20. Juni 2018, 14:00 Uhr

Wettbewerb

Erfolgreiche Unternehmerin gesucht

Frauen sind in Führungspositionen unterrepräsentiert. Da gibt es einige Ideen, wie sich das ändern lässt. Die populärste: Quote. Eine andere: einen Wettbewerb ausschreiben und Vorbilder zeigen.
20. Juni 2018, 14:00 Uhr
Marion Gottschalk ist erfolgreiche Unternehmerin. Die Geschäftsführende Gesellschafterin von Ille sagt: »Hierarchische Geplänkel sind Frauen meist fremd.« (Foto: Rolf K. Wegst)

Fast die Hälfte der Erwerbstätigen in Deutschland ist weiblich – aber nur jeder vierte Chef ist eine Chefin. Warum? Schwierige Frage. Malu Schäfer-Salecker vom Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW) hat zwar ein paar Ideen, warum Frauen immer noch unterrepräsentiert sind, aber sie weiß vor allem, woran es nicht liegt: »Am Know-how und am Können.«

Die Leistung von Unternehmerinnen sichtbar machen – und damit auch Vorbilder bzw. gelungene Beispiele zeigen, das ist die Intention des Wettbewerbs durch den BVMW, bei dem für das Jahr 2018 der Unternehmerinnenpreis ausgeschrieben ist. Die Bewerbungsfrist endet am 24. August. Die Preisverleihung findet am 19. September bei Ille in Altenstadt statt. Sie ist eingebettet in die Podiumsdiskussion »Profession: Unternehmerin – erfolgreich sein, heißt Erfolg wagen.« Die Bekanntgabe der Gewinnerin und die Preisübergabe wird Ex-Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries übernehmen.

»Bei bisherigen Unternehmerpreisen hatten sich auch immer Frauen beworben. Aber gewonnen hat immer ein Mann«, sagt Malu Schäfer-Salecker. Deshalb der Entschluss, den Wettbewerb in diesem Jahr ausschließlich für Frauen auszuschreiben. Die Organisatorin hofft auf eine rege Beteiligung.

 

Frau Gottschalk, Sie sind Geschäftsführende Gesellschafterin der Ille Papier-Service GmbH und im September Gastgeberin einer Podiumsdiskussion zum Thema Unternehmerin, gleichzeitig Gastgeberin bei der Unternehmerinnen-Preisverleihung. Warum unterstützen Sie das Projekt?

Marion Gottschalk: Grundsätzlich halte ich es für sinnvoll, Frauen in der Öffentlichkeit noch stärker zu präsentieren. Der BVMW kam mit einem interessanten Format auf uns zu, das wir gerne unterstützen. Von den Teilnehmern der Podiumsdiskussion verspreche ich mir einige Impulse.

Haben Sie den Eindruck, dass Frauen und ihre Leistungen in Führungspositionen zu wenig wahrgenommen werden?

Gottschalk: Diese Frage kann ich nur schwer beantworten. In den Medien sieht man durchaus einige Frauen. Es wird auch darauf geachtet, erfolgreiche Frauen zu präsentieren. Andererseits denke ich schon, dass Frauen sich oftmals auf ihre Kernaufgaben im Beruf und sicher auch in der Familie konzentrieren und von daher sich selbst aus zeitlichen Gründen weniger um Öffentlichkeitsarbeit kümmern.

Führen Frauen tatsächlich anders als Männer und wenn ja, in welcher Weise?

Gottschalk: Ja, tatsächlich. Grundsätzlich erlebe ich Frauen sehr sachorientiert. Hierarchische Geplänkel sind ihnen meist fremd. Zudem sind Frauen in der Regel sehr fleißig. In der Entscheidung erlebe ich Frauen als sehr mutig. Wenn sie eine Überzeugung haben, stehen sie dahinter und nehmen auch bei der Durchsetzung Schwierigkeiten in Kauf. Ihr Werkzeug ist dabei meist, mit den Kollegen zu reden und diese von der Sache zu überzeugen. Das bringt ein angenehmes Betriebsklima.

Wo sehen Sie Ihre Stärken als Unternehmerin und spielt dabei Ihr Frausein überhaupt eine Rolle?

Gottschalk: Das Frausein kann man zu keinem Zeitpunkt abschütteln. Ich bin es natürlich in jedem Moment und werde auch von der Außenwelt so wahrgenommen. Ich habe es immer als Vorteil empfunden, auch wenn es hin und wieder Männer gibt, die damit ein Problem haben. Das kann man mit ein paar Tricks aber ganz gut bewältigen. Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass mir höflicher begegnet wird. Mir persönlich liegen die Menschen sehr am Herzen. Vom Kunden, über den Lieferanten und Geschäftspartner bis zum Mitarbeiter. Wenn Probleme auftreten, versuche ich für alle Seiten tragbare Lösungen zu finden. Das machen auch viele Männer. Dennoch wird die Eigenschaft oftmals Frauen zugesprochen.

Warum ist der Anteil an Frauen in Führungspositionen bzw. in Firmenleitungen überschaubar?

Gottschalk: Das hat in meinen Augen viele Ursachen. Es beginnt mit dem deutschen Frauenbild, das noch vom dritten Reich geprägt ist, als Mütter zu Hause bleiben sollten, um sich ausschließlich der Familie zu widmen. Das gibt es so im europäischen Ausland nicht. Dort ist es normal, dass Mütter relativ schnell nach der Geburt wieder arbeiten. Damit eng verbunden sind die immer noch schlechten Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Es gibt zu wenige qualifizierte U3-Plätze, die Angebote im Kindergarten sind nicht flexibel genug. Z. B. können Kinder nur sehr selten ausschließlich nachmittags untergebracht werden), und die Ganztagsschule ist eine Ausnahme anstelle einer Regel. Das zwingt Mütter dazu, sehr reduziert zu arbeiten bzw. ihre Zeit gut einzuteilen. Außerdem arbeiten Frauen nicht unbedingt gezielt an ihrer Karriere, weil sie sehr sachlich sind und weniger taktisch vorgehen. Ich finde das sympathisch, aber es führt nicht überall zum Ziel.

Wie ist die Situation bei Ille?

Gottschalk: Bei Ille halten wir die Hierarchien flach. Neben der Geschäftsleitung gibt es noch die mittlere Führungsebene. Mich freut es besonders, dass auch in Bereichen, die sehr männerlastig sind, Frauen führen. So sind in unserer Tourenleitung in Altenstadt, die unsere Servicefahrer betreut, 50 Prozent Frauen. In unseren Niederlassungen haben wir das noch nicht geschafft, aber unsere Teamleiterrunde ist ebenfalls zu 50 Prozent mit Frauen besetzt. Junge Nachwuchsführungskräfte haben heute oftmals ein duales Studium bei uns absolviert. Das hat die Frauenquote in Führungspositionen angehoben. Aber auch mit einer Ausbildung kommt Frau zum Ziel. Entscheidend ist das Engagement und der Wille, Projekte außerhalb des Tagesgeschäftes zu übernehmen.

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