zu dieser Hunderasse gründet sich auf einer Familientradition.

Dabei nimmt die Handlung immer wieder aktuelle Bezüge auf. Wenige Tage vor dem 30-jährigen Mauerfall-Jubiläum geht es im Roman um eine Flucht aus der DDR. Ein Presseartikel über einen Serienmörder holt den Bestattungsunternehmer Plettenberg in die Vergangenheit zurück. Heck veranschaulicht, wie aus falsch verstandener Liebe und einem einstürzenden Lügengebäude das Leben mehrerer Menschen zerstört wird. Über verschiedene Erzählstränge entsteht ein Spannungsbogen, der Neugier auf die Auflösung des Falls weckte. »Im letzten Preußen« stehen hingegen Intrigen, Rufmord und die Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen rund um die Familie Preuß im Fokus.

Leiche für den nächsten Krimi

Charakteristisch ist zudem eine geschickt gewählte Portion Münzenberger Lokalkolorit. So erfährt der Leser von reellen Begebenheiten wie einem durch die Wetterau tuckernden Oldtimerbus, einem Erdbeerhof und der leckeren Kürbissuppe von Frau Müller. Ob die der Männerwelt zugeneigte Sigrid mit ihren Alkohol- und Drogenexzessen hingegen ein reales Pendant hat, bleibt der Fantasie des Publikums überlassen. »Immer wieder kommen Leute zu mir und fragen, ob sie im Buch vorkommen können«, verrät Heck und scherzt: »Dann frage ich: Als Mörder oder als Leiche?«

Den Wunsch nach einer virtuellen Nebenrolle hat sie bereits einigen Gesprächspartnern erfüllt. Einen Dorn-Assenheimer Bezug gibt es bis dato in ihren Krimis allerdings nicht. Noch nicht. Denn Hecks Erläuterung, dass in der Familie Preuss Anfang der 80er Jahre noch die klassische Rollenverteilung zwischen Frau und Mann dominierte, kommentiert ein Gast mit einem Augenzwinkern: »Das ist auch gut so.« Hecks Konter: »Den achten Krimi hab ich bereits im Kopf, da sind Sie die Leiche.«

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