24. April 2018, 17:00 Uhr

Rettungs-Teddy

Er ist der große Helfer mit den kleinen Kulleraugen

Wenn Kinder sich verletzen, ist das auch für die Rettungskräfte schlimm. Zwei Notfallsanitäter von der Johanniter-Unfall-Hilfe haben aber einen besonderen Helfer.
24. April 2018, 17:00 Uhr
Der Rettungsteddy hilft Kindern die Angst zu nehmen. (Foto: ssa)

Wenn Kinder einen Unfall haben, dann meistens beim Spielen, sagt Johannes Mildenberger. Dabei entstünden Kopfverletzungen oder Platzwunden, die bedrohlich wirkten, aber meist nicht lebensgefährlich seien. »Die Eltern sind dann oft auch sehr aufgeregt, das macht die Gesamtsituation manchmal dramatisch.« Mildenberger und Edwin Klingelhöfer sind Notfallsanitäter im dritten Lehrjahr an der Bad Nauheimer Wache der Johanniter-Unfall-Hilfe. »Unfälle von Kindern sind glücklicherweise eher selten. In den drei Jahren, in denen ich dabei bin, waren das ein bis zwei pro Jahr«, sagt Mildenberger. »Verletzungen wie Platzwunden oder Brüche können auch sehr gut hier im Bad Nauheimer Krankenhaus behandelt werden.« Für internistische Fälle, wie beispielsweise schwere Krupp-Anfälle, müsse man in die Kinderklinik nach Gießen oder Frankfurt fahren.

 

Wenn ein Rettungsteam in Uniform und mit Gepäck kommt, kann das auf Kinder schon bedrohlich wirken

Johannes Mildenberger

 

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Die Notfallsanitäter Edwin Klingelhöfer (l.) und Johannes Mildenberger setzen im Fall der ...

»Wenn ein Rettungsteam mit zwei bis fünf Leuten in Uniform und mit Gepäck kommt, kann das auf Kinder schon bedrohlich wirken«, erklärt Mildenberger. »Deshalb haben wir die Teddys dabei. Sie beruhigen und schaffen Vertrauen und erleichtern die Kommunikation mit dem Kind.« Auch sprachlich müsse man sich den Kindern anpassen, dies sei wichtig für Kinder und Eltern. »Die Teddys helfen uns, Vertrauen aufzubauen. Und die Kinder bekommen auch schon mal einen Teddy zur Belohnung, wenn sie besonders tapfer waren – etwa bei der Versorgung eines Armbruchs«, sagt Klingelhöfer. Wenn ein Kind einen Verband bekommen müsse, nutze man auch schon mal den Teddy, um zu zeigen, dass das Anlegen des Verbandes nicht wehtue. »Hier kommt es auch auf die Eltern an, dass diese nicht hektisch oder ängstlich sind. Das färbt natürlich auf die Kinder ab, und sie reagieren entsprechend.«

 

Sicherer Transport gewährleistet

Alle Rettungsfahrzeuge seien so ausgerüstet, dass verunfallte Kinder in entsprechenden Rückhaltevorrichtungen oder Maxi-Cosis transportiert werden können. Auch wenn ein Elternteil einen Unfall habe und Baby oder Kind mit ins Krankenhaus müssten, sei so ein sicherer Transport gewährleistet, erklärt Mildenberger. In besonders schweren Fällen werde auch ein Kindernotarzt angefordert, der allerdings aus Gießen, Marburg oder Frankfurt kommen müsse. »Die medikamentöse Versorgung von Kindern ist natürlich anders als bei Erwachsenen«, erläutert Mildenberger. Zwei Rettungshubschrauber, die in Gießen und in Reichelsheim stationiert seien, kämen zum Einsatz, wenn ein Kind schnell in eine Fachklinik müsse – »dann versuchen wir natürlich, es zu ermöglichen, dass ein Elternteil mitfliegen kann«.

Info

Der Rettungsteddy

Seit 2012 kommt der Rettungsteddy bei Notfällen mit Kindern zum Einsatz. Gestiftet werden die plüschigen Ersthelfer von AKIK, dem Aktionskomitee Kind im Krankenhaus, einem gemeinnützigen Verein mit Sitz in Frankfurt, der sich für Kinder und Jugendliche vor, nach und während eines Krankenhausaufenthaltes engagiert. Auch die Stiftung Giersch unterstützt die Anschaffung der Teddys. Sie unterstützt junge Wissenschaftler, fördert Kunst und Kultur und auch medizinische Projekte, besonders für Kinder und Jugendliche.     (isi)

 

Auch Wiederbelebungsmaßnahmen bei Kindern seien selten, sagt Mildenberger, kämen aber bei Krupp-Anfällen oder dem plötzlichen Kindstod vor: »In solchen besonders belastenden Fällen muss man natürlich auch nach den Eltern und Geschwistern schauen.« Hier ziehe man entsprechende Notfallseelsorger hinzu, die im Umgang mit traumatischen Erlebnissen geschult seien und sich dann um die Angehörigen kümmerten. Natürlich erhielten sie als Auszubildende auch Schulungen in psychosozialer Notfallversorgung, man ziehe in solchen Fällen aber immer Fachkräfte hinzu.

Seit ein paar Jahren gebe es auch in Bad Nauheim ein Angebot der Johanniter für trauernde Kinder, die ein Familienmitglied oder einen engen Freund verloren haben. Lacrima biete Unterstützung bei der Trauerarbeit, in Gruppenstunden lernten Kinder, ihre Trauer zu bewältigen. Klingelhöfer: »Die Johanniter-Unfall-Hilfe bietet außerdem spezielle Erste-Hilfe-Kurse am Kind an.« Infos zu Lacrima oder zu Erste-Hilfe-Kursen gibt es unter www.johanniter.de.

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