04. Oktober 2019, 20:53 Uhr

Erinnerungen an düstere Tage

04. Oktober 2019, 20:53 Uhr
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Aus der Redaktion
Zum Ende der Veranstaltung kommen alle Akteure auf die Bühne. (Fotos: pv)

Den Stimmen der Literatur zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 widmete sich der Karbener Literaturtreff im »Kuhtelier«. Vorsitzender Dieter Körber stellte den Pianisten Robert Krebs vor. Er begleitete die Redebeiträge mit eigenen Kompositionen und gab dem ernsten Charakter dieses Literaturabends eine besondere Note, hatte er doch einen Zyklus mit sechs Motiven komponiert, die sich zwischen die Textbeiträge einfügten.

Warnende Radioansprache

Körber erläuterte in der Einführung zum Thema die Umbrüche und gesellschaftlich-politischen Entwicklungen der Weimarer Republik: die Machtübergabe an Hitler durch Hindenburg, unterstützt von den nationalkonservativen Vertretern der rechten Presse und Groß-Agrariern; die Unterdrückung, Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung und die entsprechenden neuen Gesetze, die Ausweitung des deutschen Reichsgebietes, die letztlich, am 1. September 1939 im Zweiten Weltkrieg gipfelte.

Ernst Jüngers »Auf den Marmorklippen« hatte sich Hans Kärcher vorgenommen. Engagiert las er aus dem in einer nüchternen Sprache geschriebenen und in einer Fantasielandschaft spielenden Roman. Körber las den Briefwechsel von 1936/37 zwischen Thomas Mann und der Uni Bonn, vertreten durch den Dekan. Mann war erbost über die Aberkennung seiner Ehrendoktorwürde und schrieb indirekt auch eine Abrechnung mit dem Regime. Aus »Das siebte Kreuz« von Anna Seghers las Barbara Metz. In dem großen Roman der DDR-Autorin wird die ganze Brutalität der Konzentrationslager geschildert. Ingrid und Robert Axt boten Joachim Fests »Ich nicht«. In dem autobiografischen Roman behandelt Fest seine Kindheits- und Jugenderinnerungen zwischen 1933 und 1939. Hans-Martin Thomas behandelte die Biografie Marcel Reich-Ranickis: »Mein Leben«. »Die Blechtrommel« von Günter Grass, einer der wichtigsten Romane der deutschen Nachkriegszeit, wurde von Karin Schrey vorgestellt. Ähnlich wie Grass bezeichnet auch der Protagonist des Romans, Oskar Matzerath, ein Zwerg, der mit drei Jahren beschlossen hatte, nicht mehr zu wachsen, den 1. September 1939 als Ende seiner Kindheit.

Mit Winston Churchills »Der Zweite Weltkrieg« beschloss Helmut Regenfuß den Literaturabend. Er berichtete über Churchill zur Zeit des Kriegsanfangs, zitierte aus einer warnenden Radioansprache an die amerikanische Bevölkerung drei Wochen vor Kriegsbeginn und behandelte aus Churchills Memoiren dessen Erinnerungen und Anmerkungen zu den Anfangstagen des Zweiten Weltkrieges.



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